In der Schweiz gibt es eine wichtige Entwicklung im Bereich der Unterstützung für Missbrauchsopfer im kirchlichen Umfeld. Die Interessensgemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (IG-M!kU) hat auf ihrer kürzlich abgehaltenen Generalversammlung beschlossen, einen nationalen Dachverband zu gründen. Dieser Schritt wurde einstimmig genehmigt, und es wurde ein entsprechendes Startkapital bereitgestellt. Die Organisation plant die Einrichtung einer nationalen Geschäftsstelle, um die Strukturen professioneller zu gestalten und die Unterstützung für Betroffene zu vereinheitlichen.
Die IG-M!kU arbeitet eng mit der Westschweizer Organisation SAPEC sowie der Tessiner Organisation GAVA zusammen. Die Präsidentin der IG-M!kU, Vreni Peterer, die selbst Opfer von sexuellem Missbrauch durch einen Pfarrer ist, betont die Notwendigkeit eines gemeinsamen Dachs und einer professionellen Geschäftsstelle. Die Organisation sieht sich mit einem gestiegenen Bedarf konfrontiert, da die Kapazitäten aufgrund der zunehmenden Bekanntheit und der damit einhergehenden Anfragen überschritten wurden.
Engagierte Unterstützung für Missbrauchsopfer
Die IG-M!kU ist ein Verein, der hauptsächlich auf der Freiwilligenarbeit basiert. Für viele Missbrauchsopfer in der Schweiz ist die IG-M!kU eine wichtige Anlaufstelle für Gespräche, Beratungen und Unterstützung in psychologischen sowie rechtlichen Belangen. Die Betroffenen wünschen sich empathische Zuhörer, die ihre Erfahrungen ernst nehmen und sie unterstützen. Informationen zu Treffen der Betroffenen sind unter der Telefonnummer 077 461 65 52 erhältlich, wo auch die engagierte Vreni Peterer persönlich Auskunft geben kann.
Aktuell wird eine Leiterin oder ein Leiter für die Geschäftsstelle gesucht, und ein Fundraising wird gestartet, um die nötigen Mittel zu beschaffen. Die IG-M!kU hat bereits Landeskirchen und kirchennahe Stiftungen um finanzielle Unterstützung angefragt. Dabei bleibt die Organisation jedoch unabhängig in ihrer Arbeit, und die Betreuung der Betroffenen erfolgt weiterhin durch freiwillige Personen.
Aufarbeitung und Transparenz im kirchlichen Kontext
Parallel zu den Entwicklungen in der Schweiz gibt es auch in Deutschland wichtige Schritte zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Kirchen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich auf die individuelle Aufarbeitung sexualisierter Gewalt fokussiert. Ein Ziel ist die Etablierung von Anerkennungszahlungen durch spezielle „Anerkennungskommissionen“. Aktuell läuft das Forschungsprojekt ForuM, das die strukturellen Bedingungen untersucht, die sexualisierte Gewalt begünstigen.
Eine „Gemeinsame Erklärung“ zwischen EKD, Diakonie Deutschland und der Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs wurde am 13. Dezember 2023 unterzeichnet. Diese Erklärung legt verbindliche Kriterien für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt fest und sieht die Gründung von „Unabhängigen Regionalen Aufarbeitungskommissionen“ vor, die bald ihre Arbeit aufnehmen werden. Betroffene werden aktiv in die Aufarbeitung einbezogen, was einen wichtigen Schritt zu mehr Transparenz und Gerechtigkeit darstellt.
In diesem Kontext ist die Gründung des nationalen Dachverbands der IG-M!kU ein bedeutender Schritt, um die Unterstützung für Missbrauchsopfer in der Schweiz zu stärken und eine einheitliche Betreuung zu gewährleisten. Es zeigt sich, dass die Stimmen der Betroffenen gehört werden müssen, um eine nachhaltige Veränderung zu bewirken.