Im Tessin hat sich etwas Entscheidendes verändert. Ab der kommenden Saison wird der FC Lugano der einzige Profiklub der Region sein. Ein Umstand, der den Fussball in diesem schönen Teil der Schweiz nachhaltig prägen könnte. Die AC Bellinzona, einst ein stolzer Vertreter des Tessiner Fussballs, steht als Schlusslicht in der Challenge League und hat zudem keine Lizenz. Ein trauriges Kapitel, das sich da schließt. Tatsächlich wird Lugano der letzte Vertreter aus dem Tessin im Profifussball sein – eine Entwicklung, die wohl nur die Wenigsten für möglich gehalten hätten.

Der FC Lugano konnte im Jahr 2022 den Schweizer Cup gewinnen, was gleichzeitig den einzigen Tessiner Triumph im Profifussball in diesem Jahrtausend darstellt. Ein Moment des Stolzes für die Region, der jedoch auch die Frage aufwirft, wie lange dieser Erfolg noch anhalten kann. Die wirtschaftlichen Herausforderungen im Tessin sind nicht zu unterschätzen: hohe Krankenkassenprämien und eine hohe Arbeitslosenquote machen es schwer, mehrere Spitzenvereine zu unterstützen. Es wird noch komplizierter, wenn man bedenkt, dass es an Tessiner Geldgebern fehlt, die bereit sind, in den Fussball zu investieren. Das ist ein echtes Dilemma.

Eine neue Ära für den FC Lugano

Doch es gibt auch Lichtblicke. Der FC Lugano hat die Möglichkeit, eine erfolgreiche Ära einzuleiten. Mit einem soliden Eigentümer und einem neuen Stadion im Rücken könnte der Verein endlich wieder in die oberen Regionen der Tabelle vordringen. Die Prognosen sind positiv – zumindest für Lugano. Während andere Tessiner Vereine wie Bellinzona, Locarno oder Malcantone voraussichtlich nicht erfolgreich sein werden, könnte der FC Lugano zum Leuchtturm des Tessiner Fussballs werden. Ein bisschen wie der letzte Mohikaner in einem gebrochenen Land.

Fußball hat in der Schweiz eine lange und bewegte Geschichte. Die Anfänge waren alles andere als einfach. 1898 wurde die erste offizielle Meisterschaft lanciert, doch das öffentliche Interesse war gering. Britische Studenten brachten den Fussball ins Land, und die ersten Klubs wurden gegründet – oft auf unzureichenden Spielfeldern. Wenn man sich vorstellt, dass ein Spiel zwischen Anglo-American F.C. und F.C. Basel nur von 10 bis 20 Zuschauern verfolgt wurde, kann man sich kaum vorstellen, dass dieser Sport einmal so populär werden würde. Die ersten Schiedsrichter waren oft nicht neutral und die Spieler verdienten kein Geld. Fußball galt als rüpelhaft im Vergleich zu den edlen Turnübungen.

Ein Blick zurück

Die Schwierigkeiten, die die ersten Klubs überwinden mussten, sind fast schon legendär. Unbrauchbare Plätze, die von Maulwurfshügeln durchzogen waren, und Bäume, die das Spielgeschehen störten, waren an der Tagesordnung. Das Schweizer Sportblatt berichtete über diese Pionierzeit und hielt die Erinnerungen daran fest, auch wenn nur wenige Menschen Interesse zeigten. Der erste offizielle Schweizer Meister 1899 war der Anglo-American F.C., der jedoch in einem eher schmallippigen Rahmen gefeiert wurde. Man fragt sich, wo all die Begeisterung geblieben ist. Vielleicht steckt sie ja im Herzen von Lugano, das nun versuchen wird, den Tessiner Fussball wieder auf die Karte zu setzen.

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Die Zukunft des FC Lugano könnte also strahlend sein, während die anderen Tessiner Vereine in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Ein bisschen wie ein Phoenix aus der Asche – oder eher ein einsamer Held in einem Land voller Herausforderungen. Aber hey, das ist Fussball. Und wer weiß, vielleicht gibt es bald wieder Grund zum Feiern im Tessin.