Armandos Erinnerungen: Ein Zeitzeuge erzählt vom Mut in dunklen Zeiten
Heute ist der 17.06.2026 und die Vorfreude auf die Premiere des Dokumentarfilms «Armandos Erinnerungen» ist in der Luft. Martin Pfister und Noël Koller haben sich mit viel Herzblut und Engagement auf die Reise begeben, die bewegende Geschichte von Armando Ghisalberti zu erzählen. Der 102-jährige Zeitzeuge hat die Grenzwirren im Tessin während des Zweiten Weltkriegs hautnah miterlebt. Es ist eine Geschichte, die nicht nur die Schatten der Vergangenheit beleuchtet, sondern auch die Menschlichkeit und den Mut, der in schwierigen Zeiten aufblühen kann.
Dieser Film nimmt uns mit in eine Zeit, als der Krieg nicht weit entfernt war. Die Rettung italienischer Zivilisten und Partisanen steht im Mittelpunkt und das Gefecht bei den Bagni di Craveggia im Oktober 1944 wird eindrucksvoll nachgezeichnet. Pfister und Koller haben sich mit Leidenschaft und Hingabe der Produktion gewidmet. Dabei war die Suche nach einem Partner für das Projekt entscheidend. Koller, der die technische Umsetzung und Regie übernahm, war sofort Feuer und Flamme. Pfister kümmerten sich um die historischen Recherchen und den Text. Zusammen haben sie eine interessante, emotionale Perspektive geschaffen, die das Publikum fesseln soll.
Ein Blick in die bewegte Vergangenheit
Im Tessin war der Zweite Weltkrieg spürbar präsent. Mussolinis faschistisches Italien lag in unmittelbarer Nähe und die Auswirkungen waren überall zu spüren. Im September 1943 kapitulierte Italien nach der Landung der Alliierten in Süditalien. Die deutsche Wehrmacht besetzte Norditalien und viele italienische Männer wurden zum Dienst in der deutschen Armee eingezogen. In dieser Zeit erlebte der Grenzsoldat Erwin Naef die moralischen Konflikte hautnah, als er während seiner Dienstzeit an der Südgrenze schutzsuchende Menschen zurückweisen musste. In seinen Briefen an seine Frau Alice dokumentierte er seine Erlebnisse mit jüdischen Flüchtlingen und die emotionalen Belastungen, die ihm oft nicht die Möglichkeit ließen, zu helfen.
Aline Valangin, eine Schriftstellerin, beobachtete das Geschehen an der Grenze und dokumentierte in ihrem Buch «Dorf an der Grenze» die Ankunft von Flüchtlingen und die Herausforderungen, die sie durchleben mussten. Auch in Ascona, nur einen Katzensprung entfernt, fand 1945 ein geheimes Treffen zur «Operation Sunrise» statt. Es war eine Zeit voller Unsicherheiten und mutigen Entscheidungen.
Premiere und weitere Vorstellungen
Die Deutschschweizer Premiere von «Armandos Erinnerungen» findet am Freitag, 19. Juni, um 19.30 Uhr im Gymnasium Appenzell statt. Das Programm wird abgerundet durch die Vorstellung des Buches «Kampfzone Ossola» von Raphael Rues und Partisanenlieder von Hans Fässler, gefolgt von einem geselligen Apéro. Auch eine weitere Vorführung des Films ist am 23. Juni um 18.30 Uhr im Cinétreff Herisau geplant. Pfister sieht die Premiere als ein Geschenk und ist gespannt auf die Reaktionen des Publikums, während Koller hofft, dass die Zuschauer Ghisalberti persönlich kennenlernen und über die Unterschiede zwischen Krieg damals und heute nachdenken.
Die Produktion des Films war eine intensive Reise, die etwa ein halbes Jahr dauerte, mit Dreharbeiten an mehreren Tagen im Oktober 2025. Die Veröffentlichung in drei Sprachen erforderte zusätzliche Zeit für Übersetzungen und Aufnahmen. Ein einmaliges Projekt, das möglicherweise den Grundstein für zukünftige inspirierende Filme legt, die gesellschaftlichen Wert bieten. Koller plant, unabhängig zu arbeiten, während er sein Studium als Oberstufenlehrer abschließt.
Armando Ghisalberti und seine Erinnerungen sind nicht nur ein Blick in die Vergangenheit, sondern auch ein Aufruf an uns alle, die Lehren der Geschichte zu reflektieren und die menschliche Solidarität zu bewahren. In einer Zeit, in der Konflikte oft näher sind, als man denkt, ist es wichtig, die Stimmen der Zeitzeugen zu hören und zu verstehen, was es bedeutet, inmitten von Krieg und Unsicherheit zu leben.
