Im Tessin brodelt es! Die Lage der Alpwirtschaft ist ernst und die Stimmen der Landwirte werden immer lauter. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass über 80% der Tessiner Alpen nicht ausreichend geschützt werden können. Dies ist besonders alarmierend, da die Wolfspopulation ansteigt und die Zahl der Nutztierrisse sprunghaft ansteigt. Im Jahr 2025 wurden im Tessin rund 70 Wölfe gezählt, was zu einer Rekordzahl von 233 Nutztierrissen und 95 vermissten Tieren führte. Die Tessiner Bauern sind verzweifelt und sehen die Situation als unhaltbar an.

Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, wurde eine Petition ins Leben gerufen, die innerhalb von weniger als drei Monaten fast 12.000 Unterschriften gesammelt hat. Diese Petition, die am 11. Mai den Mitarbeitenden von Bundesrat Albert Rösti übergeben wurde, fordert entschlossenes Handeln von kantonalen und eidgenössischen Behörden. Die Unterzeichner verlangen wirksame Maßnahmen zum Schutz der Tessiner Viehzucht und Alpwirtschaft. Die bisher passiven Schutzmaßnahmen haben ihre Grenzen aufgezeigt, und es muss gehandelt werden!

Protest für besseren Schutz

Am 18. Oktober 2025 wurde in Bellinzona eine Protestaktion organisiert, an der rund 300 Menschen und Tiere, darunter Schafe und Ziegen, teilnahmen. Die «Groupe Territoire et Alpages», ein Zusammenschluss mehrerer Verbände, hat die Veranstaltung ins Leben gerufen, um auf die Probleme der Tessiner Alpwirtschaft und den Schutz vor Wölfen aufmerksam zu machen. Die Organisatoren betonen, dass 74% der Schafalpen und 79% der Ziegenalpen nachts nicht geschützt sind. Das Jahr 2025 war für die Züchter alles andere als leicht, da sie immer häufiger mit Wolfsrissen konfrontiert wurden und einige Alpen möglicherweise nie wieder genutzt werden können.

Die Unzufriedenheit mit dem Management der Behörden ist groß. Die Demonstranten fordern Gesetzesreformen und eine drastische Reduktion der Wolfpopulation im Tessin. Ein weiteres Anliegen ist, dass Hirten ihre Herden im Falle eines Angriffs verteidigen dürfen. Diese Forderungen sind nicht unbegründet, denn die Unsicherheit, die durch Wolfssichtungen in der Nähe von Siedlungen verursacht wird, gefährdet auch Investitionen in der Region.

Politische Unterstützung und Maßnahmen

Das Thema Wolf hat auch die Politik erreicht. Zahlreiche Motionen im Parlament unterstützen die Anliegen der Landwirte und fordern eine Regulierung der Wölfe. Diese soll effizient, unbürokratisch und unter Einbezug geschulter Dritter erfolgen. Die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs durch die Berner Konvention hat bereits stattgefunden, jedoch ist das Bundesrecht zur Herabstufung noch nicht vollständig umgesetzt. Die Kosten für jährliche Überwachungs- und Schutzmaßnahmen summieren sich inzwischen auf Millionen, ohne dass ein nachgewiesener Nutzen erkennbar ist.

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Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) beteiligt sich an den Kosten für Herdenschutzmaßnahmen gegen Großraubtiere, die durch das Umweltbudget finanziert werden. Doch auch hier gibt es Kritik: Die Kantone sind für Beratung, Bewilligungen und teilweise Restfinanzierungen zuständig, was die Situation nicht unbedingt vereinfacht.

Wolfspräsenz in der Schweiz

Die Wolfspräsenz in der Schweiz nimmt immer mehr zu. Laut aktuellen Daten gibt es in der Schweiz eine steigende Zahl von Wolfsnachweisen. Die letzte Aktualisierung zeigt, dass nur Rudelgebiete auf der Karte angezeigt werden. Das Monitoring-Center von KORA hat bereits eine eigene Liste mit Einzelnachweisen, die jedoch nicht mehr geführt werden kann. Die Veränderungen in der DNA-Analyse, wie die Mitteilung vom 18. Juli 2023 zeigt, sind ein weiteres Indiz für die zunehmende Komplexität im Umgang mit der Wolfspopulation.

Die Situation im Tessin ist ein Spiegelbild für viele alpine Regionen in der Schweiz. Es bleibt abzuwarten, wie die Behörden auf die Forderungen der Landwirte reagieren und welche Maßnahmen ergriffen werden, um den Schutz der Alpwirtschaft zu gewährleisten. Die Zeit drängt und die Wölfe sind nicht die einzigen, die sich in den Alpen vermehren.