Die römisch-katholische Kirche im Kanton Solothurn steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Mit über 70 Pfarreien und 72 Kirchgemeinden mag die Struktur bisher stabil erschienen sein, doch die Realität sieht anders aus. Der Mitgliederschwund ist unübersehbar. In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der Gläubigen um rund 30 % verringert – das sind etwa 72.000 Mitglieder, die sich in der Gemeinschaft versammeln. Und das ist nicht alles: Personelle Engpässe in den Kirchgemeinden erschweren die Besetzung kirchlicher Ämter. Es ist, als würde das Fundament bröckeln, auf dem die Gemeinschaft steht.

Vor zwei Jahren wurde ein Reformprozess ins Leben gerufen, um diese Herausforderungen anzugehen. Die Beteiligten sind eine bunte Mischung aus Kirchgemeinden, Pastoralräumen, der Synode und dem Bistum Basel. Sogar der Kanton hat seine beratende Unterstützung angeboten. Kürzlich trafen sich rund 90 Personen in Olten, um die nächsten Schritte zu diskutieren. Eine Projektleitung wird nun den Reformprozess steuern. Die Vision? Eine Reduzierung auf vier Kirchgemeinden und vier Pastoralräume/Pfarreien. Das klingt nach einem gewaltigen Schritt, der nicht ohne Kontroversen über die Bühne gehen wird.

Ein langer Weg zur Veränderung

Die angestrebte Reform zielt darauf ab, die kirchliche Präsenz im Kanton langfristig zu sichern und sich an gesellschaftliche Veränderungen anzupassen. Doch noch sind keine verbindlichen Beschlüsse zur künftigen Struktur gefasst. Verschiedene Modelle sind denkbar, und ein verbindlicher Zeitplan für die Umsetzung der Reform steht ebenfalls noch aus. Es bleibt abzuwarten, wie die Stimmberechtigten auf die geplanten Fusionen reagieren. Denn eines ist klar: Jede Fusion muss demokratisch abgestützt sein und die Zustimmung der Bevölkerung erhalten. Und nicht zu vergessen – der Kantonsrat hat das letzte Wort.

Mit einem Rückgang der Taufen und Trauungen sieht sich die Kirche auch in Deutschland mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Die Mitgliederzahlen der großen Kirchen sinken weiter. Im Jahr 2023 gehörten noch 38,9 Millionen Menschen einer der beiden Kirchen an, während 2024 nur noch 37,8 Millionen erwartet werden. Das bedeutet, dass immer weniger Menschen den Weg zur Kirche finden. Auch die Anzahl der Taufen hat einen Rückgang von rund 30.000 im Vergleich zum Vorjahr erfahren. Die Evangelische Kirche und die Katholische Kirche stehen vor der Frage, wie sie die Menschen wieder erreichen können.

Ein Aufruf zur Mitarbeit

Diözesanbischof Felix Gmür unterstützt die Vision der Reform und hebt die Notwendigkeit hervor, die Zukunft der Kirche aktiv zu gestalten. Freiwilligenarbeit und breitere Beteiligung der Gläubigen werden in den kommenden Jahren noch mehr gefragt sein. Es wird spannend zu beobachten, wie sich die Kirche in Solothurn und darüber hinaus neu ausrichten wird. Die aktuellen 16 Pastoralräume sind das Resultat einer schrittweisen Strukturreform, die in den 2010er Jahren begann. Man fragt sich, ob die neuen Veränderungen tatsächlich den erhofften Schwung bringen können.

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Am Ende des Tages ist die Frage, ob die Kirche in Solothurn den Mut findet, sich den Herausforderungen zu stellen. Kommt die Wende? Oder bleibt alles beim Alten? Die Zeit wird es zeigen. Aber eines steht fest: Die Menschen, die in den Kirchgemeinden leben und arbeiten, verdienen eine starke und lebendige Gemeinschaft. Irgendwie wird es weitergehen.