Stimmen der Weisheit: Wie Partizipation das Leben im Alterszentrum Wengistein bereichert
Heute ist der 22.07.2026 und wir werfen einen Blick auf das Alterszentrum Wengistein in Solothurn, das mit seinen 90 Bewohnerinnen und Bewohnern, deren Durchschnittsalter bei beeindruckenden 93 Jahren liegt, ein wahres Beispiel für gelebte Partizipation ist. Die Pandemie hat uns im letzten Jahr viel gelehrt. Ein zentrales Anliegen war es, die älteren Menschen besser in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Der Bund empfiehlt genau dies, um die negativen Auswirkungen von Kontaktbeschränkungen und sozialer Isolation zu vermeiden. Genau hier kommt der Bewohnerrat ins Spiel.
Hansruedi Moor, der Leiter des Alterszentrums, und Esther Ludwig, die den Bewohnerrat moderiert, haben gemeinsam eine Plattform geschaffen, auf der die Anliegen der Bewohner ernst genommen werden. Sechsmal jährlich trifft sich der Bewohnerrat, bestehend aus etwa zehn Mitgliedern. Dabei werden nicht nur Anliegen diskutiert, sondern auch konkrete Projekte wie der neue Garten für die Pflege- und Demenzabteilung auf Anregung des Rates ins Leben gerufen. Ein Schritt, der nicht nur den Bewohnern Freude bereitet, sondern auch die Natur ins Zentrum rückt.
Kollaboration zwischen Bewohnern und Angehörigen
Zusätzlich gibt es einen Rat der Angehörigen, der ebenfalls aus rund zehn Personen besteht und sich in ähnlichem Rhythmus trifft. Hier können die Angehörigen Anliegen einbringen, insbesondere wenn die Bewohner selbst nicht mehr in der Lage sind, sich zu äußern. Das schafft eine Brücke zwischen den Generationen, und die Stimmen derjenigen, die oft im Hintergrund stehen, sind nicht mehr lost in translation.
Die Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig dieser Dialog ist. Trotz der Kontaktbeschränkungen gab es im Alterszentrum Wengistein einen konstruktiven Austausch zwischen Bewohnern, Angehörigen und der Leitung. Die Tatsache, dass alle Seiten an einem Strang ziehen, ist ein echter Lichtblick in dunklen Zeiten. Diese Form der Partizipation ist nicht nur eine Frage des Respekts, sondern auch ein essentieller Bestandteil des Wohlbefindens der älteren Generation.
Partizipation über Altersgrenzen hinweg
Doch nicht nur in Alters- und Pflegeheimen ist Partizipation wichtig. In anderen Einrichtungen, wie zum Beispiel in der Jugendhilfe, wird ebenfalls auf die Stimmen der Betroffenen Wert gelegt. Hier gibt es verschiedene Gremien, wie den Heimbeirat oder den Heimrat, die – ähnlich wie im Alterszentrum – die Interessen der Bewohner vertreten. In diesen Gremien sind gewählte Gruppensprecher aktiv, und jeder Gruppe wird ein Berater aus dem Mitarbeiterkreis zugeordnet. Diese Struktur fördert eine transparente und offene Kommunikation. Ein Partizipationsbeauftragter übernimmt die Koordination und sorgt dafür, dass alle Stimmen Gehör finden.
Der Verein „Berater KiJuV“ Hessen, gegründet 2015, hat sich dem Ziel verschrieben, Kinder- und Jugendvertretungen in Einrichtungen zu unterstützen. Hier werden nicht nur Schulungen angeboten, sondern auch die Rechte der Jugendlichen gestärkt. Persönlichkeitsrechte, Rückzugsmöglichkeiten und das Recht auf Beschwerde sind zentrale Themen, die hier behandelt werden. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Menschen in jedem Alter – ob jung oder alt – die Möglichkeit bekommen, ihre Meinung zu äußern und aktiv an den Entscheidungen, die sie betreffen, teilzunehmen.
Insgesamt wird also deutlich, dass Partizipation nicht nur ein Schlagwort ist. Es ist ein Lebensgefühl, das sowohl in Altersheimen als auch in Jugendhilfeeinrichtungen einen Platz hat. Wenn wir hier weiterdenken, wird klar, dass es nicht nur um das Alter geht, sondern um die Menschen selbst. Wie viele Geschichten, Ideen und Erfahrungen stecken in diesen Gremien? Und wie viel mehr könnten wir lernen, wenn wir einfach nur zuhören würden?
