Häusliche Gewalt ist ein brisantes Thema, das aktuell im Kanton Solothurn mehr denn je im Fokus steht. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Fälle sprunghaft angestiegen – ein alarmierender Trend, der nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes betrifft. Die Opferhilfe Kanton Solothurn, die 2021 ins Leben gerufen wurde, hat sich in dieser Zeit als zentrale Anlaufstelle für all jene etabliert, die unter häuslicher Gewalt leiden. Über 4500 Menschen haben sich bereits beraten lassen, und die Anzahl der eröffneten Dossiers hat sich von 697 im Jahr 2022 auf stolze 1257 in 2025 erhöht. Das ist eine Steigerung, die nachdenklich stimmt. Mehr als die Hälfte dieser Anfragen betraf häusliche Gewalt – und 2025 waren es bereits 524 registrierte Fälle, was einer Zunahme von etwa 250% im Vergleich zu 2022 entspricht.

Besonders auffällig ist, dass 90 bis 95 Prozent der Betroffenen Frauen sind, viele davon mit Migrationshintergrund. Diese Frauen suchen die Fachstelle häufig auf, weil sie oft schlechter vernetzt sind und größere finanzielle Unterstützung benötigen. Schaut man genauer hin, wird deutlich, dass es hier um mehr geht als nur um die Zahl der Fälle. Die Beratungsstelle bietet nicht nur rechtliche und psychologische Unterstützung – das erste Gespräch dauert in der Regel 90 Minuten – sondern auch wichtige Hilfen in wirtschaftlichen Belangen. Und das ist nicht zu unterschätzen, denn 79% der Hilfesuchenden kontaktieren die Opferhilfe telefonisch. Ab 2025 wird auch eine Onlineberatung angeboten, was den Zugang zur Hilfe erheblich erleichtert.

Ein starkes Netzwerk für die Opfer

Die enge Zusammenarbeit zwischen der Opferhilfe, der Polizei, dem Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen zeigt, dass der Kanton Solothurn die Problematik ernst nimmt. Die Kantonspolizei rückt mindestens einmal täglich wegen häuslicher Gewalt aus, und in vielen dieser Fälle sind auch Kinder betroffen. Es ist erschreckend zu denken, dass die Hälfte der Einsätze Kinder involviert. Daher wird Ende dieses Jahres ein neues Beratungsangebot speziell für Kinder und Jugendliche starten. Diese jungen Menschen, die Gewalt zu Hause miterleben, brauchen Unterstützung, um das Erlebte einordnen und verarbeiten zu können. Das Frauenhaus AG/SO wird als Projektpartnerin in dieses Vorhaben integriert.

Die steigende Zahl von Beratungen – von knapp 700 im ersten Betriebsjahr auf über 1200 im letzten Jahr – spricht Bände. Es wird deutlich, dass nicht nur die Zahl der Hilfesuchenden steigt, sondern auch das Bewusstsein für häusliche Gewalt in der Gesellschaft wächst. Fachpersonen aus Schulen, Sozialdiensten und Gesundheitsinstitutionen nehmen zunehmend Kontakt zur Beratungsstelle auf, um Unterstützung für Betroffene zu bekommen. Das ist ein positiver Schritt in die richtige Richtung!

Gesellschaftliche Verantwortung und Prävention

Die Bekämpfung von häuslicher Gewalt hat nicht nur für den Kanton höchste Priorität, sondern auch für den Bund. Im Schnitt stirbt alle zwei Wochen eine Frau an den Folgen häuslicher Gewalt in der Schweiz – ein erschreckender Fakt, der uns alle angeht. Der Nationale Aktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, der 2022 verabschiedet wurde, zeigt, dass es eine Vielzahl von Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gibt. Die Schweiz hat sich verpflichtet, regelmäßig über die Fortschritte zu berichten, und der zweite Staatenbericht wird 2026 geprüft.

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In diesem Zusammenhang wird auch das Thema digitale Gewalt immer wichtiger. Sie wird zunehmend als Teil häuslicher Gewalt anerkannt, und es wird ernsthaft darüber nachgedacht, wie man damit umgehen kann. Die geplante nationale Präventionskampagne gegen Gewalt, die 2025 startet, könnte hier einen entscheidenden Beitrag leisten. Zudem wird eine zentrale dreistellige Telefonnummer für die Opferhilfe im Mai 2026 in Betrieb genommen, um den Zugang zu Hilfe noch einfacher zu gestalten.

Der Kanton Solothurn hat also viel vor – die Investitionen in Prävention, Sensibilisierung und Wissensvermittlung sind ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft nicht wegschaut. Es bleibt zu hoffen, dass diese Bemühungen Früchte tragen und dass die Unterstützung für Betroffene weiter ausgebaut wird. Denn eines ist klar: Häusliche Gewalt darf in keiner Form toleriert werden.