In der Schweiz, wo Dialekte nicht nur eine lebendige Tradition, sondern auch ein wichtiger Teil der Identität darstellen, hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. Die Gründung des Bund Schwyzertütsch und des Vereins Züritüütsch im Jahr 1938 war eine Reaktion auf den Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich. Ziel dieser Initiativen war es, die Mundart zu pflegen, die helvetische Identität zu stärken und sich vom Hochdeutschen abzugrenzen. Seither hat sich die Mundartlandschaft kontinuierlich weiterentwickelt.

Seit 2018 fungiert der Bund Schwyzertütsch als Mundartforum und fördert unter anderem die Erstellung von Wörterbüchern und Grammatiken für Dialekte aus 14 Kantonen. Ein bemerkenswertes Projekt ist das Deutschschweizer Mundartliteratur-Archiv in Solothurn, das mit rund 2800 Titeln aufwartet. Hier finden sich vor allem Werke der Mundartliteratur, aber auch einige sprachwissenschaftliche Texte. Das Archiv, das seit dem 20. September 2020 im „Altwyberhüsli“ in Solothurn untergebracht ist, wird am 3. Mai 2026 für das Publikum geöffnet. Interessierte können sich die Bücher auf Wunsch einsehen lassen. Die Adresse lautet: Untere Steingrubenstrasse 39, 4500 Solothurn.

Mundart im Alltag und der Kultur

Das Mundart-Netzwerk fördert nicht nur die Literatur, sondern auch Mundartmusik und -kunst. Es organisiert Schreibstuben und Dialektkurse, die für viele eine Möglichkeit bieten, sich mit der eigenen Sprache auseinanderzusetzen. Die Kosten für solche Kurse variieren je nach Dialekt: beispielsweise kostet der Zürcher Dialekt 360 Franken, während Baseldeutsch zwischen 260 und 464 Franken liegt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Zunahme der Dialektverwendung in der Fernsehwerbung, die von 20% auf 60% gestiegen ist. Dabei wird häufig ein abgeflachtes Zürichdeutsch verwendet. Dialekte haben in der Deutschschweiz mit mindestens 21 Spielarten eine lebendige Form gefunden und werden mittlerweile sogar in Kantonsparlamenten und Strafgerichten verwendet. Diese Entwicklung zeigt, dass Mundart nicht bedroht, sondern vielmehr lebendiger denn je ist. Professor Vinzenz Wyss, ein Experte für Journalistik, hebt hervor, dass das Interesse an Mundart gewachsen ist.

Forschung und digitale Vernetzung

Die stetige Veränderung des Schweizerdeutschen ist ein spannendes Feld für die Dialektforschung. Alte Formen verschwinden, während neue Ausdrucksweisen entstehen. Die App „nöis gschmöis“ verbindet Dialektsprecher und Forscher miteinander. Nutzer können ihre eigene Dialektvariante präsentieren und erhalten Einblicke in die aktuelle Dialektforschung. Ein begleitender Blog veröffentlicht Karten, die auf den Daten der App basieren und dabei helfen, die eigene Dialektidentität zu verorten.

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Im kommenden Jahr sind sechs Workshops und Podiumsdiskussionen an verschiedenen Standorten in der Deutschschweiz geplant, die dialektologisches Wissen mit lokalem Wissen der Teilnehmer kombinieren. Diese Initiativen richten sich an alle, unabhängig von Alter, Herkunft oder Muttersprache. Die hohe Teilnehmerzahl soll ein aussagekräftigeres Bild des Schweizerdeutschen ermöglichen.

Insgesamt zeigt sich, dass die Mundart in der Schweiz nicht nur einen Platz in der Literatur, sondern auch in der alltäglichen Kommunikation und der kulturellen Identität hat. Die Pflege und Weiterentwicklung der Dialekte ist eine Gemeinschaftsanstrengung, die sowohl die Tradition bewahrt als auch Raum für Neues schafft.