Graziella Contratto, die international gefeierte Dirigentin, hat kürzlich ihren ersten Roman veröffentlicht. Ein mutiger Schritt, der aus einer persönlichen Krise entstanden ist. Im Podcast «Laut + Leis» plaudert sie über ihre Kindheit in Schwyz und die prägenden Jahre im Mädchengymnasium. Ihre Schulzeit am Theresianum Ingenbohl von 1981 bis 1986 war nicht nur von Unterricht geprägt, sondern auch von der Entfaltung eines modernen Frauenbildes, das sie heute lebt.

Die Erinnerungen an den Deutsch- und Religionsunterricht sind für Contratto besonders lebendig. Letzteres, die Befreiungstheologie, hat sie nachhaltig beeinflusst. Ihre Musiklehrerin, Cécile Leimgruber, war für sie eine wichtige Inspiration. So gut vermittelte sie Musikgeschichte, dass Contratto ihr Klavierstudium am Konservatorium in nur zweieinhalb Jahren abschloss. Ein wahres Kunststück, wenn man bedenkt, wie intensiv und fordernd diese Ausbildung war!

Ein Blick auf den neuen Roman

Ihr Debütroman mit dem Titel «Meitsch», der im Atlantis-Verlag in Zürich veröffentlicht wird, erzählt die Geschichte einer Ich-Erzählerin, die in den 1970er-Jahren in Schwyz aufwächst. Der Alltag der Protagonistin ist geprägt von kirchlichen Festen, heidnischen Bräuchen und vor allem von Musik. Contratto beschreibt eine tiefe Verbundenheit zur Pfarrkirche St. Martin in Schwyz, einem Ort, an dem viele ihrer wichtigen Lebensereignisse stattfanden. Das Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche hat sich zwar verändert, doch Contratto ist der Kirche treu geblieben – eine echte Herausforderung in einer Zeit, in der viele den Rückzug vorziehen.

Wie man hört, sieht sie es als Wagnis, einen Roman zu schreiben, in dem die Kirche nicht negativ dargestellt wird. Das ist nicht nur mutig, sondern auch notwendig, um ein differenziertes Bild zu vermitteln. Denn auch wenn die Kirche oft in der Kritik steht, hat sie für viele Menschen, wie Contratto, eine wichtige Rolle gespielt.

Eine beeindruckende Karriere

Graziella Contratto ist nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als Dirigentin eine wahre Pionierin. Ihr Weg begann in den Musikhochschulen Luzern und Winterthur, wo sie Klavier studierte. Danach folgte eine Kapellmeisterausbildung, die sie bei großen Namen wie Rudolf Kelterborn und Horst Stein absolvierte. Mit gerade einmal 24 Jahren wurde sie die jüngste Dozentin für Musiktheorie an der Musikhochschule Luzern und dirigierte 1996 die Uraufführung der Oper „Knastgesänge“ von Hans Werner Henze in Basel.

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Die ersten Frau in verschiedenen hochkarätigen Positionen – das hat Contratto in Frankreich erreicht, wo sie als erste Frau ein Staatsorchester leitete und später auch Chefdirigentin des Orchestre des Pays de Savoie wurde. Darüber hinaus war sie von 2010 bis 2022 Leiterin des Fachbereichs Musik an der Hochschule der Künste Bern. Ihr Engagement und ihre Leistungen wurden 2015 mit dem Innerschweizer Kulturpreis gewürdigt, was nicht nur ihre Fähigkeiten als Musikerin, sondern auch als Kulturvermittlerin unterstreicht.

Ein Blick auf die Herausforderungen für Frauen in der Musik

Die Geschichte der Frauen in der Musik ist gespickt mit Herausforderungen. Im 19. Jahrhundert war der Zugang zu professionellen Karrieren für Frauen oft mit Hürden verbunden. Es war nicht einfach, sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen. Obwohl Musikkonservatorien auch Frauen ausbildeten, war der Weg zur Anerkennung steinig. Contratto ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Talent und Hartnäckigkeit diese Hürden überwinden können.

In den letzten Jahrzehnten hat sich zwar einiges getan, doch die Gleichstellung ist noch lange nicht erreicht. Dirigieren bleibt eine Männerdomäne. Der Anteil an weiblichen Dirigenten ist verschwindend gering, und viele Komponistinnen bleiben nach wie vor unterrepräsentiert. Es ist ermutigend zu sehen, dass immer mehr Frauen den Mut finden, ihre Stimme zu erheben und sich in der Musikszene sichtbar zu machen – genau wie Graziella Contratto.

Ihr neuer Roman ist nicht nur ein literarisches Werk, sondern auch ein Teil ihres künstlerischen Schaffens, das die Themen Identität, Glaube und die Rolle der Frau in der Musik aufgreift. Man darf gespannt sein, welche Melodien und Geschichten noch aus ihrer Feder fließen werden.