Die Ereignisse um eine Ärztin in Ibach, Schwyz, haben ordentlich Wellen geschlagen. Im Frühling 2021 verabreichete sie über 100 Menschen abgelaufene Corona-Impfungen. Ein ziemlich gravierender Fauxpas, der zur Einleitung eines Strafverfahrens und zu einem Berufsverbot führten. Und jetzt, fast fünf Jahre später, praktiziert sie unter einem neuen Namen in einer Arztpraxis in Biel, Bern. Klar, dass die Sorgen über ihre Kompetenz nicht einfach so in der Luft verschwunden sind.

Ehemalige Mitarbeitende, darunter eine Pflegefachfrau, haben Bedenken geäußert. Sie hat am 1. März 2026 in der Bieler Praxis angefangen und schnell Mängel in der Arbeit der Ärztin festgestellt. Zum Beispiel, dass sie grundlegende medizinische Kenntnisse nicht beherrscht – wie etwa die Bedeutung von NaCl oder das Legen eines venösen Zugangs. Das sind doch eigentlich Basics, oder? Und ganz besonders heikel wird es, wenn man erfährt, dass sie einem Patienten mit Herzproblemen Ritalin verschrieb. Das ist nicht nur fragwürdig, sondern auch gefährlich.

Die Schatten der Vergangenheit

Die besagte Pflegefachfrau ließ ihre eigenen Kinder bei der Ärztin untersuchen, was dazu führte, dass die Diagnose Neurodermitis gestellt wurde – ein Fehler, denn ein anderer Arzt fand heraus, dass es sich um Scharlach handelte. Nach weniger als einem Monat war die Pflegefachfrau so besorgt, dass sie eine Beschwerde beim Berner Gesundheitsdepartement einreichte. Das ist schon ziemlich alarmierend und zeigt, wie wichtig es ist, dass die medizinische Versorgung in den Händen von kompetenten Fachkräften liegt.

Doch die Probleme scheinen nicht nur auf dieser einen Person zu beruhen. Eine andere Pflegefachfrau äußerte ebenfalls Zweifel an der Kompetenz der Ärztin während ihrer Schnuppertage in der Praxis. Bei der Übernahme der Praxis in Biel wurde die fachliche Legitimation der Ärztin infrage gestellt, besonders wegen des Impfskandals und des Berufsverbots. Die Ärztin selbst verteidigte sich, indem sie erklärte, dass ihr keine Straftaten nachgewiesen wurden, die eine Entziehung ihrer Berufsausübungsbewilligung rechtfertigen würden. Ein echter Streit um die Deutungshoheit über die eigene Qualifikation.

Ein Blick über die Grenzen hinaus

In Deutschland gibt es ähnliche Diskussionen rund um Impfverweigerung und Berufsverbot. So wurde beispielsweise einer Pflegekraft in einem Krankenhaus im Juli 2021 gekündigt, weil sie sich weigerte, sich impfen zu lassen. Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz entschied, dass der Arbeitgeber das Anforderungsprofil so gestalten darf, dass nur geimpfte Mitarbeiter eingestellt werden. Ein klarer Hinweis darauf, dass der Schutz von Patienten und anderen Beschäftigten über den Wünschen einzelner Arbeitnehmer steht.

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Auch in Seniorenheimen wurden Pflegekräfte wegen Impfverweigerung freigestellt. Hier wurde das Recht auf Beschäftigung für ungeimpfte Pflegekräfte klar verneint. Die Interessenabwägung fiel auch hier deutlich zugunsten der Schutzbedürftigen aus. Eine strenge Haltung, die in der Gesundheitsbranche durchaus verständlich ist. Was für Konsequenzen bei Nicht-Impfung drohen, ist klar: Arbeitsverbot und mögliche Lohnausfälle – und das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Schweiz.

Impfpflicht im Gesundheitswesen

In der Schweiz unterliegen Beschäftigte im Gesundheitswesen besonderen Impfpflichten. Bis Ende 2022 galt eine Corona-Impfpflicht für das Gesundheitswesen, die allerdings zum 31. Dezember 2022 auslief. Dennoch bleibt der Nachweis anderer Impfungen wie Masern, Mumps und Röteln bestehen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt bestimmte Impfungen, um sowohl Patienten als auch Personal zu schützen. Und auch wenn die Corona-Impfpflicht vorbei ist, bleibt die Verantwortung der Arbeitgeber bestehen, den Impfstatus datenschutzkonform zu dokumentieren.

Das Thema wird uns also noch einige Zeit begleiten. Mit all seinen Facetten und Herausforderungen. Die Frage bleibt: Wie sicher können wir uns in der medizinischen Versorgung fühlen, wenn es solche Geschichten gibt? Und wo bleibt der Schutz der Patienten inmitten all dieser rechtlichen und ethischen Debatten? Manchmal ist es einfach nur schwer, den Durchblick zu behalten.