Von der Flucht zur Fürsorge: Fatma Hassans inspirierende Reise in die Schweizer Pflegewelt
Fatma Hassan, eine beeindruckende Persönlichkeit im Gesundheitswesen, hat ihren Weg in die Schweiz als Flüchtling aus Somalia gefunden. Im Jahr 2002, nach Jahren im kenianischen Exil, startete sie in Schaffhausen ein neues Leben. Wer hätte gedacht, dass diese Anfänge, geprägt von Unsicherheit und Herausforderungen, sie letztendlich zu einer erfahrenen Fachfrau Gesundheit EFZ (FaGe) mit stolzen 20 Jahren Berufserfahrung machen würden? Die Reise war alles andere als einfach, und dennoch blickt sie mit Freude auf ihre Zeit zurück.
Zu Beginn war die Integration in die Schweizer Gesellschaft keineswegs ein Zuckerschlecken. Im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms der Stadt Schaffhausen verteilte sie Post und lernte die Sprache. Ihre Sozialbetreuerin erkannte schon bald, dass Fatma Potential hatte und unterstützte sie, indem sie ihr einen Integrationskurs finanzierte. Mutig nahm sie diese Chance wahr und begann, ihre Karriere in der Pflege zu gestalten – ein Bereich, in dem sie mittlerweile für ihre Patienten und deren Bedürfnisse ein unverzichtbarer Teil des Alltags geworden ist.
Ein zweites Zuhause
Ein Praktikum im Alterszentrum und bei Spitex Neuhausen am Rheinfall öffnete ihr die Tür zur Pflegewelt. Anfangs war da diese leise Angst, die sie begleitete – Bedenken über ihre Hautfarbe und das Kopftuch, das sie trägt. Doch diese Sorgen wurden schnell zerstreut, als sie die Wärme und Offenheit der Bewohner erlebte. Heute bezeichnet sie das Alterszentrum als ihr „zweites Zuhause“ und die Senioren als ihre Familie. Emotionale Momente, insbesondere die Begleitung von Sterbenden, prägen ihren Berufsalltag, und sie gibt mit voller Überzeugung: „Geduld ist die wichtigste Eigenschaft in der Pflege.“
Die Herausforderungen sind vielfältig: Die körperlichen Anforderungen, etwa die Unterstützung von Bewohnern mit bis zu 150 Kilogramm, sind nicht zu unterschätzen. Aber auch die kleinen Momente der Dankbarkeit, wenn ein Bewohner lächelt oder ein nettes Wort spricht, geben Fatma Kraft. Ihr Glaube an das Gute und die Überzeugung, dass Hilfe zurückkommt, sind ihr Antrieb. In der Pflege ist es oft die Mischung aus Herz und Verstand, die zählt.
Integration durch Ausbildung
Ein weiteres Beispiel für gelungene Integration in der Pflege ist Bella Irakoze, 21 Jahre alt, und ebenfalls aus Burundi. Sie lebt seit drei Jahren in der Schweiz und wird im Ausbildungszentrum in Bellelay im Berner Jura zur Pflegehelferin ausgebildet. Dieses Zentrum, das vor etwa 16 Monaten ins Leben gerufen wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, Geflüchteten nicht nur die französische Sprache beizubringen, sondern ihnen auch die Möglichkeit zu geben, das Rotkreuz-Diplom für Pflegehelfer zu erlangen. Ein wertvolles Projekt, das dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirkt, wie Lucien Barbou, Direktor des Pflegeheims in Tramelan, betont.
Die Ausbildung kombiniert praktische Erfahrungen mit dem Erlernen der Sprache und bereitet die Teilnehmenden auf den Arbeitsmarkt im Gesundheitsbereich vor. Bella hat das Glück, bereits in Burundi Französisch gelernt zu haben, was ihr den Einstieg in die Ausbildung erleichtert. Dennoch bleibt ihre Zukunft ungewiss, da sie auf einen zweiten Entscheid wartet, nachdem ihr erster Antrag abgelehnt wurde. Ein schmaler Grat zwischen Hoffnung und Unsicherheit.
Ein umfassendes Konzept für die Integration
Die Integration von Fachkräften aus dem Ausland ist ein komplexes Thema. Der Fachkräftemangel in der Alten- und Krankenpflege ist spürbar, und die Herausforderungen sind vielfältig. Eine gute Integration ist entscheidend, um Teams zu bereichern. Doch hier stehen oft sprachliche Barrieren und kulturelle Unterschiede im Weg. Trainings wie „Das interkulturelle Team – Pflege“ zeigen, wie wichtig es ist, Verständnis und Sicherheit am Arbeitsplatz zu fördern. Wenn die Einarbeitung gelingt, kann das Arbeitsumfeld für alle Beteiligten nur profitieren.
Der Schlüssel zur erfolgreichen Integration liegt nicht nur in der Ausbildung, sondern auch in der Unterstützung durch die Unternehmensleitung und das Team. Soziale Kontakte und die Bereitschaft, sich mit der neuen Kultur auseinanderzusetzen, sind entscheidend für die Arbeitszufriedenheit. In einer Welt, in der Integration Geduld und Einsatz erfordert, wird deutlich, dass wir alle voneinander lernen können.
