Es ist schon faszinierend, was sich unter unseren Füßen verbirgt. In Eschenz, einer kleinen Stadt am Untersee, sind die Archäologen derzeit emsig am Graben. Die Grabungen, die seit März 2023 stattfinden, sind nicht nur ein spannendes Abenteuer für die Wissenschaftler, sondern auch für alle, die sich für Geschichte interessieren. Was hier ans Licht kommt, ist mehr als nur ein paar alte Steine – es sind die Überreste von Tasgetium, einer einst blühenden römischen Kleinstadt, die vor über 2000 Jahren am Rhein entstand. Wer hätte gedacht, dass wir so dicht an den Ruinen eines römischen Vicus leben?

Die Grabung befindet sich in Untereschenz, direkt neben dem Parkplatz Insel Werd. Am Samstag, den 13. Juni 2026, öffnet die Grabungsstelle von 10 bis 17 Uhr ihre Tore für interessierte Besucher. Hier können Archäologen von ihren spannenden Funden berichten und die freigelegten Strukturen zeigen. Man darf sich auf eine uferparallele Kiesstraße freuen, die mehrere Meter breit ist, und auf einfache Holz-Fachwerkhäuser mit Lehmböden. Die Scherben von importierten Gefäßen erzählen Geschichten von Handelsbeziehungen, die bis in die entferntesten Provinzen des Römischen Reiches reichen.

Geschichte zum Anfassen

Eschenz mag klein sein, aber die wirtschaftliche Bedeutung von Tasgetium war groß. Von etwa 1 bis 3 nach Christus florierte der Vicus dank eines gut ausgebauten Straßennetzes und einer strategisch wichtigen Rheinbrücke. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Händler mit farbigen Glasschalen, feinem Terra-Sigillata-Geschirr und sogar frischen Austern aus dem gesamten Römischen Reich hier eintrafen. Die Nähe zur Wasserstraße und die reiche Fischgründe des Rheins und Bodensees machten die Stadt zu einem wirtschaftlichen Knotenpunkt. Wer die Hinterhöfe der Wohnhäuser betrachtete, fand dort nicht nur private Gärten, sondern auch gewerbliche Einrichtungen und Produktionsstätten. Töpferöfen und Schmieden zeugen von einer blühenden Handwerkskultur.

Am gleichen Tag, dem 13. Juni 2026, findet zudem ein Tag der offenen Baustelle beim Kastell auf der Burg in Stein am Rhein statt. Hier werden die laufenden Sanierungsarbeiten an der Kastell-Ostmauer präsentiert. Das ist eine tolle Gelegenheit, um gleich zwei spannende historische Stätten zu erkunden! Führungen in der Kirche und der Zugang zu einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der vom Verein Festungsgürtel Kreuzlingen geöffnet wird, bieten einen weiteren Blick in die Vergangenheit.

Ein Teil des großen Ganzen

Was macht all diese Funde so besonders? Es ist die Verbindung zu einem großen, gut geregelten Straßennetz, das das Römische Reich durchzog. Das Projekt Itiner-e hat kürzlich das gesamte römische Fernstraßennetz digital kartografiert und stellt fest, dass es fast 300.000 Kilometer umfasst! Das ist eine wahnsinnig beeindruckende Zahl, wenn man bedenkt, wie viele Regionen dabei erfasst wurden. Diese Straßen waren nicht nur Transportwege – sie waren Lebensadern, die den Handel und die Kommunikation in der Antike ermöglichten.

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In diesem Kontext wird die Bedeutung von Tasgetium als Wirtschaftsstandort deutlich. Hier trafen sich Händler, Handwerker und Landwirte, um ihre Waren und Ideen auszutauschen. Die Zeichen der Zeit sind zahlreich: Münzen, Preisschilder und sogar Graffiti auf Weinfässern, die uns Namen von Weinproduzenten wie Gaius Antonius Spendius und Lucius Cassius Iucundus überliefern. Es ist, als ob die Geschichte uns zuflüstert und wir nur genau hinhören müssen.

Das alles macht die Grabungen in Eschenz zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wer hier vorbeikommt, kann nicht nur in die Vergangenheit eintauchen, sondern auch ein Stück römische Geschichte hautnah erleben. Und seien wir ehrlich – das ist doch einfach nur geil!