Die Privatklinik Lindberg in Winterthur steht vor dem Aus. Gegen Ende Juni wird die Klinik, die vor allem als Vertragsspital mit 53 Betten bekannt war, geschlossen. Eine Entscheidung, die nicht nur die betroffenen Mitarbeitenden, sondern auch die gesamte Region in Aufregung versetzt. Die Swiss Medical Network (SMN) hat beschlossen, ihre medizinischen Aktivitäten auf die Privatklinik Bethanien in Zürich und die Privatklinik Belair in Schaffhausen zu konzentrieren. Eine harte Nuss – sowohl für das Personal als auch für die Patienten, die auf diese Dienste angewiesen sind.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren alles andere als rosig. In den letzten Jahren hat die Klinik die Gewinnzone nicht erreicht, und das ist in der heutigen Gesundheitslandschaft keine Seltenheit. Rund 125 Mitarbeitende könnten ihre Jobs verlieren, aber die SMN verspricht, für die Mehrheit eine Anschlusslösung zu finden. 70 Personen werden nahtlos in Zürich und Schaffhausen weiterbeschäftigt. Ein kleiner Lichtblick in dieser düsteren Situation. Dennoch bleibt eine Schar von 24 Mitarbeitenden, für die ein neues Angebot erarbeitet wird – der Druck wächst.

Schicksalswende für die Region

Die Schließung der Klinik Lindberg hat nicht nur Auswirkungen auf die Mitarbeitenden. Das Kantonsspital Winterthur hat bereits Pläne geschmiedet, um die freiwerdenden Flächen schrittweise anzumieten. In den neuen Räumlichkeiten sollen die Akutgeriatrie und Palliativpflege untergebracht werden – eine wichtige Maßnahme, um die Versorgung der Patienten weiterhin zu gewährleisten. Infracore, eine Tochtergesellschaft der Aevis, spricht von einem langfristigen Mietvertrag. So bleibt die Hoffnung, dass die Infrastruktur genutzt wird und die Patienten weiterhin eine Anlaufstelle finden.

Die Hintergründe sind jedoch komplex. Die Swiss Medical Holding AG, die Betreiberin der Klinik, gehört zu 75% der Aevis Victoria SA. Diese Investmentgesellschaft ist nicht nur in der Schweiz aktiv, sondern hat auch Verbindungen zu französischen Investoren. Michel Reybier und Antoine Hubert, zwei Schwergewichte der Finanzwelt, stecken hinter dieser Struktur. Ihre Gruppe hat in den letzten Jahren durch Zukäufe, wie das Spital Zofingen und ein Netzwerk im Tessin, einen erheblichen Mitarbeiterzuwachs verzeichnet. Ein Umsatzwachstum von 21,7% steht im Raum, während die Klinik in Winterthur nicht mehr benötigt wird – die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

Übergreifende Herausforderungen im Gesundheitswesen

Wenn wir einen Schritt zurücktreten und die größere Perspektive betrachten, sehen wir ein Bild, das in der Schweiz nicht neu ist. Immer mehr Spitäler kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten. Kantonsspital Aarau, Inselgruppe Bern, und Einrichtungen in St. Gallen und Fribourg stecken tief in roten Zahlen. KPMG hat herausgefunden, dass eine EBITDA-Marge von 10% für eine langfristige Refinanzierung nötig wäre. Aktuell liegt diese jedoch nur bei mageren 1,8%. Und das ist nicht nur eine Zahl, das hat reale Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung.

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Die Einführung der DRG-Finanzierung im Jahr 2012, die auf Fallpauschalen basiert, hat das System unter Druck gesetzt. Spitäler erhalten nur Durchschnittskosten, was oft nicht ausreicht, um die tatsächlichen Behandlungskosten zu decken. Dabei ist die Schweiz mit ihren 275 Spitälern eine der Länder mit der höchsten Spitaldichte weltweit. Und so könnte es sein, dass ohne öffentliche Subventionen bald noch mehr Einrichtungen schließen müssen. Politischer Widerstand gegen diese Schließungen ist unverkennbar, besonders in Regionen wie dem Kanton Luzern.

Die Frage bleibt, wie die Schweiz auf diese Herausforderungen reagieren wird. Eine Neustrukturierung könnte notwendig sein, um kleinere Spitäler in ambulante und teil-stationäre Zentren umzuwandeln. In einer Zeit, in der Fachkräftemangel herrscht, stellt sich die Frage, ob das wirklich machbar ist. Der Druck auf die Gesundheitsversorgung wächst, und die Schließung der Klinik Lindberg könnte nur die Spitze des Eisberges sein. Was kommt als Nächstes? Die Zukunft bleibt ungewiss.