Hitzewelle bedroht Fischpopulationen in der Schweiz
Die Hitzewelle, die zurzeit über die Schweiz rollt, bringt nicht nur uns Menschen ins Schwitzen, sondern macht auch den Fischen in unseren Flüssen und Bächen ganz schön zu schaffen. In Zürich ist die Lage besonders angespannt. Anhaltende hohe Temperaturen sorgen dafür, dass die Fischpopulationen leiden. Die ersten Bäche, wie der Mattenbach in Winterthur und der Wildbach in Fehraltorf, trocknen teilweise aus – und das hat fatale Folgen. In den letzten Wochen wurden mehrfach tote Fische gesichtet. Ein Trauerspiel, das uns alle betrifft.
Die Kälteliebenden, wie Forellen und Äschen, haben es besonders schwer. Hohe Wassertemperaturen führen zu einem dramatischen Rückgang der Sauerstoffkonzentration. Fische versuchen zwar, durch höhere Atemfrequenz und tiefere Atemzüge den Sauerstoffmangel auszugleichen, doch dieser Stress kann schnell zur Erschöpfung führen. Der Rhein bei Rüdlingen zeigt bereits 25 Grad, die Limmat bei Dietikon sogar 26,5 Grad. Im Zürichsee sind es über 26 Grad. Fische in den Seen haben immerhin die Möglichkeit, in tiefere, kühlere Lagen abzutauchen – was in flachen Bächen natürlich nicht möglich ist.
Maßnahmen des Kantons Zürich
Die Situation ist so ernst, dass Experten befürchten, die Bachforelle könnte nicht mehr zu retten sein. In großen Flüssen wie Rhein, Limmat und Glatt sind bereits Weissfische wie Alet und Barbe dominierend. Der Kanton Zürich hat Maßnahmen ergriffen, um den Fischen zu helfen, darunter die Schaffung von Kaltwasserzonen in Rheinau und anderen Gewässern. Diese Zonen wurden Anfang Juli für Badende abgesperrt, um die Fische nicht weiter zu belasten. Gewässerabschnitte, in die sich die Fischpopulationen zurückziehen, werden mit Schildern gekennzeichnet, und Fischer wurden aufgefordert, auf das Fischen in Flüssen und Bächen zu verzichten. Leider sind keine weiteren Maßnahmen geplant.
Das Thema ist jedoch nicht nur lokal. Hitzewellen nehmen im Zuge des Klimawandels zu und haben direkte Folgen für Lebewesen in Flüssen und Seen. Fische können ihre Körpertemperatur nicht aktiv regulieren und sind oft nicht in der Lage, in kühlere Gewässer zu fliehen. Bei den Hitzesommern 2003, 2018 und 2022 kam es in der Schweiz bereits zu Massensterben von Forellen und Äschen. Wassertemperaturen über 26 Grad Celsius führen häufig zu Multiorganversagen. Ein neues Prognosetool der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) wurde entwickelt, um zu erfassen, wo und wann Fischpopulationen durch Hitzestress gefährdet sind. Es nutzt Wassertemperaturen, Fischphysiologie und die lokale Artenverteilung, um die Situation an über 50 Standorten regelmäßig einzuschätzen.
Die Folgen des Klimawandels
Das Prognosetool könnte helfen, das Management von Flussökosystemen zu unterstützen und Fischpopulationen zu schützen. Es zeigt sich, dass nicht alle Fischarten gleich empfindlich auf Hitze reagieren. Nicht heimische Arten haben im Schnitt eine um 1,4 Grad Celsius höhere Temperaturtoleranz. Beispielsweise hat der Marmorkarpfen mit 32,3 Grad Celsius die höchste Toleranz, während die heimische Trüsche mit 24,1 Grad Celsius am empfindlichsten ist. Die Trüsche ist jedoch nicht bedroht, da sie in kühleren Zonen des Zürichsees leben kann.
Der Klimawandel hat nicht nur direkte, sondern auch subtile Auswirkungen auf unsere Gewässer. Starkregenereignisse können die Erosion im Einzugsgebiet verstärken und damit den Feinsedimenteintrag erhöhen. Die Kombination aus hohen Temperaturen und niedrigem Wasserstand führt zu einem erhöhten Risiko für die Gewässer. Ein Beispiel dafür ist das Fischsterben in der Oder 2022, wo hohe Wassertemperaturen, niedrige Wasserführung und hohe Salzkonzentrationen toxische Algenblüten verursachten. Während kälteliebende Arten und sauerstoffbedürftige Arten seltener werden, profitieren wärmeliebende Arten wie der Europäische Wels von diesen Veränderungen und nehmen zu. Das hat natürlich auch weitreichende Konsequenzen für die Gewässerökologie.
In der alles umfassenden Hitze und Trockenheit gibt es viel zu bedenken. Die Natur zeigt uns, wie verletzlich unsere Ökosysteme sind, und wir müssen uns fragen, was wir tun können, um dieses Gleichgewicht zu bewahren. Denn in den kühlen Gewässern, wo das Leben pulsiert, möchten wir nicht nur die Fische schwimmen sehen – sondern auch die Hoffnung auf eine intakte Umwelt.
