Das Beret des Comandante
In der malerischen Stadt Schaffhausen, wo die Geschichte in jedem Stein zu leben scheint, hat Matthias Wipf, ein passionierter Historiker und Autor, seinen neuen historischen Roman «Das Beret des Comandante» veröffentlicht. Was für ein Titel! Es weckt sofort Neugier. Der Roman erzählt die bewegende Geschichte von Emil Stadelhofer, einem Diplomaten und Botschafter aus Schaffhausen, der in den turbulenten 60er-Jahren lebte. Stadelhofer war nicht nur ein einfacher Diplomat; während der Kuba-Krise 1962 war er maßgeblich an der Vermittlung einer sogenannten «Luftbrücke» für Flüchtlinge beteiligt. Ein mutiger Schritt, der nicht nur politisches Geschick, sondern auch viel Menschlichkeit erforderte.
Wipf stieß auf alte Fotos, die Stadelhofer mit Fidel Castro zeigen – ein Fund, der sein Interesse für die Geschichte entfachte. Wer hätte gedacht, dass diese Begegnung der Schlüssel zu einem solch komplexen und faszinierenden Werk sein würde? Seine Recherche erstreckte sich über dreißig Jahre und führte ihn durch das Bundesarchiv sowie die Nationalbibliothek in Kuba. Dabei sprach er mit Zeitzeugen und Freunden Stadelhofers, unter ihnen Felix Schwank, der später Stadtpräsident wurde. Ursprünglich plante Wipf eine Biografie, doch er entschloss sich, die Geschichte in Form eines Romans zu erzählen. Eine kluge Wahl! Denn so kann er lebendig und anschaulich von den ereignisreichen Tagen in Kuba berichten, in denen sich die Welt am Rande eines Atomkriegs befand.
Die Kuba-Krise und ihre Herausforderungen
Die Kuba-Krise, die sich zwischen dem 14. und 28. Oktober 1962 abspielte, war mehr als nur ein geopolitisches Schachspiel zwischen den USA und der Sowjetunion. In diesen dreizehn Tagen wurde der Weltöffentlichkeit die ernste Bedrohung eines Atomkriegs bewusst. Die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba als Antwort auf die amerikanischen Raketen in der Nähe der UdSSR stellte einen Wendepunkt im Kalten Krieg dar. Stadelhofer war in dieser Zeit eine wichtige Figur, die half, die Spannungen zu entschärfen. Die Verhandlungen führten letztlich zu einem Kompromiss, der die Seeblockade am 20. November 1962 aufhob.
Die Lage war angespannt. Fidel Castro hatte 1959 den Diktator Batista gestürzt und eine Revolutionsregierung gebildet, während die USA versuchten, militärische Aktionen gegen Kuba zu planen. Die Sowjetunion, die 1960 diplomatische Beziehungen zu Kuba aufnahm, bot dem Land wirtschaftliche Unterstützung an. Diese Ereignisse führten zu einem echten Wettrüsten. Die USA und die UdSSR, ausgestattet mit atomaren Mittelstreckenraketen, waren in einem Wettlauf, der die Welt bis an den Rand des Abgrunds führte.
Ein bewegendes Erbe
Wipf gelingt es in seinem Roman, historische Fakten mit erzählerischen Elementen zu verbinden. Die reduzierte Sprache passt perfekt zur Intensität der Ereignisse und lässt die Leser tief in die politischen und menschlichen Konflikte eintauchen. Stadelhofers Zwickmühle – ein Barett von Fidel Castro als Dank für seine Vermittlung – zeigt eindrucksvoll, wie komplex solche Situationen waren. Was macht man, wenn einem ein Geschenk von einem Mann überreicht wird, der auf der politischen Bühne so umstritten ist? Wipf hat die Fähigkeit, solche Fragen aufzuwerfen und lässt den Leser darüber nachdenken.
Die Emotionen sind auch bei Stadelhofers Tochter spürbar, die von der Geschichte ihres Vaters als Roman tief berührt war. So wird deutlich, dass die Vergangenheit nicht nur in Büchern lebt, sondern auch in den Herzen der Menschen weitergetragen wird. Und während Matthias Wipf mit seinem Werk einen weiteren faszinierenden Beitrag zur regionalen Geschichte leistet, beleuchtet der Schaffhausen24-Podcast zusätzlich Persönlichkeiten aus der Region und bringt literarische Rätsel in den Text ein.
Die Frage bleibt, wie wir aus der Geschichte lernen können, und ob wir in der heutigen Zeit ähnliche Herausforderungen bewältigen müssen. Mit «Das Beret des Comandante» ist Wipf ein gelungenes Werk gelungen, das nicht nur die Vergangenheit aufarbeitet, sondern auch einen Blick auf das Wirken der Menschen wirft, die inmitten großer Krisen standen.
