Die Bildungslandschaft in Basel-Stadt wirft Fragen auf – und zwar mehr als nur ein paar. Laut einer aktuellen Veröffentlichung der nationalen Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) erreichen hier nur 73% der Zweitklässler die Grundkompetenzen im Lesen. Das ist ein besorgniserregender Wert, denn er liegt 6 Prozentpunkte unter dem Schweizer Durchschnitt. Wenn man sich die Zahlen für Mathematik ansieht, wird das Bild nicht besser: nur 70% der Kinder können die grundlegenden Rechenkünste vorweisen, während im Landesschnitt 76% erreichen. Das ist nicht gerade ein Grund zum Feiern! Die Ergebnisse sind eindeutig: In den meisten anderen Kantonen schneiden die Kinder besser ab.

Die Ursachen für diese besorgniserregenden Zahlen sind vielschichtig. Soziale Herkunft und die zuhause gesprochene Sprache spielen eine wesentliche Rolle. Interessanterweise hat das Geschlecht kaum Einfluss auf die Leistungen. Diese Erkenntnisse geben dem Erziehungsdepartement (ED) zu denken, und man sieht Handlungsbedarf. Ein Bericht mit konkreten Vorschlägen zur Verbesserung der Situation wird im Juni erwartet. Man darf gespannt sein, welche Maßnahmen folgen werden, denn das Leseverständnis in Basel-Stadt liegt nur im französischsprachigen Teil von Bern mit 70% noch niedriger.

Die Realität der Lesekompetenz

Lesekompetenz ist entscheidend – nicht nur für den schulischen Erfolg, sondern auch für die gesellschaftliche Teilhabe. Die Unterschiede zwischen guten und schlechten Lesern werden immer größer, und der Lehrplan scheint oft nicht mit den Bedürfnissen der Schüler Schritt zu halten. Laut einer Studie von McElvany et al. haben jedes vierte Kind in der vierten Klasse erhebliche Probleme beim Lesen. Das ist alarmierend, denn Lesen ist die Basis für alles Weitere – sei es im Beruf oder im Alltag. Wie sollen Kinder in der heutigen Welt bestehen, wenn sie mit den Grundfertigkeiten zu kämpfen haben?

Hier kommt die Bund-Länder-Initiative BiSS ins Spiel, die Konzepte zur Förderung der sprachlichen Bildung entwickeln und evaluieren möchte. Im Teilprojekt „Lese-BiSS“ wird untersucht, wie Lehrkräfte beim Lesenlernen in der Grundschule unterstützt werden können. Doch leider zeigen Unterrichtsbeobachtungen, dass viele Forschungserkenntnisse nicht in der Praxis angewendet werden. Fortbildungen für Lehrkräfte könnten hier Abhilfe schaffen, doch oft fehlt es an der Zeit oder den Ressourcen, um diese umzusetzen.

Blick nach Basel-Landschaft

Ein Blick über die Grenze zu Basel-Landschaft zeigt, dass dort 79% der Kinder in der zweiten Klasse die Grundkompetenz im Lesen erreichen – das entspricht dem nationalen Durchschnitt. Auch beim Hörverständnis liegen die Schülerinnen und Schüler aus Basel-Landschaft 1% über dem Schnitt. In Mathematik sieht es zwar nicht ganz so rosig aus, denn hier erreichen sie nur 73%, was ebenfalls unter dem Schweizer Mittel liegt. Aber die Unterschiede in den Leistungen sind deutlich. Kinder aus dem untersten sozioökonomischen Viertel oder solche, die zuhause eine andere Sprache sprechen, erzielen auch im Baselbiet weniger häufig die Grundkompetenzen. Das unterstreicht die Notwendigkeit einer frühen Deutschförderung, die im 2024 eingeführten kantonalen Gesetz verankert werden soll.

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Die ÜGK ist eine bedeutende Erhebung, die im Auftrag der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) erfolgt und erstmals die zweite Klasse untersucht. Von den rund 20.000 teilnehmenden Kindern – eine freiwillige Teilnahme – wird deutlich, dass die Herausforderungen, vor denen die Schulen stehen, enorm sind. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und die EDK sind dabei, die Erhebung in der Schweiz zu steuern, um die Bildungsqualität zu sichern.

Wenn wir uns die PISA-Studien anschauen, wird klar, dass die Erkenntnisse auch für die Schweiz von Bedeutung sind. Sie helfen nicht nur dabei, die Leistungsfähigkeit der Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schule zu beurteilen, sondern auch, die Weichen für die zukünftigen Bildungswege zu stellen. Besonders betroffen ist die Sekundarstufe II, die direkt an die obligatorische Schulzeit anschließt. Hier müssen Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben.