Neandertaler im Fokus: Entdeckungsreise in die alpine Vergangenheit
Die Welt der Neandertaler ist faszinierend und voller Geheimnisse, und das nicht nur für Wissenschaftler, sondern für uns alle. Vom 12. bis 18. Juli 2026 findet die Swiss International Summer School for Alpine Archaeology statt, und sie könnte nicht spannender sein. Unter dem Oberthema «Neanderthal Landscapes» versammeln sich fortgeschrittene Studenten und Doktoranden aus der ganzen Welt, um in die tiefen Geheimnisse der altsteinzeitlichen Fundstellen im Alpenraum und Jura einzutauchen. Besonders die Wildkirchli-Höhlen in Appenzell Innerrhoden stehen dabei im Fokus. Hier, wo die Luft nach Geschichte riecht, wurden seit dem frühen 20. Jahrhundert Steingeräte und Knochen von Höhlenbären entdeckt – Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit.
Die Universitäten Zürich und Bern haben sich zusammengetan, um diese Summerschool zu organisieren. Rund ein Dutzend Teilnehmer arbeiten eng mit Experten aus verschiedenen Disziplinen wie Archäologie, Archäozoologie, Geologie, Anthropologie und Museumsarbeit zusammen. Ziel ist es, einen tiefen Einblick in aktuelle Forschungsfragen, Methoden und Fundmaterialien zu gewinnen. Die Wildkirchli-Höhlen sind dabei nicht nur zentral für die Forschungsgeschichte der Ostschweiz, sondern auch ein spannendes Labor für die Teilnehmer.
Einblicke in die Vergangenheit
Im Kulturmuseum und Naturmuseum St.Gallen haben die Teilnehmer die Gelegenheit, sich intensiv mit archäologischen und archäozoologischen Funden auseinanderzusetzen. Themen wie die Spuren der Neandertaler in alpinen Landschaften und die Rolle von Klima, Tierwelt und Höhlen als Lebensräume stehen auf der Agenda. Im November 2024 wurden bereits geophysikalische Untersuchungen in den Wildkirchli-Höhlen durchgeführt. Diese modernen, zerstörungsfreien Methoden helfen dabei, archäologische Schichten zu bestimmen und frühere Ausgrabungen besser einzuordnen.
Die Summerschool führt die Teilnehmer nach Appenzell Innerrhoden und St.Gallen und schließlich zum Mammutmuseum in Niederweningen sowie nach Neuenburg. Die Partnerinstitutionen, darunter das Kulturmuseum St.Gallen, das Naturmuseum St.Gallen, das Laténium und das Office de l’archéologie cantonale in Neuenburg, sorgen dafür, dass die Ausbildung nicht nur theoretisch bleibt, sondern auch praktisch erlebbar wird.
Neueste Forschungsergebnisse
Und während sich unsere Neugier auf die Neandertaler entfaltet, gibt es auch aufregende Neuigkeiten aus der Forschung. Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben sich an einer internationalen Studie beteiligt, die die Population der späten Neandertaler unter die Lupe nimmt. Diese Studie bekräftigt die Flaschenhalstheorie, die besagt, dass die Neandertaler-Population vor etwa 65.000 Jahren dramatisch abnahm. Die Überlebenden besiedelten frühere Lebensräume erneut, bis sie schließlich vor etwa 42.000 Jahren ausstarben. Neue DNA-Proben, einschließlich eines Neandertaler-Fötus aus der Sesselfelsgrotte im Altmühltal, wurden für diese umfangreiche Untersuchung herangezogen.
Die Ergebnisse dieser Studie, veröffentlicht im Fachjournal PNAS, zeigen, dass die späten Neandertaler in Bayern von einer kleinen Gruppe abstammen, die extreme eiszeitliche Bedingungen überlebte. Vor 130.000 Jahren waren Neandertaler in ganz Westeurasien verbreitet, doch vor 65.000 bis 60.000 Jahren führten kalte und trockene klimatische Bedingungen zu einem Rückzug in ein Refugium im Südwesten Frankreichs. Es bleibt spannend zu beobachten, welche Geheimnisse die Neandertaler und ihre Lebensweise uns noch verraten werden, während die moderne Wissenschaft weiterhin neue Wege erkundet, um vergangene Zeiten zu verstehen.
In dieser aufregenden Zeit für die Neandertaler-Forschung, wo Geschichte, Wissenschaft und Neugier zusammentreffen, bleibt uns nur zu sagen: Die kommenden Tage in der Ostschweiz versprechen Abenteuer – sowohl für die Teilnehmer der Summerschool als auch für alle, die sich für die geheimnisvolle Welt unserer Vorfahren interessieren!
