Der Jahrhundertsturm, der am 24. Juli 2023 über La Chaux-de-Fonds hinwegfegte, hat nicht nur die Stadt, sondern auch die Bauweise moderner Gebäude ins Wanken gebracht. Windspitzen von bis zu 217 km/h fegten durch die Straßen und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Über 2.700 Gebäude wurden beschädigt, was fast 39 Prozent des gesamten versicherten Bestands ausmacht – das ist eine Zahl, die einem wirklich die Sprache verschlägt. Die Schadenssumme von mehr als 130 Millionen Franken ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für die Stadt, sondern auch ein Weckruf für die Bauindustrie und die Verantwortlichen. Ein Mensch kam dabei ums Leben – von einem umgestürzten Baukran erschlagen. Rund 50 weitere Personen wurden verletzt. Es ist tragisch und zeigt, wie unberechenbar die Natur sein kann.
Die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) hat die Schäden analysiert und entdeckt, dass die neueren Wohn- und Bürogebäude überdurchschnittlich stark betroffen waren. Das wirft Fragen auf, denn die Sicherheitsstandards sollten doch besser sein! Dachziegel, Bleche und Fassadenteile wurden durch die gewaltigen Böen abgerissen und wie Geschosse durch die Luft geschleudert. Dabei wurden nicht nur die Gebäude selbst beschädigt, sondern auch weitere Dächer, Fenster und Fassaden in der Nachbarschaft. Ein echtes Chaos! Besonders die leicht konstruierten und empfindlichen Gebäudehüllen der modernen Wohn- und Dienstleistungsgebäude scheinen anfällig für solche stürmischen Übergriffe zu sein. Die VKG hat klare Empfehlungen ausgesprochen: stärkere Sicherungen von Dachziegeln und anderen Bauteilen gegen den Windsog sind dringend nötig. Ein Gedanke, der bei jedem Bauvorhaben bedacht werden sollte.
Die Stadt im Sturm
La Chaux-de-Fonds, die viertgrößte Stadt der französischsprachigen Schweiz, liegt auf 1.000 Metern über dem Meeresspiegel und gehört zu den höchstgelegenen Städten Europas. Ihr raues Klima mit kalten Morgenstunden und der geschützten Lage in einem Tal sorgt für eine besondere Atmosphäre – die seltenen Nebel machen die Stadt zu einem ganz eigenen Erlebnis. Die Geschichte von La Chaux-de-Fonds reicht bis ins Jahr 1350 zurück, als die Alpweide „la Chaz de Fonz“ erstmals erwähnt wurde. Die Stadt hat viel durchgemacht, einschließlich der verheerenden Feuersbrunst von 1794, die etwa 75% der Stadt zerstörte. Und jetzt, fast 250 Jahre später, wird sie erneut auf die Probe gestellt.
Die Architektur La Chaux-de-Fonds’ ist geprägt von einer Hauptstraße und einem Schachbrettmuster, das von dem Architekten Moïse Perret-Gentil entworfen wurde. Eines der futuristischen Gebäude, das Espacité, beherbergt die Stadtverwaltung und bietet eine Aussichtsplattform. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und die umliegende Landschaft. Im Villenviertel sind sogar Bauten des berühmten Architekten Le Corbusier zu finden, darunter das eindrucksvolle Maison Blanche. Die Stadt hat eine Seele, die tief in der Uhrmacherkunst verwurzelt ist – das Musée International d’Horlogerie zeigt eindrucksvoll die Geschichte dieser Kunst. Die Verbindung zur Natur und den Elementen ist hier allgegenwärtig, was die jüngsten Ereignisse umso tragischer macht.
Die Macht der Natur
Stürme, Überschwemmungen und Hagel gehören in der Schweiz zu den größten Verursachern von Sachschäden. Umso mehr ist es alarmierend, dass La Chaux-de-Fonds als eine von den Unwetterereignissen betroffene Stadt so stark getroffen wurde. Ein Sturm wird definiert als Wind mit einer Stärke von über 75 km/h. Die Schäden sind vielfältig: von abgedeckten Dächern über abgerissene Fassadenteile bis hin zu umgestürzten Bäumen. Herumfliegende Teile stellen nicht nur eine Bedrohung für Gebäude dar, sondern auch für das Leben der Menschen. Der Jahrhundertsturm hat einmal mehr bewiesen, dass wir uns besser auf solche extremen Wetterereignisse vorbereiten müssen. Technische Schutzmaßnahmen und Anpassungen bei Bauvorschriften sowie der Raumplanung sind jetzt gefragter denn je. Denn wir sollten aus der Geschichte lernen – nicht nur aus den schönen, sondern auch aus den stürmischen Kapitel der Stadt.