Heute ist der 6.05.2026 und in Neuenburg brodelt es gewaltig. Die reformierten Kantonalkirchen Waadt und Neuenburg haben eine Pfarrerin suspendiert, die beschuldigt wird, eine Frau physisch, psychisch und spirituell missbraucht zu haben. Das ist schon eine heftige Nummer, oder? Die Meldestelle für Missbrauch der Neuenburger Kirche hat die Untersuchung eingeleitet, nachdem sich eine Betroffene gemeldet hatte. Diese Frau suchte nach dem Ende ihrer Ehe therapeutische Unterstützung bei der Pfarrerin und fand sich in einer Beziehung wieder, die etwa ein Jahr lang dauerte. Emotional abhängig, könnte man sagen. Es ist ein schockierendes Bild, das sich hier entfaltet.
Die Suspendierung der Pfarrerin erfolgte im April 2026, und die Vorwürfe sind nicht von Pappe. Es gibt sogar eine zweite Frau, die Anzeige gegen sie erhoben hat. Clémentine Miéville von der Neuenburger Meldestelle spricht von psychischem, physischem, finanziellem und spirituellem Missbrauch. Und obwohl die Pfarrerin in einem anonymen Interview beteuert, die Beziehung sei einvernehmlich gewesen, bleibt die Frage, wie viel Wahrheit wirklich darin steckt. Bis zur Klärung der Vorwürfe gilt sie als unschuldig – ein rechtlicher Graubereich, der in solchen Fällen oft zu finden ist.
Die rechtlichen Schritte
Ein juristisches Strafverfahren läuft parallel, und ob ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet wird, steht noch in den Sternen. Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz äußert sich nicht zu laufenden Verfahren in den Mitgliedskirchen, hebt aber hervor, wie wichtig es ist, Meldungen über Verletzungen der persönlichen Integrität ernst zu nehmen. In einem Kontext, der so sensibel ist, ist das mehr als verständlich. Schließlich geht es um Vertrauen – Vertrauen in Menschen, die oft in einer Machtposition sind.
Das Thema Missbrauch in Institutionen ist nicht nur hierzulande von Bedeutung. Wenn wir einen Blick über die Grenze wagen, stellt sich die Frage, welche systemischen Bedingungen in verschiedenen Glaubensgemeinschaften und Institutionen herrschen. In der kommenden Ringvorlesung an der Universität Würzburg, die im Wintersemester 2023/2024 stattfindet, wird genau diese Thematik behandelt. Fokusthemen sind unter anderem der sexuelle Missbrauch und dessen Vertuschung in der Katholischen Kirche in Deutschland. Hier wird über Machtmissbrauch und psychische Gewalt in Seelsorgebeziehungen diskutiert – ein heißes Eisen, das immer wieder auf den Tisch kommt.
Ein Blick auf die Ringvorlesung
Die Vorträge werden von verschiedenen Professoren gehalten, die sich mit spezifischen Aspekten des Themas auseinandersetzen. So wird es etwa einen Vortrag von Prof. Dr. Jörg Fegert über Risikofaktoren für Missbrauch in Institutionen geben. Und das ist nur der Anfang. Am 8. November spricht Prof. Dr. Harald Dreßing über die MHG-Studie und deren Folgen. Da wird einem ganz anders, wenn man sich vorstellt, was alles hinter den Kulissen passiert. Die Vorlesungen finden mittwochs um 18:00 Uhr im Hörsaal 318 der Neuen Uni statt, und die Teilnahme ist kostenlos. Wer hätte gedacht, dass man so viele wichtige Informationen einfach so, ohne Anmeldung, aufschnappen kann?
Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig es ist, solche Themen öffentlich zu diskutieren. Die Unsicherheiten, die aus dem Fall der suspendierten Pfarrerin hervorgehen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Es bleibt abzuwarten, wie sich die rechtlichen Schritte entwickeln und welche Lehren die Institutionen aus solchen Vorfällen ziehen werden. Denn eines ist sicher: Das Vertrauen in kirchliche Autoritäten ist nicht mehr das, was es einmal war.