Heute ist der 28.05.2026 und in Luzern wird über die Zukunft des Wohnraums abgestimmt. Am 14. Juni stehen zwei bedeutende Vorlagen zur Wahl, die darauf abzielen, mehr Wohnraum zu schaffen und die lokale Wohnsituation zu verbessern. Die Diskussion über Wohnraum ist ein heißes Eisen, nicht nur in Luzern, sondern in vielen Städten der Schweiz und darüber hinaus.
Die erste Vorlage betrifft die Einführung eines Vorkaufsrechts auf Liegenschaften. Das bedeutet, dass die Stadt über den Verkauf größerer Mehrfamilienhäuser informiert werden müsste und dann drei Monate Zeit hätte, um von diesem Recht Gebrauch zu machen. Auf diesen Liegenschaften könnten gemeinnützige Wohnungen entstehen – ein Schritt, der von der SP mit der Initiative „Wohnraum für die Menschen statt Profite für Spekulant*innen“ angestoßen wurde. Allerdings fand ein Gegenvorschlag der Stadtregierung im Stadtparlament eine Mehrheit, was zur Ablehnung der Initiative führte. Die Initianten zogen daraufhin ihr Volksbegehren zurück. Für die Umsetzung der Verwaltung wird ein Kredit von knapp 2.712 Millionen Franken benötigt. Interessant ist, dass dieses Vorkaufsrecht nur bei Wohnungsknappheit gilt, also wenn die Leerwohnungsziffer 1,5% oder weniger beträgt. Kleinere Parzellen, wie Einfamilienhäuser und Stockwerkeigentum, sind von dieser Regelung ausgenommen. In anderen Kantonen wie Genf und Waadt gibt es bereits ähnliche Regelungen.
Die zweite Vorlage und ihre Ziele
Die zweite Vorlage hat das Ziel, bis zum Jahr 2048 insgesamt 1100 zusätzliche preisgünstige Wohnungen zu schaffen. Dies geschieht als Gegenvorschlag zur Volksbegehren „Wohnrauminitiative: Aktive Bodenpolitik zur Förderung von zahlbarem Wohnraum“ der Grünen. Für diese Maßnahmen wird ein Kredit von über 121 Millionen Franken benötigt. Geplant sind gleich mehrere Schritte: Eine neue Stiftung mit 70 Millionen Franken Kapital soll 500 preisgünstige Wohnungen schaffen. Zudem will die Stadt 300 dieser Wohnungen durch den Kauf von Liegenschaften bereitstellen. Gemeinnützige Wohnbauträger sollen ein Darlehen von 44 Millionen Franken erhalten, um weitere 300 Wohnungen zu realisieren. Das Ziel ist es, den Anteil des gemeinnützigen Wohnungsbaus bis 2048 auf 18% zu steigern, verglichen mit 13,8% im Jahr 2024. Unterstützt werden diese Vorlagen von der SP, den Grünen und der GLP. Dagegen sprechen sich die FDP, SVP und die Mitte aus, vor allem aufgrund der hohen Kosten von über 120 Millionen Franken. Auch Widerstand kommt von der Gewerbe- und Immobilienbranche, insbesondere vom Hauseigentümerverband Luzern.
Ein Blick über die Grenzen hinaus: Der Wohnraummangel ist nicht nur ein lokales, sondern ein bundesweites Problem. Laut einer Studie im Auftrag des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“ fehlen in Deutschland bundesweit gut 550.000 Wohnungen. Gründe dafür sind unter anderem hohe Zuwanderungszahlen und eine unzureichende Neubautätigkeit. Im Jahr 2023 wohnten 52% der Menschen in Deutschland zur Miete, während die Mietpreise in Großstädten stark anstiegen. Ein Vergleich zeigt: In Großstädten wie Köln und München sind die Mieten in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die durchschnittliche Wiedervermietungsmiete in Köln beträgt 13,44 Euro, in München sogar 20,59 Euro. Der Wohnraummangel wird durch eine hohe Leerstandsquote in ländlichen Gebieten und gleichzeitig steigende Mieten in städtischen Regionen verschärft.
Die Herausforderungen sind also vielfältig. In Luzern wird es spannend zu sehen, wie die Bürger:innen am 14. Juni abstimmen werden. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die lokale Wohnlandschaft haben und eventuell einen Trend für andere Städte setzen. Die Frage bleibt: Wie schaffen wir es, Wohnraum für alle zu sichern, ohne dass dabei die Profite von Spekulant:innen im Vordergrund stehen? Das wird ein Thema bleiben, das die Menschen beschäftigt, egal wo sie leben.