Verkehrswende in Luzern: Zwischen Protest und Visionen für die Mobilität von morgen
Heute ist der 1.07.2026 und in Luzern ist die Luft erfüllt von einer Mischung aus Aufregung und einer leichten Brise des Wandels. Albert Rösti, der Bundesrat, hat zum Sommerspaziergang ins Verkehrshaus geladen. Dabei wird er von einer bunten Truppe aus Klimaaktivistinnen und -aktivisten begleitet, die lautstark gegen den Ausbau neuer Autobahnen protestieren. Mit Plakaten und entschlossenen Gesichtern fordern sie ein Umdenken in der Verkehrspolitik, während Rösti, ganz der Politiker, sich zur freien Meinungsäußerung der Aktivisten äußert.
Der Spaziergang, der wie ein entspannter Ausflug hätte wirken sollen, ist also alles andere als das. Im Verkehrsausschuss hat Rösti kürzlich über seine politischen Schwerpunkte gesprochen. Die Verkehrsinfrastruktur, ein Thema, das die Gemüter erhitzt, steht dabei ganz oben auf der Agenda. Dabei ist die Situation nicht ganz einfach. Sechs Strassenausbauprojekte, die von der Bevölkerung angestrebt wurden, wurden vom Stimmvolk abgelehnt. Und auch die Bahnprojekte, die in der Planung sind, scheinen teurer zu werden als ursprünglich gedacht. Was bleibt, ist das Projekt «Verkehr ‘45», das vom Bundesrat ins Leben gerufen wurde.
Verkehr ‘45 – Ein ambitioniertes Vorhaben
«Verkehr ‘45» ist mehr als nur ein Schlagwort. Mit einem Investitionsvolumen von rund 56,5 Milliarden Franken sollen Bauprojekte für Strasse, Schiene und Agglomerationen realisiert werden. Rösti hat es sogar gewagt, dieses Vorhaben als Streichprojekt zu betiteln. Dabei sollen 68 Bahnprojekte und wesentliche Autobahnprojekte gestrichen werden, um den Fokus auf die dringlichsten Bedürfnisse der wachsenden Mobilität zu legen. Die Vernehmlassungsvorlage zielt darauf ab, die Kapazitäten auf der Schiene zu erhöhen und Engpässe auf der Nationalstrasse zu reduzieren. Ein ambitionierter Plan, der nicht nur die städtischen Gebiete, sondern auch die ländlichen Regionen in den Blick nimmt.
Die langfristige Strategie sieht vor, dass bis 2030 der Angebotsausbau im Bahnverkehr vorangetrieben wird. Das klingt vielversprechend: Viertelstundentakt zwischen Bern und Zürich, halbstündliche Verbindungen zwischen weiteren Städten. Und das ist erst der Anfang! Insgesamt sollen bis 2035 rund 3 Milliarden Franken in zusätzliche Angebote investiert werden. Dazu kommen auch die geplanten Investitionen von 1,8 Milliarden Franken für Infrastrukturmaßnahmen, die notwendig sind, um die Bahninfrastruktur zukunftsfähig zu machen. Die Digitalisierung des Bahnnetzes steht ebenfalls auf der Liste, um eine moderne und effiziente Mobilität zu gewährleisten.
Herausforderungen der Finanzierung
Doch bei all den Visionen schwebt ein großes Fragezeichen über der Finanzierung. Eine Verlängerung der befristeten Mehrwertsteuer-Promille für die Bahninfrastruktur könnte rund 8 Milliarden Franken bis 2045 generieren. Aber was geschieht, wenn das Volk ablehnt? Ein Rückgang von 8 Milliarden Franken bei den verfügbaren Mitteln würde viele Projekte zeitlich verschieben – und das ist in Anbetracht der langen Planungs- und Realisierungsphasen ein ziemlicher Stolperstein. Eine Vorfinanzierung durch die Kantone wird diskutiert, könnte aber die Finanzierungsidee der Projekte gefährden.
Rösti betont, dass die Sicherheit bei der Verkehrsinfrastruktur oberste Priorität hat. Das Verkehrsdepartement plant, Normen für Verkehrswege zu überprüfen, um die Kosten zu senken, ohne die Sicherheit zu gefährden. Aber wie gelingt das, ohne in die Fallstricke des Sparens zu geraten? Die Verkehrspolitik ist in der Schweiz ein heißes Eisen, und die Bevölkerung verfolgt die Entwicklungen mit kritischem Blick.
Ein Blick in die Zukunft
Die Herausforderungen sind groß. Die Priorisierung von Projekten wird nicht nur von politischen Entscheidungen, sondern auch von der praktischen Umsetzbarkeit beeinflusst. Es wird immer wieder betont, dass auch ländliche Regionen nicht vernachlässigt werden dürfen. Die Empfehlungen, die in den letzten Jahren ausgesprochen wurden, zielen nicht nur darauf ab, die dringendsten Projekte voranzutreiben, sondern auch kostengünstigere Alternativen zu finden.
Der Verkehrssektor muss sich neu erfinden – und das geht nicht ohne eine gesunde Portion Mut und Weitblick. Die Analyse, die von der ETH Zürich durchgeführt wurde, zeigt, dass das Schweizer Verkehrssystem mit den richtigen finanziellen Mitteln bis 2045 zukunftsfähig ausgebaut werden kann. Doch es gibt viel zu tun: Verzicht auf einige Projekte, Redimensionierung, stärkere Koordination der Verkehrssysteme – all das steht auf der Agenda.
In dieser spannenden Zeit der Veränderung bleibt zu hoffen, dass die Stimme der Bevölkerung gehört wird und dass die Projekte, die unser Verkehrsnetz zukunftssicher machen sollen, auch tatsächlich realisiert werden können. Die Zeit wird zeigen, ob die Pläne auf fruchtbaren Boden fallen oder ob sie, wie viele andere, im Sand verlaufen.
