Heute ist der 3.05.2026, und während ich hier in Luzern sitze, schwirren mir die Gedanken um einen ganz besonderen Menschen. Michel Scheurer, Chefkapitän auf dem Vierwaldstättersee, lebt seinen Kindheitstraum – und das nicht ohne Mühe. Seit 15 Jahren pendelt er mehrmals pro Woche von Aarberg, wo er wohnt, in die Zentralschweiz, um auf dem majestätischen See zu arbeiten. Es ist eine Reise, die von der Hektik des Alltags in die sanfte Entschleunigung des Wassers führt.

Im Zug nutzt Michel die Zeit sinnvoll für administrative Aufgaben, während er die Landschaft der Zentralschweiz an sich vorbeiziehen lässt. Mails beantworten, Ausbildungskonzepte entwickeln – das alles gehört zu seinem Alltag. Doch wenn er an Bord eines der fünf Dampfschiffe, darunter das berühmte DS Stadt Luzern, steht, ist alles andere vergessen. Seine Augen leuchten, wenn er über das Steuern der vier verschiedenen Schifftypen erzählt. Besonders die Dampfschiffe haben es ihm angetan, und in der Hauptsaison darf er ein bis zwei Mal pro Woche selbst ein Schiff steuern. Was für ein Gefühl muss es sein, die Gäste über den glitzernden Vierwaldstättersee zu schippern!

Eine Reise durch die Geschichte

Der Vierwaldstättersee hat nicht nur persönliche, sondern auch historische Bedeutung. Einst war er ein wichtiger Wasserweg für den Warentransport in der Schweiz. Die Schifffahrt hat hier eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Casimir Friedrich Knörr kündigte 1835 die Gründung einer Dampfschiffgesellschaft an, und nur zwei Jahre später, am 24. September 1837, feierte der Dampfer „Stadt Luzern“ seine Jungfernfahrt. Mit dem Aufkommen der „Belle Epoque“ nahm der Tourismus in der Zentralschweiz richtig Fahrt auf, und die Flotte wuchs. Schiffe, die für wohlhabende Touristen erbaut wurden, trugen Namen wie „Victoria“, „Germania“ und „Italia“ – ein Zeichen der Anziehungskraft, die diese Region auf ausländische Besucher hatte.

Heute ist der hydraulische Antrieb des Dampfschiffs Stadt Luzern seit 97 Jahren in Betrieb. Ein wahrhaft beeindruckendes Stück Technik! Michel betont oft, wie wichtig das Zusammenspiel im Team ist, besonders bei den Anlegemanövern. Es ist eine Kunst für sich, die nicht nur den Kapitän, sondern auch die Crew fordert. Während die Gäste die Gemächlichkeit und die atemberaubende Ausblicke genießen, hat das Team allerhand zu tun. Es gibt eine gewisse Zufriedenheit in dieser Langsamkeit – die Schiffe gleiten mit 20 bis 22 Stundenkilometern über das Wasser, und genau das schätzt Michel an seiner Arbeit. Die Möglichkeit, den Stress des Alltags hinter sich zu lassen und einfach zu leben.

Aarberg: Ein ruhiger Rückzugsort

Obwohl sich Michel in der Zentralschweiz wohlfühlt, bleibt Aarberg sein Zuhause. Diese Stadt hat den größten Stadtplatz der Schweiz, ist aber weit weniger touristisch als Luzern. Auch die Preise sind hier, ehrlich gesagt, eine Wohltat für den Geldbeutel! Er genießt die Ruhe und den Charme seines Wohnorts, während er gleichzeitig die Schönheit und die Herausforderungen seiner Arbeit am Vierwaldstättersee schätzt. Der Rückweg von der Arbeit kann bis zu vier Stunden und 39 Minuten dauern, wenn er sich für den längeren Weg über den Brünig entscheidet. Doch das nimmt er in Kauf, denn die Landschaft, die sich ihm bietet – von Mittelland über Voralpen bis hin zu alpinen Gebieten – ist einfach atemberaubend.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Dampfschiffe sind mehr als nur Transportmittel; sie verbinden nicht nur Stationen, sondern auch die Gegenwart mit der Vergangenheit. Sie sind Zeugen einer Zeit, in der die Schifffahrt der einzige Weg war, um von A nach B zu gelangen. Selbst in den 1960er Jahren, als einige Stimmen laut wurden, die alte Raddampfer durch Dieselschiffe ersetzen wollten, stellte die Bevölkerung sich vehement gegen diese Pläne. Der Verein „Freunde der Dampfschifffahrt“, gegründet 1972, setzte sich für die Erhaltung dieser historischen Schiffe ein. Heute besitzt die Schifffahrtsgesellschaft am Vierwaldstättersee eine vielfältige Flotte, die Dampfschiffe, klassische Motorschiffe und moderne Schiffe umfasst.

Im Zusammenspiel von Natur, Technik und Menschlichkeit spiegelt sich die Seele dieser Region. Und während Michel Scheurer seinen Kindheitstraum lebt, bleibt der Vierwaldstättersee ein Ort der Begegnung, des Staunens und der Entschleunigung für alle, die ihn besuchen.