Im Jura, zwischen Montricher–Marchissy und L’Orient–Le Brassus, fand in den letzten Wochen eine umstrittene Fangkampagne statt. Vom 17. März bis 18. April 2026 wurden insgesamt 28 gummierte Fussschlingen aufgestellt, um Wölfe zu fangen. Doch das Ergebnis dieser Aktion war ernüchternd: Kein einziger Wolf wurde gefangen. Der letzte Abend der Kampagne brachte eine zusätzliche Wendung, als der Standort der Fallen gezielt verändert und mit einer Rehkadaver-Attrappe versehen wurde. Diese Maßnahmen führten zu einer Welle der Empörung in der Öffentlichkeit, insbesondere nach der Veröffentlichung von Bildern auf Facebook.

Fridolin Zimmermann, ein Biologe von KORA, äußerte sich kritisch zu den Vorfällen. Die Organisation betont, dass die verwendeten Fallen international üblich und behördlich genehmigt sind. Tagsüber sind die Fallen deaktiviert, und ihre Standorte werden entsprechend signalisiert. Dennoch bleibt die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Tierschutz zu gewährleisten. Das Schweizer Tierschutzgesetz fordert den Schutz von Tieren vor Schäden und Verletzungen, was angesichts der Vorfälle in der Vergangenheit – wie dem Fang eines Hundes im Jahr 2023 – immer wieder in den Fokus gerät.

Wölfe in der Schweiz und Deutschland

Das Projekt „Wolves and Cattle“, das seit 2022 im Kanton Waadt durchgeführt wird, zielt darauf ab, die Interaktionen zwischen Wölfen und Weidetieren besser zu verstehen. Bis April 2026 wurden bereits drei Wölfe besendert, darunter der Wolf M637, der im Januar 2026 beeindruckende 240 Kilometer in nur elf Tagen zurücklegte. Aktuelle Berichte dokumentieren, dass im Waadtländer Jura im Jahr 2023 und 2024 insgesamt 84 Rinder durch Wölfe angegriffen wurden, während 2025 etwa 160 Prädationen auf Nutztiere verzeichnet wurden. Trotz dieser Zahlen lässt der Kanton Waadt in der kommenden Regulierungsperiode 2024/2025 zehn Wölfe töten, ohne dass eine signifikante Reduktion der Risszahlen festzustellen war.

In Deutschland hat der Bundesrat eine Gesetzesänderung zur Regulierung von Wölfen beschlossen, die unter strengen Voraussetzungen eine Jagd ermöglichen soll. Diese Änderungen, die ins Bundesjagdgesetz aufgenommen werden, sollen eine Jagdzeit von Juli bis Oktober ermöglichen, wobei die Jagd unabhängig vom Erhaltungszustand der Wölfe erfolgen kann, wenn diese Weidetiere töten oder verletzen. Im Jahr 2024 wurden rund 4.300 Nutztiere durch Wölfe gerissen oder verletzt, was die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen unterstreicht. Landwirtschaftsminister Alois Rainer und der Deutsche Bauernverband begrüßen die Änderungen, während Umwelt- und Naturschutzorganisationen die Freigabe zur Jagd kritisieren.

Die Diskussion um den Wolf

Die Debatte um die Regulierung der Wolfspopulation ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema. Der WWF und andere Umweltverbände sehen die Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz als fachlich falsch und ökologisch riskant an. Kritiker fordern ein bundesweites Monitoring und Management, um die Bestände besser zu schützen und die Konflikte zwischen Wölfen und Landwirtschaft zu minimieren. Der Wolf soll nicht ausgerottet werden, aber die Sorge um Nutztiere und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einbußen sind für viele Landwirte ein ernstzunehmendes Problem.

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Insgesamt bleibt die Frage, wie ein gerechter Ausgleich zwischen dem Schutz der Wölfe und den Interessen der Landwirtschaft gefunden werden kann. Die Herausforderungen sind vielfältig, und es bedarf eines konstruktiven Dialogs, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die sowohl der Natur als auch der Landwirtschaft gerecht werden.