Die Rückkehr des Europäischen Bisons, besser bekannt als Wisent, in die Schweiz wird derzeit in der Solothurner Region Thal intensiv geprüft. Dies ist nicht nur ein spannendes Vorhaben, sondern auch eine Möglichkeit für die Bevölkerung, sich aktiv an diesem Projekt zu beteiligen. Die Ergebnisse einer zweiten Umfrage, die kürzlich veröffentlicht wurden, zeigen, dass das Interesse und die Akzeptanz für die Wisente in der Region groß sind. 418 von 1554 Haushalten haben an der Umfrage teilgenommen, und die Rückmeldungen sind überwiegend positiv.

Dr. Otto Holzgang, der das Projekt „Wisent Thal“ leitet, ist optimistisch, was das Zusammenleben von Mensch und Tier betrifft. Die Zielsetzung des Projekts ist klar: Eine wissenschaftliche Begleitforschung über einen Zeitraum von zehn Jahren, in der maximal 25 Wisente in einem rund 100 Hektar großen, eingezäunten und begehbaren Gebiet leben sollen. Die Zäune des aktuellen Geheges sollen bis 2027 teilweise abgebaut werden, was den Wisenten die Möglichkeit gibt, in die Halbfreiheit entlassen zu werden – jedoch nur in einem vorab definierten Bereich.

Forschung und Begegnung

Das Gehege ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche geöffnet, und bisher gab es keine Zwischenfälle mit den Wisenten. Zwar wurden Scheinattacken beobachtet, bei denen die Tiere auf Besucher zulaufen, jedoch stoppen sie kurz vorher. Diese beeindruckenden Tiere können Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreichen und wiegen nahezu eine Tonne. Daher wird ein Sicherheitsabstand von 50 Metern zu den Wisenten empfohlen.

Ein weiteres wichtiges Element des Projekts ist die soziale Begleituntersuchung, die sich auf die regionale Akzeptanz der Wisenten-Wiederansiedlung konzentriert. Die nächsten Erhebungen sind für 2026 geplant und orientieren sich am Design der ersten Befragung, um Veränderungen in der Wahrnehmung und Akzeptanz im Zeitvergleich zu untersuchen. Das Projekt wird vom Verein Wisent im Thal unterstützt, und die Finanzierung basiert auf Spenden sowie Sponsoring. Insgesamt sind 3,9 Millionen Franken für die Umsetzung des Projekts budgetiert, wobei der Kanton Solothurn im Jahr 2023 bereits 100.000 Franken aus dem Lotteriefonds bereitgestellt hat.

Herausforderungen und Perspektiven

Die Kritiker aus der Forst- und Landwirtschaft befürchten negative Auswirkungen durch die Wisente. Ein ähnliches Projekt in Deutschland musste aufgrund von Konflikten mit Waldbauern abgebrochen werden. Die Vergleichbarkeit mit dem Projekt in Thal ist jedoch begrenzt, da hier ein langfristiger Testbetrieb unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wird. In anderen europäischen Ländern, wie Polen und Rumänien, leben Wisente in großen Waldgebieten mit deutlich weniger Konflikten, was Hoffnung auf eine erfolgreiche Integration der Wisente in die schweizerische Landschaft macht.

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Das Pilotprojekt zielt darauf ab, die Wisente nach 2032 möglicherweise ganz in die Freiheit zu entlassen, abhängig von den Entscheidungen auf Bundesebene. Das Forschungsgebiet in der Solothurner Jura soll nicht nur als Lebensraum für die Wisente dienen, sondern auch als Ort der Begegnung zwischen Mensch und Tier. Die Kombination aus Forschung und Erleben könnte dazu beitragen, das positive Interesse an den Wisenten weiter zu fördern und Ängste abzubauen.