Geschichten aus der Vergangenheit: Wie digitale Projekte das kulturelle Erbe der Ukraine bewahren
In Zeiten, in denen die Welt sich scheinbar immer schneller dreht, gibt es Projekte, die uns zurück in die Vergangenheit ziehen und uns das Gefühl geben, die Geschichten unserer Vorfahren hautnah zu erleben. Ein solches Vorhaben ist das Projekt „Geschichten von Jura Martynovych“, das auf einem YouTube-Kanal historische Aufnahmen von Winnyzja vor über 100 Jahren präsentiert. Der Journalist Jura Martynovych hat sich zum Ziel gesetzt, historische Momente erlebbar zu machen. Er möchte die Zuschauer in die Atmosphäre vergangener Zeiten eintauchen lassen und ihnen nicht nur die technischen Fähigkeiten der Digitalisierung näherbringen, sondern vor allem das intensive Gefühl der Anwesenheit im historischen Moment vermitteln.
Besonders beeindruckend ist die positive Resonanz des Publikums. Viele Menschen zeigen ein wachsendes Interesse an der Geschichte ihrer Heimatstädte. Das Projekt umfasst zudem andere ukrainische Städte wie Lwiw, Kyjiw und Odessa. Die Idee dahinter ist nicht nur, alte Aufnahmen zu zeigen, sondern die ukrainische Geschichte und Kultur lebendig zu halten und interaktive Möglichkeiten für die jüngere Generation zu schaffen. So wird ein wertvoller Beitrag zur Digitalisierung des kulturellen Erbes geleistet.
Digitale Denkmäler und Erinnerungen bewahren
Ein weiteres spannendes Projekt, das die kulturelle Landschaft der Ukraine bereichert, ist die App „Backup Ukraine“. Diese kostenlose Anwendung ermöglicht es Nutzern, Kulturdenkmäler in der Ukraine zu scannen und digital zu sichern. Juri Artjuch, ein 39-jähriger Webdesigner aus Kiew, ist einer der vielen, die diese App nutzen, um historische Gebäude und Denkmäler zu fotografieren und 3-D-Modelle zu erstellen. Es ist beeindruckend, dass bereits über 50.000 Menschen die App heruntergeladen haben und 35.000 Objekte digitalisiert wurden. Diese Initiative ist besonders relevant, da laut UNESCO seit dem 24. Februar über 210 Kulturstätten in der Ukraine zerstört oder beschädigt wurden.
Die App bietet nicht nur die Möglichkeit, bedeutende Kulturstätten zu bewahren, sondern auch alltägliche Gegenstände und Zeugnisse des Krieges festzuhalten. Jaro N., ein 30-jähriger Kiewer, dokumentiert damit Street-Art und Kriegszeugnisse und schafft so ein digitales Kriegsmuseum, in dem die Erinnerungen an die Zerstörung und den Alltag im Krieg lebendig gehalten werden.
HATA Hub und die Zukunft des kulturellen Erbes
Die Plattform HATA Hub spielt ebenfalls eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung und Förderung des ukrainischen kulturellen Erbes. Sie bietet Ressourcen und Mentoring für die Entwicklung von Ideen zur Erhaltung und Popularisierung des Kulturerbes. Im Rahmen des HATA Hub Acceleration Programms arbeiten 15 Teams an innovativen Projekten, die moderne Technologien wie XR, AI und das Metaversum nutzen, um das kulturelle Erbe der Ukraine zu bewahren. So entstehen unter anderem digitale Plattformen zur Bekämpfung des kulturellen Völkermords und interaktive 3D-Modelle bedeutender Kulturdenkmäler.
Der öffentliche Start des Programms fand kürzlich im Rahmen eines Heritage Tech Meetups statt. Hier werden nicht nur Ideen ausgetauscht, sondern auch konkrete Projekte entwickelt, die beim Demo Day im September präsentiert werden. Die Teilnehmer lernen in verschiedenen Modulen alles, von der Budgetierung bis hin zu Storytelling. Es ist eine aufregende Zeit für die Digitalisierung des ukrainischen Kulturerbes, und Initiativen wie HATA Hub zeigen, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu bewahren, während wir in die Zukunft blicken.
