Heute ist der 12.06.2026, und während wir hier im Jura sitzen, kommen mir all die Gedanken über die Demokratie und ihren Zustand in Deutschland. Eine aktuelle Umfrage hat gezeigt, dass ein Drittel der Jura-Studierenden die deutsche Demokratie als instabil einschätzt. Das ist schon ein ziemlicher Hammer, wenn man darüber nachdenkt. Fast drei Viertel der Befragten sehen das Erstarken rechtsextremistischer Positionen als echte Belastungsprobe für unsere demokratischen Werte. Und hier wird es spannend: Knapp 51 Prozent fühlen sich durch Rechtsextremismus eindeutig belastet, während nur 25,5 Prozent Linksextremismus als Bedrohung wahrnehmen. Ist das nicht ein bisschen einseitig?

Fast die Hälfte der Studierenden glaubt, dass die Gerichte und Verfassungsorgane nicht stark genug sind, um der demokratiefeindlichen Politik Einhalt zu gebieten. Da fragt man sich, wo das Vertrauen in unsere Institutionen geblieben ist. 37,3 Prozent haben ernsthafte Zweifel, und 6,4 Prozent glauben nicht einmal daran, dass geltendes Recht hier wirksam ist. Auf der anderen Seite gibt es auch 37,6 Prozent, die durch ihr Jurastudium eher an die Widerstandsfähigkeit des deutschen Rechts glauben. Das ist ein Lichtblick, oder? Doch was bedeutet das für die Zukunft unserer Gesellschaft?

Ein Blick auf die Ursachen

Es gibt viele Faktoren, die zur aktuellen Stimmungslage beitragen könnten. Die Unsicherheit, die viele Menschen empfinden, ist dabei ein zentraler Punkt. In einem Artikel im Journal of Social and Political Psychology wird untersucht, wie Unsicherheit nationalistisches und anti-immigrantisches Denken fördert. Das bringt uns zu der Frage: Warum fühlen sich so viele Menschen unsicher? Ein Teil der Antwort könnte in den Ungerechtigkeitsurteilen liegen, die die Radikalisierung fördern, wie eine Analyse von Bos (2019) zeigt. Das Gefühl der Ungerechtigkeit kann dazu führen, dass Menschen sich extremistischen Gruppen zuwenden.

Die Rolle von Selbstunsicherheit und sozialer Identität ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Hogg (2007) hat die Unsicherheit-Identitätstheorie entwickelt, die uns hilft, zu verstehen, wie Menschen in unsicheren Zeiten nach Unterstützung in Gruppen suchen. Das führt uns zurück zu den Jurastudierenden: 43 Prozent glauben, dass zukünftige Juristen sich unter politischem Druck anpassen werden. Dies wirft die Frage auf, ob sie wirklich bereit sind, rechtsstaatliche Prinzipien gegen politische Mehrheiten zu verteidigen.

Einfluss der Bürger und der Justiz

Es ist auch interessant zu sehen, dass 43 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass Bürgerinnen und Bürger nicht genug Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Und das ist nicht alles – 25 Prozent sehen die Justiz als zu wenig einflussreich auf die politische Agenda. Komischerweise glauben 17 Prozent, dass keine Akteursgruppe zu wenig Einfluss hat. In der heutigen Zeit, wo Wirtschaftskonzerne und Lobbyisten laut 43 Prozent zu viel Einfluss auf die politische Entscheidungsfindung haben, stellt sich die Frage: Wer hat das Sagen in unserer Demokratie?

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Die emotionale Unsicherheit beeinflusst die Gesellschaft stark. Wie Gerard (1963) in seinen Studien zeigt, sind soziale Vergleiche und die damit verbundenen Unsicherheiten entscheidend für unser Verhalten. In Krisenzeiten tendieren Menschen dazu, sich extremistischen Ansichten zuzuwenden, das haben auch Zick und Sandal-Önal (2023) in ihrer Forschung über die Krisenungewissheit in Deutschland festgestellt. Wir leben in turbulenten Zeiten – wird das die Demokratie in Deutschland weiter belasten?