Heute ist der 10.05.2026, und hier in Graubünden brodelt es gewaltig. In Roveredo, dieser kleinen Gemeinde, die im italienischsprachigen Misox liegt, hat sich die Situation zugespitzt. Denn mehrere Mafiosi wurden dort verhaftet. Das hat nicht nur die Bürger aufgeschreckt, sondern auch den Bürgergemeindepräsidenten Aurelio Troger, der sich nicht scheut, den Kanton Graubünden für sein Versagen im Kampf gegen die organisierte Kriminalität zu kritisieren.

Ermittlungen im März haben ans Licht gebracht, dass Mitglieder der Camorra, ‚Ndrangheta und eines Balkan-Clans über Briefkastenfirmen in Roveredo Drogenhandel gewaschen haben. Ein skandalöser Zustand! Besonders alarmierend ist, dass das Bündner Migrationsamt diesen Personen Aufenthaltsbewilligungen erteilt hat – darunter sogar einem mit Vorstrafe! Troger ist sichtlich frustriert und betont, dass das Misox vom Kanton nicht ernst genommen wird. Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, bearbeitet die Bürgergemeinde seit Ende März Einbürgerungsgesuche verzögert. Ein Protest, der zeigt, dass das Vertrauen in die kantonalen Kontrollen auf einem ziemlich wackeligen Fundament steht.

Politischer Aufruhr im Misox

Troger gibt sich kämpferisch. Er will die Anliegen des Misox weiterhin vertreten, auch wenn er dafür gegen Windmühlen ankämpfen muss. Unterstützung erhält er dabei aus verschiedenen politischen Lagern – sogar von der ehemaligen Gemeindepräsidentin Nicoletta Noi-Togni. Inmitten dieser Unruhen hat der Bündner SP-Regierungsrat Peter Peyer angekündigt, eine Zwangsverwaltung der Bürgergemeinde zu prüfen. Die Lage spitzt sich also weiter zu, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.

Der Mafia-Experte Francesco Lepori, der das Observatorium für organisierte Kriminalität an der Universität Lugano leitet, hat ebenfalls seinen Hut in den Ring geworfen. Er kritisiert die Behörden im Kanton Graubünden scharf und warnt davor, dass die Mafia-Dichte im Mittelland höher sei als im Misox. Ein besorgniserregender Vergleich! In Roveredo haben vier Mafiosi jahrelang unbehelligt gelebt und Millionen Euro gewaschen. Tausende von Briefkastenfirmen deuten auf eine flächendeckende Geldwäsche hin. Lepori spricht von einer „kurzsichtigen Sichtweise“ seitens der Bündner, die anscheinend nicht über die nötigen Mittel verfügen, um dem Treiben Einhalt zu gebieten.

Ein Blick über die Grenzen

Im Tessin sieht die Sache etwas anders aus. Dort hat man trotz knapper Finanzen die Kontrollen beim Migrationsamt und Konkursamt verstärkt. 2019 wurde ein Buchhaltungsexperte eingeführt, der Verdachtsfälle direkt an die Staatsanwaltschaft meldet. Ganz anders in Graubünden, wo die Behörden erst von den Vorstrafen der verhafteten Mafiosi erfuhren, nachdem bereits Aufenthaltsbewilligungen erteilt worden waren. Ein echter Skandal! Während das Tessin Strafregisterauszüge für Aufenthaltsbewilligungen verlangt, agiert Graubünden offenbar nach einer strengen Rechtsauslegung, die viel Raum für kriminelle Strukturen lässt. Lepori bezeichnet diese Haltung als ein „großes Geschenk“ für die Mafia.

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Die Probleme scheinen tief verwurzelt. Der Datenaustausch zwischen den Kantonen ist problematisch, Polizeidaten können nicht einfach kantonsübergreifend geteilt werden. Das POLAP-Projekt des Fedpol für eine gemeinsame Plattform steckt fest. Während Graubünden mit seinen Herausforderungen kämpft, liegen größere Brennpunkte der Mafia in den Kantonen Aargau, Basel, Zürich und St. Gallen. Laut Bundespolizei hat das Mittelland die höchste Mafia-Dichte in der Schweiz. Ein Umstand, der uns allen zu denken geben sollte.