In den sanften Hügeln des Misox, ganz nah an der italienischen Grenze, regiert seit 2022 ein Mann mit Mut und Entschlossenheit: Aurelio Troger, der Präsident der Bürgergemeinde Roveredo. Ein Amt, das er nicht unbedingt wollte, aber es gab schlichtweg niemanden, der sich zur Wahl stellte. Und so kämpft er nun an vorderster Front gegen das, was er als eine wachsende Bedrohung für sein kleines, beschauliches Dorf sieht – die Mafia.

Die Situation in Roveredo ist heikel. Immer mehr Briefkastenfirmen haben sich in der Gemeinde niedergelassen. Der Grund? Ein verstärktes Vorgehen gegen Tarnfirmen im Tessin hat die kriminellen Elemente nach Graubünden gedrängt. Troger, der Sohn eines ehemaligen Bürgergemeindepräsidenten, der fast dreißig Jahre im Dienst war, ist besorgt. Vor allem, nachdem vier Mafiosi, die sich mit gefälschten Aufenthaltsbewilligungen in Roveredo niedergelassen hatten, verhaftet wurden. Troger kritisiert die Politik in Chur, insbesondere das Migrationsamt, und macht darauf aufmerksam, dass vorbestrafte Personen ohne Bedenken Aufenthaltsbewilligungen erhalten. „Das ist ein Skandal!“, könnte man ihn fast hören, wenn er sein Unverständnis über die Behörden äußert.

Ein Bürger in der Zwickmühle

Der Druck auf Troger wächst weiter. Der Regierungsrat Peter Peyer plant, Roveredo unter Zwangsverwaltung zu stellen. Ein Schritt, der dem Bürgergemeindepräsidenten den Boden unter den Füßen wegziehen könnte. Doch Troger lässt sich nicht einschüchtern. „Ich habe nichts zu verlieren“, sagt er, und setzt sich weiterhin für die Belange seines Tals ein. Sein Team befindet sich seit Ende März im Bummelstreik und bearbeitet Einbürgerungsgesuche nur zögerlich – ein Protest gegen das, was sie als unzureichende Prüfungen der Behörden bezeichnen.

Die Situation verschärfte sich, als Anfang März 2026 sieben mutmaßliche Drogenhändler verhaftet wurden, darunter vier in Roveredo. Eine internationale Drogenrazzia unter der Führung von Europol hat die Gemeinde ins Rampenlicht gerückt. Diese vier Personen hatten ebenfalls Aufenthaltsbewilligungen, und das trotz ihrer kriminellen Vergangenheit. Decio Cavallini, Vize-Gemeindepräsident, äußert Bedenken über die Vergabe solcher Bewilligungen und fordert mehr Sorgfalt. „Wie kann es sein, dass jemand mit Vorstrafen hier leben darf?“, fragt er sich.

Die Schatten der Mafia

Über die Gräben der Politik und der Justiz hinaus, ist die Mafia in der Schweiz ein Thema, das nicht ignoriert werden kann. Italienische Clans, die hier „unter dem Radar“ operieren, sehen die Schweiz als sicheren Hafen für ihre Geschäfte an. Abhörprotokolle zeigen, dass die kriminellen Organisationen wie die ’Ndrangheta und andere mafiöse Strukturen auch in Graubünden aktiv sind. Bis vor kurzem gab es in der Schweiz keinen speziellen Mafia-Paragrafen, was die Strafverfolgung erheblich erschwert hat. Die Verhaftungen in Roveredo sind ein klarer Hinweis auf die Ausmaße des Problems.

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Die Kriminalität nimmt zu, und die Bürger fühlen sich immer mehr in ihren Rechten eingeschränkt. Der Ruf nach einem besseren Informationsaustausch zwischen den Kantonen wird laut. Das Bündner Parlament plant, im April das Thema der Aufenthaltsbewilligungen und Briefkastenfirmen zu besprechen. Die Sorge um die Sicherheit und die Integrität der Gemeinde steht im Raum, und Troger ist an vorderster Front, um ein Zeichen zu setzen.

Inmitten all dieser Herausforderungen bleibt Troger auch privat aktiv. Er hat einen Ehrenpreis für seine Rettungsaktion während eines Murgangs erhalten und sich einer sportlichen Herausforderung gestellt: 100 Mal in zwei Jahren den Piz Tambo zu besteigen. Ein echter Held im Kampf gegen die Widrigkeiten – sowohl in den Bergen als auch im politischen Alltag. Und so kämpft er weiter, mit dem Ziel, Roveredo ein Stück sicherer zu machen. Man kann nur hoffen, dass er nicht allein bleibt in diesem Kampf.