Alarmstufe Rot: Der Japankäfer bedroht die Rasenflächen in St. Gallen
In Buchs im Kanton St. Gallen wurde ein toter Japankäfer entdeckt – ein erstes Alarmzeichen für die Region. Diese invasive Art, die sich durch ihre Vorliebe für Grasswurzeln auszeichnet, könnte schnell zu einem echten Problem für die Rasenflächen und Gärten der Umgebung werden. Die Anzeichen sind besorgniserregend, denn die Larven fressen sich durch die Wurzeln der Pflanzen und hinterlassen dabei braune, absterbende Rasenflächen. Um die Situation genau zu beobachten, haben Fachleute im Umkreis von drei Kilometern Fallen aufgestellt. Ein paar Schritte, um einen größeren Befall zu beurteilen – aber das ist noch nicht alles.
Aktuell gibt es keine Handlungsanweisungen für die Bevölkerung oder die Landwirtschaft. Dennoch ist der Kanton St. Gallen dabei, die Lage zu bewerten und wird die Bürger über eventuelle Entwicklungen informieren. „Wir müssen vorbereitet sein“, könnte man sagen, denn bei einem massiven Befall wären Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung unumgänglich. Interessanterweise liegt der Fundort des Käfers direkt an der Grenze zu Liechtenstein, was bedeutet, dass Fachleute aus dem Nachbarland ebenfalls in die Situation involviert sind und die Region genau überwachen.
Die Bedrohung aus dem Osten
Der Japankäfer ist nicht einfach ein weiterer Schädling. Diese Art kann erhebliche Schäden an Kulturpflanzen, Wiesen und Grünflächen verursachen. In der Bündner Region Misox ist der Käfer bereits seit zwei Jahren ein ernsthaftes Problem. Walter Fromm, der Leiter der Fachstelle Obst und Weinbau in Graubünden, berichtet von Ernteverlusten im Weinbau, die sich kaum ignorieren lassen. Vor zwei Jahren wurden dort 80 Fallen aufgestellt, mittlerweile sind es bereits 300 bis Lostallo. Eine beachtliche Steigerung, um dieser Bedrohung Herr zu werden und das Eindringen der Käfer aus dem Tessin zu verhindern.
In Kloten wurde der Japankäfer sogar erstmals nördlich der Alpen gesichtet. Die Behörden dort haben schnell reagiert und zahlreiche Maßnahmen ergriffen, darunter den Einsatz von Zivildienstlern und Pestiziden. Sogar die Plätze des FC Kloten wurden gesperrt, um die Ausbreitung der Käfer einzudämmen. Zudem gilt seit letztem Jahr im Sommer ein Bewässerungsverbot für alle Rasenflächen in Kloten, um zu verhindern, dass die Käfer ihre Eier in feuchten Böden ablegen können.
Die globale Dimension
Das Thema invasive Arten ist nicht nur lokal bezogen – es hat globale Dimensionen. Sie verändern das Gleichgewicht in unseren Ökosystemen und können massive Schäden in der Landwirtschaft anrichten. Der Japankäfer (Popillia japonica) ist nur ein Beispiel aus einer langen Liste von Schädlingen, die durch Globalisierung, weltweiten Handel und sogar den Klimawandel begünstigt werden. Schätzungen zufolge gibt es weltweit über 37.000 gebietsfremde Arten, von denen mehr als 3.500 als invasiv gelten. Die Europäische Union führt mehr als 14.000 gebietsfremde Arten, von denen 114 auf der Unionsliste als invasiv eingestuft sind.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind gewaltig. Allein in der deutschen Landwirtschaft belaufen sich die Schäden durch invasive Arten seit 1960 auf über 8 Milliarden Euro. Frühwarnsysteme und gezielte Meldungen sind entscheidend, um die Ausbreitung solcher Arten zu begrenzen. Und das ist nicht nur ein Problem für Landwirte, sondern betrifft uns alle – die heimische Artenvielfalt wird dadurch bedroht, und das hat weitreichende Folgen für unser Ökosystem.
