Die Mieten im Kanton Glarus haben im letzten Jahr einen ordentlichen Sprung gemacht – gleich um 4,2 Prozent sind sie gestiegen. Damit sichert sich Glarus den dritten Platz im Mieterhöhungs-Ranking der Schweiz, nur hinter Graubünden und dem Wallis. Thomas Schwager, der Geschäftsführer des Mieterinnen- und Mieterverbands Ostschweiz, hat da so seine Theorien. Er führt die Preiserhöhungen unter anderem auf die Nähe zu Zürich und die komfortable S-Bahn-Anbindung zurück. Wer würde nicht gerne in der idyllischen Natur des Glarnerlands wohnen, aber gleichzeitig schnell in der Großstadt sein?
Doch es gibt auch Schattenseiten. Die Leerwohnungsziffer in Glarus liegt bei 1,73 Prozent – das ist relativ hoch. Woher kommt das? Ein hoher Anteil an alter Bausubstanz tut sein Übriges. Viele Mieter sind da nicht so scharf darauf, in alte, zugige Gebäude zu ziehen. Neue Wohnungen sind gefragt, besonders größere, und zwar nicht nur wegen des Platzes, sondern weil viele einfach nicht in die alten Gemäuer wollen. Und da sind auch noch die Nebenkosten, die durch die steigenden Energiepreise eine echte Falle darstellen können. Die Glarner Kantonalbank sieht die wachsende Bevölkerung als weiteren Grund für den Anstieg der Mieten. Ein Teufelskreis, der sich hier immer weiter zu drehen scheint.
Die Situation im Überblick
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Leerwohnungsziffer in der Schweiz am 1. Juni 2025 bei 1,03 Prozent liegen wird, was 48.400 leeren Wohnungen entspricht. Das ist ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren, und die Ursachen sind vielfältig. Mehr Menschen ziehen in die Städte, während die Neubautätigkeit nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten kann. Zusätzlich gibt es den Trend zu kleineren Haushalten – mehr Singles und mehr Scheidungen. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Nachfrage nach Wohnraum stetig steigt und die Leerstände sinken.
In den großen Städten, wie Zürich, Genf und Basel-Stadt, sieht die Situation noch dramatischer aus. Dort liegt die Leerwohnungsziffer unter 0,6 Prozent und Experten sprechen von einem „Wohnungsnotstand“. In Zürich beispielsweise gibt es nur 0,06 Prozent Leerstand, was für Wohnungssuchende bedeutet, dass sie mit über 100 anderen auf eine einzige freie Wohnung hoffen müssen. Krass, oder?
Ein Blick in die Zukunft
Die Prognosen deuten darauf hin, dass auch in Glarus eine Zinswende bevorsteht, die die Mieten weiter nach oben treiben könnte. Und während die Bautätigkeit unter den Herausforderungen von Einsprachen, steigenden Baukosten und dem Widerstand gegen Verdichtung leidet, bleibt die Frage, ob wir in naher Zukunft die dringend benötigten neuen Wohnungen sehen werden. Bis 2025 sind nur rund 48.000 neue Wohnungen bewilligt, das ist aber nicht genug, um den Bedarf von 52.000 bis 55.000 laut BFS-Schätzungen zu decken. Was passiert also mit den Mieten? Die Lage bleibt angespannt und die Suche nach dem passenden Zuhause wird zu einer echten Herausforderung.
Das sind spannende Zeiten hier in Glarus und der Schweiz insgesamt. Man fragt sich, wie sich der Wohnungsmarkt weiterhin entwickeln wird und ob die Verantwortlichen rechtzeitig die richtigen Weichen stellen können. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob diese Entwicklungen sich als Fluch oder Segen für die Mieter erweisen werden.