Finanzielle Gerechtigkeit im Kanton Glarus: Ein Postulat für Steuergutschriften in der Diskussion
Am 23. Mai 2026 hat der Landrat Adrian Hager aus Niederurnen ein Postulat eingereicht, das aufhorchen lässt. Der Titel? «Prüfung eines Modells für Steuergutschriften bei ausserordentlichen Überschüssen». Das Anliegen ist klar: Es geht darum, ob es möglich wäre, ausserordentliche, nicht budgetierte Überschüsse über Steuergutschriften oder befristete Steuerreduktionen an die Steuerzahlenden zurückzugeben. Ein spannendes Thema, das die Gemüter sicherlich erregen könnte!
Der Regierungsrat hat sich jedoch klar positioniert. Er bezeichnet das Anliegen als finanziell nachvollziehbar, sieht aber gleichzeitig keine Grundlage für ein solches Modell im Kanton Glarus. Trotz einer besser als erwarteten Jahresrechnung 2025 gibt es keine dauerhaft hohen Überschüsse, die eine Rückgabe an die Bürger rechtfertigen würden. Die Priorität liegt ganz klar auf der Stabilisierung des Finanzhaushalts und der Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit. Ein Vergleich mit dem Kanton Zug, der seit Jahren mit hohen Überschüssen glänzt, sei laut Regierungsrat nur bedingt aussagekräftig. Immerhin muss Glarus die Finanzierung künftiger Aufgaben und Investitionen sicherstellen.
Ein Blick auf die finanziellen Rahmenbedingungen
Die Entscheidung des Regierungsrates, das Postulat abzulehnen, wird durch die aktuelle Finanzlage des Kantons untermauert. Trotz positiver Entwicklungen gibt es keine Garantie für zukünftige Überschüsse. Im Gegensatz dazu hat der Kanton Zug, wie bereits erwähnt, eine ganz andere finanzielle Situation. Hier stellt sich die Frage, ob Glarus nicht von einem gewissen finanziellen Ausgleich profitieren könnte, um die eigenen Herausforderungen besser bewältigen zu können.
In der Schweiz gibt es 26 Kantone, und jeder hat seine eigenen finanziellen Möglichkeiten. Das Prinzip des Föderalismus sorgt dafür, dass wirtschaftlich starke Kantone und der Bund finanziell schwächeren Kantonen unter die Arme greifen. Es ist ein solidarisches System, das darauf abzielt, die Unterschiede in der finanziellen Leistungsfähigkeit zu verringern und die effiziente Erfüllung staatlicher Aufgaben zu gewährleisten. Der nationale Finanzausgleich, der 2008 eingeführt und 2020 angepasst wurde, ist ein gutes Beispiel dafür. Er besteht aus einem Ressourcen- und Lastenausgleich, wobei der Bund etwa zwei Drittel der Ausgleichszahlungen finanziert.
Ressourcen- und Lastenausgleich im Fokus
Der Ressourcenausgleich sorgt dafür, dass jeder Kanton über genügend finanzielle Mittel verfügt. Dabei wird das steuerbare Einkommen, Vermögen und Gewinne berücksichtigt. Für Kantone mit einem Ressourcenindex unter 100, wie Glarus, sind diese Mittel besonders wichtig, um die gesetzliche Mindestausstattung zu erreichen. Der Lastenausgleich hingegen unterstützt Gebirgs- und Zentrumskantone, die überdurchschnittliche Kosten tragen müssen, und ist ebenfalls entscheidend für die finanzielle Stabilität in der Schweiz.
Die Herausforderungen im Kanton Glarus sind also nicht zu unterschätzen. Während die Regierung das Postulat zurückweist, bleibt die Frage nach einem fairen Ausgleich und einer stabilen finanziellen Basis im Raum stehen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die finanziellen Rahmenbedingungen in Glarus entwickeln und ob die Bürger vielleicht doch einmal von Steuererleichterungen profitieren können.
