Heute ist der 7. Mai 2026 und in Glarus brodelt es mal wieder in der Verkehrspolitik. Ein frischer Wind weht durch das Klöntal, zumindest was die Ideen zur Verkehrsberuhigung angeht. Der Landrat Mathias Zopfi hat am 31. Januar 2026 eine Interpellation eingereicht, die sich mit der Vollzugsverordnung zum Fahrverbot im Klöntal beschäftigt. Zopfis Titel ist „Vollzugsverordnung Fahrverbot Klöntal: Fehlende Vereinbarkeit mit übergeordnetem Recht“. Ein bisschen sperrig, ich weiß, aber das Thema ist heiß! Der Verkehrsberuhigung an ausgewählten „Slow Sundays“ steht im Fokus und Zopfi zweifelt an der Rechtmäßigkeit der Ausnahmebestimmung für den abfließenden Verkehr.
Der Regierungsrat hat sich inzwischen zu Wort gemeldet und hält die Ausnahmeregelung für zweckmäßig. Immerhin soll das Klöntal an diesen Sonntagen eher ein Ort der Erholung werden, wo der Langsamverkehr – sprich: Radfahrer und Fußgänger – nicht auf der Strecke bleibt. Die Erreichbarkeit für motorisierte Fahrzeuge wird aber auch nicht zu stark eingeschränkt. Man will ja nicht gleich das ganze Klöntal abriegeln. Ein bisschen Flexibilität ist gefordert, damit der abfließende Verkehr nicht zur Verkehrsberuhigung entgegenwirkt. Das klingt erst mal nach einem ausgewogenen Ansatz.
Ein Blick auf die Realität
Doch hier wird es interessant. Die vorliegende Verordnung weicht nämlich vom ursprünglichen Ziel ab. Der gesamte abfließende Verkehr bleibt vom Fahrverbot ausgenommen. Das bedeutet, dass die „Slow Sundays“ nur noch in eine Richtung gelten und ihren Charakter als echte Verkehrsberuhigung verlieren. Anstatt einer harmonischen Verkehrsregulierung könnte sich das Klöntal bald wie eine Einbahnstraße anfühlen. Das ist nicht gerade das, was sich die Antragsteller gewünscht haben, die eine ruhige Erholung und neue Nutzungen im Tal forderten.
Die Jungen Grünen Glarus sind entsprechend enttäuscht über diesen Kurswechsel des Regierungsrates. Ein ähnlicher Vorschlag wurde zuvor in der zuständigen Kommission im Landrat abgelehnt, und jetzt, kurz vor Schluss, wird das Projekt „Slow Sundays“ geschwächt. Wo bleibt da die Kontinuität? Diese Entscheidung hat nicht nur Auswirkungen auf die Verkehrsberuhigung, sondern könnte auch das gesamte Nutzungserlebnis im Klöntal verändern.
Ein Blick über die Grenzen
Was hier in Glarus passiert, ist nicht nur ein lokales Phänomen. In vielen deutschen Städten wird versucht, den Autoverkehr zu reduzieren, um die Luftqualität zu verbessern und den öffentlichen Raum neu zu gestalten. In München beispielsweise wurde die Weißenburger Straße probeweise zur Fußgängerzone erklärt. Die Stadt plant eine Evaluierung dieser Maßnahme – also eine echte Testphase. In der Theorie klingt das super, aber in der Praxis gibt es oft jede Menge Diskussionen. Anwohner fürchten steigende Mieten und Geschäftsleute reden von Umsatzeinbußen durch wegfallende Parkplätze. Spannend, oder?
Eine gelungene Verkehrsberuhigung erfordert Kommunikation, frühzeitige Einbindung der Anwohner und eine ansprechende Gestaltung des öffentlichen Raums. Hier könnte Glarus sich eine Scheibe abschneiden. Wenn die Leute das Gefühl haben, dass ihre Stimmen gehört werden, steigt die Akzeptanz. Und vielleicht – nur vielleicht – könnte auch die Entscheidung über die „Slow Sundays“ in eine positive Richtung gelenkt werden. Aber das ist alles Zukunftsmusik, die noch geschrieben werden muss.
Die Zukunft des Klöntals und seiner Verkehrsregelungen liegt also in der Schwebe. Man darf gespannt sein, ob der Regierungsrat tatsächlich bereit ist, die Verordnung anzupassen, sollte der abfließende Verkehr die angestrebte Verkehrsberuhigung beeinträchtigen. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, in welche Richtung sich das Klöntal entwickeln wird – und ob die „Slow Sundays“ ihren Namen wirklich verdienen.