Braunwalds mutiger Schritt: Abschied vom Wintertourismus und die Suche nach neuen Wegen
Heute ist der 23.06.2026, und es gibt Neuigkeiten aus dem Kanton Glarus, die die Bergwelt in Aufregung versetzen. Das autofreie Bergdorf Braunwald hat soeben angekündigt, dass es ab der Wintersaison 2026/27 den klassischen Skibetrieb einstellen wird. Ein Schritt, der nicht nur für die Region, sondern auch für den gesamten alpinen Tourismus von Bedeutung ist. Die Sportbahnen Braunwald AG hat die dauerhafte Stilllegung der vier Ski- und Sessellifte – Mattwald, Gumen, Seblengrat und Bächital – beschlossen. Wir sprechen hier von einem tiefen Einschnitt in die alpine Freizeitkultur.
Die Entscheidung ist das Resultat einer strategischen Neuausrichtung, die sich als notwendig erwiesen hat, um wirtschaftlichen Herausforderungen und veränderten klimatischen Bedingungen Rechnung zu tragen. Man könnte sagen, die Natur hat ein Wörtchen mitzureden. Eine umfassende Analyse und Gespräche mit zentralen Akteuren der Destination haben gezeigt, dass das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig ist. Über Jahre hinweg kämpfte das Unternehmen mit Defiziten, zuletzt summierte sich das jährliche Minus auf rund 1,5 Millionen Franken. In der Saison 2023/24 fiel der Verlust sogar auf 2,3 Millionen Franken – der schneearme Winter 2025/26 hat die Situation weiter verschärft. Die Einnahmen aus dem Wintergeschäft? Nur noch 865.000 Franken, kaum über dem Sommerumsatz von 847.000 Franken. Das sind ernüchternde Zahlen.
Neuer Fokus: Ganzjahrestourismus
Doch nicht alles ist verloren! Die Gondelbahn zum Grotzenbüel und ein Förderband bleiben in Betrieb. Die Betreiber möchten den Fokus stärker auf den Ganzjahrestourismus legen. Winterwanderer, Schneeschuhläufer und Schlittler sollen künftig im Zentrum stehen, ebenso wie die Weiterentwicklung des Sommergeschäfts. Ein gemeinsamer Zukunftsprozess, initiiert von Visit Glarnerland, der Gemeinde Glarus Süd und anderen touristischen Leistungsträgern, wurde ins Leben gerufen. Hier wird in mehreren Workshops ein neues Zukunftsbild erarbeitet. Richard Bolt, der Verwaltungsratspräsident der Sportbahnen Braunwald AG, hat klar betont, wie wichtig ein gemeinsames Vorgehen für die Weiterentwicklung von Braunwald ist. Die Vision soll in etwa sechs Monaten Gestalt annehmen.
Die Unterstützung des Kantons Glarus ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Im Rahmen regionalpolitischer und wirtschaftlicher Förderinstrumente wird geprüft, ob Mittel aus der Neuen Regionalpolitik (NRP) zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit eingesetzt werden können. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, der zeigt, dass man bereit ist, neue Wege zu gehen. Aber die Herausforderungen sind groß, nicht nur in Braunwald, sondern in den gesamten Alpen.
Klimawandel und die Zukunft des Tourismus
Ein Blick über die Grenzen hinaus zeigt, dass der Klimawandel auch andere Regionen vor große Herausforderungen stellt. Prognosen besagen, dass bis 2050 über 70 % der alpinen Skigebiete unter natürlicher Schneeunsicherheit leiden könnten. Der traditionelle Wintertourismus steht auf der Kippe, während die Sommer- und Herbstangebote an Bedeutung gewinnen. Wir müssen uns fragen: Wie lange können wir noch auf die schneereichen Winter hoffen? Der Rückgang der Schneedeckendauer um bis zu drei Wochen in bestimmten Regionen ist kein Scherz. Und die Kosten für die technische Beschneiung, die für viele Skigebiete unverzichtbar wird, steigen unaufhörlich. Wer noch Skifahren möchte, der wird bald tiefer in die Tasche greifen müssen.
Aber es gibt auch Lichtblicke! Innovative Projekte zur Förderung der Biodiversität in Skigebieten könnten neue Wege aufzeigen. Und während die Geschichte des mechanisierten Skitourismus vor über 100 Jahren begann, zeigt sich jetzt die Notwendigkeit einer umfassenden Neuausrichtung im Tourismusmanagement. Das Zusammenwirken von privaten Betrieben und öffentlichen Behörden wird entscheidend sein, um den Klimaschutz voranzutreiben und die alpine Landschaft zu bewahren.
In diesem Zusammenhang ist es spannend, einen Blick ins Wallis zu werfen, nach Zermatt. Der südlichste Kurort der Schweiz, autofrei und mit einer traditionellen Architektur, bietet eine ganz andere Art von Erlebnis. Dort wird Walliserdeutsch gesprochen, und das Matterhorn, mit seinen beeindruckenden 4478 Metern, zieht nicht nur Bergsteiger, sondern auch Touristen aus aller Welt an. Mit 400 km Wanderwegen und dem einzigartigen Charme der kleinen Weiler wie Findeln, wo man in den besten Restaurants mit Blick auf das Matterhorn speisen kann, zeigt sich, wie vielfältig die alpine Faszination ist. Zermatt könnte vielleicht ein Vorbild für Braunwald und andere Bergorte werden, die sich neu erfinden müssen.
