Heute ist der 21.06.2026 und wir blicken von Genf aus auf ein düsteres Bild, das sich in der Schweiz und darüber hinaus abzeichnet. Russland hat in den letzten Jahren seine Aktivitäten zur Verfolgung von Kritikern im Ausland intensiviert, und die Schweiz ist dabei nicht verschont geblieben. Immer mehr Organisationen, die sich gegen die russische Regierung aussprechen, werden als „unerwünscht“ eingestuft – ein klarer Versuch, die Stimmen der Opposition zum Schweigen zu bringen. Aktuell stehen bereits zwölf Organisationen mit Bezug zur Schweiz auf dieser ominösen Liste, und die Zahlen steigen alarmierend. Im Jahr 2023 wurde der Verein „Future Russia – Switzerland“ als sechste Organisation mit Schweiz-Bezug eingestuft. Das ist nicht nur eine Zahl, sondern eine klare Botschaft: Die Verfolgung von Kritikern hat nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 zugenommen.

Die Statistiken sind erschreckend. Lag die Zahl neu gelisteter Organisationen 2021 noch bei 18, sind es 2023 bereits 57. Prognosen deuten darauf hin, dass dieser Trend sich fortsetzen wird: 67 für 2024 und sogar 101 für 2025 könnten auf uns zukommen. Bis Mitte April 2026 könnten wir mit weiteren 55 Organisationen rechnen – das sind bis zu 192 Organisationen, die bis Ende 2026 als „unerwünscht“ gelten könnten. Diese Organisationen sind in Russland faktisch verboten, und Unterstützer riskieren ernsthafte Konsequenzen. Tichon Dsjadko, Chefredaktor von TV Rain, beschreibt die Situation als enorme Erschwernis für Aktivisten und Journalisten im Exil.

Die zunehmende Repression

Doch das ist nicht nur ein Problem für die Diaspora. Human Rights Watch hat in ihrem World Report 2026 die Menschenrechtslage in über 100 Ländern beleuchtet und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Im vierten Jahr des Krieges gegen die Ukraine verschärfen sich die Repressionen gegen die Zivilgesellschaft in Russland. Die Zensur und Überwachung sind ausgeweitet worden, und zahlreiche Menschen werden wegen „Untergrabung der Staatssicherheit“ angeklagt. Auch die Strafverfolgung von als „ausländische Agenten“ eingestuften Kritikern hat stark zugenommen. Die Behörden führen einen regelrechten „Kreuzzug für traditionelle Werte“ durch, der Migrantinnen und LGBTQ+-Personen ins Visier nimmt. Unglaublich, aber wahr: Die Reproduktionsrechte von Frauen werden ebenfalls massiv eingeschränkt.

Wohl niemand hätte erwartet, dass die Zahl politischer Gefangener so rasant ansteigt. Von 805 Ende 2024 sind wir mittlerweile bei 1.217 – darunter 108 Frauen. Das sind nicht nur Zahlen, das sind Schicksale. Mit jedem neuen Jahr kommen neue Berichte über Verhaftungen und Verurteilungen, wie im Fall von Grigory Melkonyants, einem Wahlbeobachtungsaktivisten, der zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Die Einschüchterung und die Angriffe auf die Rechte von Migrantinnen setzen sich unvermindert fort. Razzien und Misshandlungen durch die Strafverfolgungsbehörden sind an der Tagesordnung.

Ein Blick in die Zukunft

Die Entwicklungen in Russland haben auch direkte Auswirkungen auf die Menschen in der Schweiz und der gesamten Welt. Ab September 2023 kann Russland das Vermögen von Personen beschlagnahmen, die das Land verlassen haben, um Geldstrafen für öffentliche Äußerungen durchzusetzen. Das ist eine klare Warnung an alle, die es wagen, sich gegen die Regierung zu äußern. Dsjadko äußert, dass diese Maßnahmen die Arbeit innerhalb Russlands erschweren, doch die Diaspora wird nicht gravierend geschädigt. Wie lange wird das noch so bleiben? Und was bedeutet das für die Zukunft der Menschenrechtslage?

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Die Situation ist angespannt, und die Prognosen machen uns nicht gerade optimistisch. Die Welt beobachtet, doch das Gefühl der Ohnmacht bleibt. Während sich die dunklen Wolken über Russland zusammenziehen, bleibt zu hoffen, dass die internationale Gemeinschaft nicht wegschaut und dass die Stimmen derjenigen, die für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen, nicht zum Schweigen gebracht werden.