Heute ist der 21.05.2026 und ich sitze hier in Genf und schaue auf die aktuellen Entwicklungen in der Klimaforschung. Der Weltklimarat IPCC hat kürzlich auf einige Medienberichte reagiert, die etwas durcheinander geraten sind. Es geht um Klimaszenarien, die fälschlicherweise dem IPCC zugeschrieben wurden. Dabei ist das Szenario Model Intercomparison Project (ScenarioMIP) das wahre Herzstück dieser Diskussion. Es ist ein Teil des internationalen Klimaforschungsprogramms CMIP und wird von einer weltweiten Forschungsgemeinschaft unter dem Dach des World Climate Research Programme koordiniert. Der IPCC selbst erstellt keine eigenen Klimamodelle, sondern bewertet die veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten – und das sind nicht gerade wenige, jährlich rund 50.000 Studien!
Diese Szenarien sind entscheidend, um die möglichen Entwicklungen der Treibhausgasemissionen und deren Auswirkungen auf das Erdsystem zu simulieren. Besonders ins Auge gefallen ist das Szenario SSP5-8.5 (früher RCP8.5), das einen extremen Emissionspfad bis 2100 beschreibt und im sechsten Sachstandsbericht des IPCC enthalten ist. Die zentrale Aussage des letzten Berichts bleibt jedoch klar: Der Mensch hat die globale Erwärmung eindeutig verursacht. Und das ist kein Spaß! Zwischen 2011 und 2020 lag die globale Durchschnittstemperatur rund 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Wenn wir nicht schnell und nachhaltig handeln, wird die Erderwärmung weiter zunehmen und die Extremereignisse, die wir jetzt schon erleben, verstärken.
Die Unsicherheiten der Klimaforschung
Die Klimaforschung ist ein faszinierendes, aber auch unberechenbares Feld. Schließlich beschäftigt sie sich mit der Berechnung zukünftiger Klimaveränderungen, die stark von ökonomischen, sozialen und politischen Entwicklungen abhängen – und die sind bekanntlich kaum vorhersehbar. Es wird eine Vielzahl von Emissions- und Konzentrationsszenarien erzeugt, die als Projektionen für alternative zukünftige Klimaveränderungen dienen. Der erste Satz dieser Szenarien, die IS92, wurde bereits 1992 veröffentlicht. Damals umfasste er sechs verschiedene Szenarien und berücksichtigte erstmals die Effekte von menschlichen Aerosolen. Ein bisschen verrückt, oder?
Die Entwicklung der Szenarien hat sich mit der Zeit weiterentwickelt. 2000 wurden die IS92-Szenarien durch SRES-Szenarien ersetzt, die sozioökonomische Entwicklungen im 21. Jahrhundert detaillierter berücksichtigten. Diese SRES-Szenarien sind in vier Familien unterteilt: A1, B1, A2 und B2. A1-Szenarien fokussieren sich auf wirtschaftliches Wachstum, während die B-Szenarien einen stärkeren ökologischen Ansatz verfolgen. Und das hat seine eigenen Konsequenzen: Das B1-Szenario führt zu einer moderaten Erwärmung von 1,8°C, während A2 einen starken Anstieg der Emissionen und eine Erwärmung von bis zu 3,4°C projiziert.
Ein Blick in die Zukunft
Aktuell arbeiten die Wissenschaftler an den Szenarien für den kommenden siebten Sachstandsbericht (AR7). Hier sollen neuere wissenschaftliche Entwicklungen und aktualisierte Szenarien berücksichtigt werden. Es bleibt spannend, wie sich die verschiedenen Szenarien entwickeln werden. RCP-Szenarien, die für den 5. IPCC-Bericht 2013 entwickelt wurden, basieren auf spezifischen Treibhausgaskonzentrationen und unterscheiden sich durch den zusätzlichen Strahlungsantrieb bis 2100. RCP8.5 hat beispielsweise einen Strahlungsantrieb von 8,0 W/m2. Die Zielvorgabe, die auf der Pariser Klimakonferenz 2015 festgelegt wurde, zielt darauf ab, die Temperaturerhöhung auf unter 2°C bis Ende des Jahrhunderts zu begrenzen. Dafür sind drastische CO2-Reduktionen nötig – eine echte Herausforderung, die uns alle betrifft.
Doch bei all diesen Zahlen und Szenarien dürfen wir nicht vergessen, dass jede Projektion auch mit Unsicherheiten behaftet ist. Klimamodelle können zwar viele physikalische und chemische Zusammenhänge in der Atmosphäre gut abbilden, aber es gibt immer noch große Wissenslücken. Die Ursachen für diese Unsicherheiten sind vielfältig: begrenztes Wissen über bestimmte Prozesse in der Atmosphäre, zu wenige Daten oder auch einfach die Rechenkapazitäten, die uns zur Verfügung stehen. Auch sozioökonomische Entwicklungen – wie Bevölkerungswachstum, technologische Sprünge oder sogar unerwartete Krisen – spielen eine große Rolle und machen die Dinge unvorhersehbar.
Es ist also ein ständiges Ringen um die Realität, in der wir leben. Und während wir uns auf die Zukunft vorbereiten, bleibt die genaue Einschätzung der Spannbreite der Möglichkeiten und der Unsicherheiten unerlässlich. Klimaforschung ist nicht nur eine Wissenschaft, sondern auch ein Abenteuer. Es bleibt spannend, was uns die nächsten Jahre bringen werden.