Heute ist der 9. Mai 2026 und wir blicken auf eine Zeit, die von großer Unsicherheit geprägt ist. Besonders die Situation der Nahrungsmittelversorgung weltweit zeigt alarmierende Züge. In Rafah, im Gazastreifen, stehen die Menschen am 16. Februar 2024 Schlange für eine Mahlzeit – ein Bild, das für viele mittlerweile zum Alltag gehört. Der aktuelle Ernährungsbericht der UNO hat es deutlich gemacht: Die akute Ernährungsunsicherheit nimmt zu. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der betroffenen Menschen mehr als verdoppelt. Von 105 Millionen in 48 Ländern im Jahr 2016 auf unglaubliche 266 Millionen in 74 Ländern bis 2025. Ein Anstieg, der uns alle nachdenklich stimmen sollte.
Die Ursachen sind vielfältig und komplex. Konflikte und verlängerte humanitäre Krisen spielen eine zentrale Rolle. Der Global Report on Food Crises (GRFC) vom 24. April 2026, herausgegeben von der FAO und dem WFP, zeigt, dass rund 370 Millionen Menschen sich in einer Stresssituation befinden – kurz davor, in eine ernste Krisensituation zu geraten. Die IPC-Skala, die Ernährungsunsicherheit in fünf Phasen klassifiziert, macht deutlich, dass wir uns in einem besorgniserregenden Zustand befinden. Und dann gibt es diese erschreckenden Zahlen: 35,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren litten 2025 an akuter Mangelernährung. Einfach unfassbar, oder?
Die Stufen der Ernährungsunsicherheit
Um das Ganze ein bisschen klarer zu verstehen, schauen wir uns die fünf Phasen der IPC-Klassifizierung genauer an. In der ersten Phase, der Ernährungssicherheit (IPC Phase 1), haben die Menschen Zugang zu ausreichenden, sicheren und nahrhaften Lebensmitteln. Das sollte eigentlich die Norm sein – weniger als 5% der Bevölkerung ist unterernährt. Doch die Realität sieht anders aus: In der zweiten Phase, dem Hunger (IPC Phase 2), kämpfen bereits 5-10% der Menschen, um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die tägliche Kalorienaufnahme liegt zwar noch bei 2.100 Kalorien, aber der Druck ist schon spürbar.
In der dritten Phase, dem akuten Hunger (IPC Phase 3), müssen viele Menschen sogar lebenswichtige Besitztümer verkaufen, um sich etwas zu essen leisten zu können. Hier sind 10-15% der Bevölkerung akut unterernährt. Es wird immer enger, und die Nahrungsmittelauswahl wird zunehmend eingeschränkt. Die Lage eskaliert in der vierten Phase, dem humanitären Notfall (IPC Phase 4). Hier erleben wir extreme Nahrungsmittelknappheit, und 15-30% der Menschen sind akut unterernährt – das ist eine echte Notlage.
Die fünfte Phase, die hungerähnlichen Zustände (IPC Phase 5), ist der Tiefpunkt. Vollständiger Mangel an Nahrungsmitteln und Grundbedürfnissen – das ist kein Zustand, den wir akzeptieren sollten. In dieser Phase sterben mindestens zwei von 10.000 Menschen an Hunger oder Krankheiten. Die Zahlen sind einfach schockierend: 44 Millionen Menschen weltweit stehen am Rande einer Hungersnot, ausgelöst durch Konflikte, Klimawandel, wirtschaftliche Instabilität und die Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie.
Konflikte als Hauptursache
Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass fast die Hälfte aller hungernden Menschen in nur sechs Ländern lebt: Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Nigeria, Sudan, Syrien und Jemen. Diese Länder sind nicht nur von Konflikten betroffen, sondern auch von extremen Klimaereignissen und wirtschaftlichen Schocks. Die humanitären Mittel und Entwicklungsfinanzierungen im Ernährungsbereich sind rückläufig. 2025 erreichten sie den niedrigsten Stand seit 2016/17 – eine düstere Prognose für die Zukunft. In den letzten Jahren haben sich die Fälle von Nahrungsmittelkatastrophen von 155.000 in zwei Ländern im Jahr 2016 auf 1,4 Millionen in sechs Ländern bis 2025 verneunfacht. Auch zwei Hungersnöte wurden 2025 in Gaza und im Sudan bestätigt.
Was bleibt uns also zu tun? Die WFP setzt Nahrungsmittelsoforthilfe ein, um Leben zu retten und langfristige Lösungen zur Verhinderung weiterer Notsituationen zu fördern. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, und wir müssen alle gemeinsam anpacken, um dieser Krise entgegenzuwirken. Denn letztendlich sind wir alle Teil dieser Welt und sollten uns nicht auf der Couch zurücklehnen, während andere hungern.