Heute ist der 11. Mai 2026 und die Luft in Genf ist erfüllt von einer besonderen Atmosphäre. Der World Jewish Congress (WJC) feiert sein 90-jähriges Bestehen – eine lange Reise voller Herausforderungen und triumphaler Momente. Von heute bis zum 12. Mai finden hier die Jubiläumsfeierlichkeiten statt, die vom WJC und dem Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) gemeinsam organisiert werden. Ein großer Anlass, der nicht nur die Vergangenheit ehrt, sondern auch einen Blick auf die drängenden Fragen der Gegenwart wirft.
Der WJC wurde 1936 gegründet und hat sich seitdem als Stimme der jüdischen Gemeinschaften aus über 100 Staaten etabliert. In einer Zeit, als Antisemitismus und Verfolgung an der Tagesordnung waren, war die Gründung des WJC ein mutiger Schritt, um jüdisches Leben zu schützen und zu fördern. Ralph Friedländer, Präsident des SIG und Vizepräsident des WJC, erinnerte in seiner Ansprache an die Bedeutung demokratischer Werte und die Notwendigkeit, jüdisches Leben zu schützen. Es ist ein Thema, das auch heute noch von brennender Aktualität ist. Die Konferenz behandelt aktuelle Herausforderungen, darunter zeitgenössischer Antisemitismus und die Sicherheit jüdischen Lebens. Hier wird deutlich, dass die Vergangenheit nicht einfach hinter uns liegt, sondern in die Gegenwart hineinwirkt.
Ein Zeichen der Hoffnung
Die Eröffnungsfeierlichkeiten sind geprägt von Emotionen. Bundespräsident Guy Parmelin ist gekommen, um die Bedeutung dieser Feierlichkeiten zu unterstreichen. Er spricht über die Notwendigkeit, alte Formen von Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Homophobie zu erkennen und zu bekämpfen. Ein kraftvolles Plädoyer, das nicht nur in den Hallen des Kongresses, sondern auch in den Herzen der Menschen nachklingt. Es ist ein Aufruf zur Solidarität und zur aktiven Teilnahme im Kampf gegen Hass und Vorurteile.
Besonders bewegend ist die Posthum-Verleihung des WJC Israel Resilience Award an die Familie von Ran Gvili. Seine Überreste wurden nach den schrecklichen Terrorangriffen vom 7. Oktober 2023 aus Gaza an Israel übergeben. Ein trauriges, aber wichtiges Zeichen, das die Realität von Verlust und Trauer in den Kontext des Kampfes gegen Antisemitismus stellt. Es zeigt, dass hinter den Zahlen und Statistiken echte Menschen stehen, die unter dem Hass leiden.
Gemeinsam gegen Antisemitismus
Parallel zu den Feierlichkeiten findet das „14th International Meeting of Special Envoys and Coordinators Combating Antisemitism (SECCA)“ statt. Hier kommen Experten zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen im Kampf gegen Antisemitismus auszutauschen. Unter den Teilnehmern sind auch die Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission, Katharina von Schnurbein, und der deutsche Antisemitismusbeauftragte Felix Klein. Ihre Präsenz verdeutlicht die Wichtigkeit internationaler Vernetzung und Zusammenarbeit – denn der Kampf gegen Antisemitismus ist nicht nur eine nationale Angelegenheit, sondern ein globales Anliegen.
Die Herausforderungen sind vielfältig und erfordern ein Umdenken. Die Konferenz in Genf ist ein Schritt in die richtige Richtung, um gemeinsame Strategien zu entwickeln und die Stimmen der jüdischen Gemeinschaft zu stärken. Es ist ein Moment der Hoffnung, der zeigt, dass trotz aller Widrigkeiten der Wille zur Veränderung stark bleibt.
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