Es gibt Veranstaltungen, die im Gedächtnis bleiben, und dann gibt es solche, die vielleicht etwas mehr Schwung benötigen. Die erste Berner Wirtschaftsnacht, die am 5. Juni stattfand, gehört – zumindest laut Bernhard Emch – eher zur zweiten Kategorie. Die Zahl der Besucher war, gelinde gesagt, überschaubar. Trotz der Tatsache, dass etwa 30 Unternehmen und Organisationen ihre Türen öffneten, blieb die Resonanz hinter den Erwartungen zurück. Emch, CEO der EMCH Aufzüge AG und Vorstandsmitglied der HIV-Sektion Bern, ist zwar der Meinung, dass die Veranstaltung kein Misserfolg war, doch die geringe Teilnahme gibt schon zu denken.

Mit der Wirtschaftsnacht wollte man den Bürgerinnen und Bürgern einen Einblick in die facettenreiche Welt der Produktion, des Gewerbes, der Technik und des Handwerks bieten. Aber komischerweise scheinen viele Leute nicht zu wissen, was in ihrer eigenen Umgebung produziert oder entwickelt wird. Emch stellt fest, dass der Begriff „Wirtschaft“ für viele Menschen mittlerweile abstrakt, fast schon negativ behaftet ist. Industrie- und Gewerbegebiete sind in der öffentlichen Wahrnehmung kaum präsent, was natürlich auch zu einem Mangel an Sichtbarkeit führt. „Vertrauen entsteht durch Begegnungen und Gespräche“, so Emch, und genau das wollte man mit dieser Veranstaltung erreichen.

Ein neuer Versuch

Die nächste Wirtschaftsnacht ist bereits in Planung und wird am 5. Juni 2026 stattfinden – diesmal in Bern und Ostermundigen. Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsverbänden HIV Sektion Bern, KMU Stadt Bern und „Die Berner Arbeitgeber“ organisiert. Der Stadtrat von Bern hat die Initiative ins Leben gerufen, um den Dialog zwischen Bevölkerung, Politik und Unternehmen zu stärken. Der Fokus liegt dabei auf einer vertieften Einsicht in Gewerbe und Industrie. Schülerinnen und Schüler profitieren zudem von speziellen Touren, die ihnen Orientierung für ihre Berufswahl bieten.

Die Wirtschaftsgebiete im Berner Nordosten und Ostermundigen stehen im Mittelpunkt – hier gibt es wichtige Standorte wie Galgenfeld, Wölflistrasse, Wankdorffeldstrasse und Milchstrasse. Rund 20 Unternehmen aus Ostermundigen und Bern werden sich vorstellen. Besucher können die Unternehmen ganz ohne Anmeldung entdecken, während für angemeldete Schulklassen geführte Touren angeboten werden. Der Eintritt zur Wirtschaftsnacht? Frei! Und Shuttlebusse werden die einzelnen Standorte verbinden, damit niemand verloren geht. Ein durchdachtes Konzept, das hoffentlich mehr Menschen anzieht.

Die Lehren aus der ersten Nacht

Emch betrachtet die erste Wirtschaftsnacht als einen Anfang, aus dem man lernen kann. Die Zukunft liegt in der Kommunikation – wie man solche Veranstaltungen besser aufbereitet und kommuniziert, damit sie auch die Menschen erreichen, die vielleicht gerade in der Nähe wohnen, aber nie einen Fuß in die Gewerbegebiete setzen. Für die nächste Ausgabe ist es vielleicht an der Zeit, die Wirtschaftsnacht in Stadtteilen wie Bümpliz, Bethlehem oder Ausserholligen durchzuführen. Dort könnte es vielleicht gelingen, die Menschen auf eine neue Art zu erreichen und ihnen zu zeigen, was in ihrer Nachbarschaft passiert.

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Die Fragen bleiben: Wie gelingt es, mehr Sichtbarkeit für die Wirtschaft zu schaffen und das Vertrauen in die lokale Industrie zu stärken? Es bleibt spannend, wie sich die nächste Wirtschaftsnacht entwickeln wird und ob sie den Dialog, den man sich erhofft, tatsächlich anstoßen kann. Wer weiß, vielleicht wird die zweite Auflage ein echtes Highlight für die Stadt – man darf gespannt sein!