Schatz der Schweizer Kunst: Friedrich Walthards vergessene Meisterwerke erstrahlen digital
Das Gotthelf Zentrum in Lützelflüh hat einen ganz besonderen Schatz ans Licht gebracht. Ein Folioband mit 88 Originalzeichnungen des Berner Kunstmalers Friedrich Walthard, der zwischen 1818 und 1870 lebte, erreicht nun die Öffentlichkeit. Diese Bilder, die zu den Romanen «Uli der Knecht» und «Uli der Pächter» gehören, wurden von Ursula und Oscar Kambly gespendet. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Geschichte in diesen Zeichnungen steckt.
Leider kann der Folioband aus konservatorischen Gründen nicht direkt eingesehen werden. Doch das Team um Zentrumsleiterin Katrin Marti, Grafiker Kurt Eichenberger und Beirats-Mitglied Heinrich Schütz hat sich etwas einfallen lassen: Sie haben die Zeichnungen digitalisiert. Jetzt können Interessierte sie auf Tablets durchblättern und erhalten gleichzeitig spannende Hintergrundinformationen über Walthards Leben und Werk. Handgeschriebene Auszüge aus Walthards Romanen wurden transkribiert und dienen als Bildlegenden – eine perfekte Möglichkeit, um tiefer in die Materie einzutauchen.
Ein Blick in die Biografie von Friedrich Walthard
Friedrich Walthard, geboren am 4. September 1818 in Bern, hatte eine bewegte Kindheit. Er verlor früh seine Eltern und verbrachte mehrere Jahre im Waisenhaus. Bereits in jungen Jahren zeigte er ein bemerkenswertes zeichnerisches Talent, das ihn schließlich zur Kunst führte. Nach dem Gymnasium studierte er Theologie und Jurisprudenz, doch das hielt ihn nicht davon ab, in die Kunst einzutauchen. Unterstützt von der Zunft zu Zimmerleuten, startete er eine künstlerische Laufbahn und reiste 1842 mit einem Stipendium nach Paris – eine Reise, die seine Karriere entscheidend prägen sollte.
Er arbeitete als umherziehender Portrait- und Genremaler, und es ist fast unglaublich, wie viele Städte er besucht hat: München, Chur und Burgdorf. In Bern konnte er jedoch nicht Fuß fassen, da die aufkommende Daguerreotypie die traditionelle Portrait-Malerei in den Schatten stellte. Leider plagten ihn auch Depressionen, die schließlich zu seinem Aufenthalt in der Irrenanstalt Waldau führten. Ironischerweise fand er dort die Freiheit, kreativ zu sein und schuf zahlreiche Werke, die bis heute geschätzt werden.
Die digitale Welt der Literatur
Die Digitalisierung ist nicht nur bei Walthard ein Thema. Auch die Werke von Jeremias Gotthelf, dem Pseudonym von Albert Bitzius, werden seit Mai 2025 im Rahmen des SNF-Projekts «Digitale historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke und Briefe Jeremias Gotthelf» online frei zugänglich gemacht. Ziel ist es, Lehrpersonen, Studierenden und Literatur-Interessierten einen einfachen Zugriff auf diese bedeutenden Werke zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern (HKB) bringt frischen Wind in die Welt der Literatur und macht Gotthelfs Geschichten für alle zugänglich.
Das bekannteste Werk, «Uli der Knecht», erzählt von einem Mann, der sich vom Alkoholiker zum gläubigen Bauern wandelt. Diese Geschichte hat durch eine Verfilmung in den 1950er-Jahren große Bekanntheit erlangt und ist bis heute ein Stück Schweizer Kulturgeschichte. Die Erlebnisse von Gotthelf, der das Leben im 18. Jahrhundert im Emmental thematisiert, sind nicht nur regional, sondern mittlerweile Teil der Weltliteratur.
Forschung und Erhalt der Kulturgüter
Hinter all diesen digitalen Projekten steckt eine Menge Arbeit. Das Forschungsprojekt zur digitalen Edition von Gotthelfs Werken hat sich über mehrere Jahre erstreckt und wird von einer Vielzahl von Institutionen unterstützt, darunter die Burgerbibliothek und das Staatsarchiv des Kantons Bern. Die Projektmitarbeitenden haben die Herausforderung angenommen, Daten zu modellieren, zu visualisieren und langfristig zu speichern. Es ist faszinierend zu sehen, wie viel Herzblut in der Erhaltung von Kulturgütern steckt!
Die Verknüpfung zwischen Walthards Kunst und Gotthelfs Literatur zeigt, wie tief verwurzelt die schweizerische Kultur in der Geschichte ist. Die Digitalisierung ist dabei nicht nur ein technisches Unterfangen, sondern ein Weg, um diese wertvollen Schätze lebendig zu halten und zukünftigen Generationen zugänglich zu machen.
