Luchs auf Wanderschaft: Ein faszinierendes Schauspiel der Natur
Ein ganz normaler Sommerabend, könnte man denken. Michèle und Christian Schmutz jedoch hatten das Glück, etwas Außergewöhnliches zu erleben. Auf dem Dentenberg beobachteten sie einen Luchs, der einem Fuchs nachstellte. Es war eine Szene, die die beiden in ihren Bann zog – sie hielten an, fasziniert von dem Anblick, und hielten das Geschehen für etwa zehn Minuten fest. Der Luchs näherte sich ihnen, während im Hintergrund das Bellen des Fuchses zu hören war. Ein eindrucksvolles Schauspiel der Natur! Die beiden schnappte einige Fotos und Videos – ein Moment, den sie gewiss nicht so schnell vergessen werden.
Marianne Bürki, die sich im Bernbiet mit Wildtier-Touren einen Namen gemacht hat, bestätigte die Sichtung. „Luchse sind einfach anders als Füchse“, erklärt sie. Neugierig und oft heimlich beobachtend, haben sie eine ganz eigene Art, sich in ihrer Umgebung zu bewegen. Das lässt sich leicht mit den Füchsen vergleichen, die eher scheu agieren. Bürki hat sogar Luchse mithilfe von Fotofallen im Worblental eingefangen – eine spannende Methode, um mehr über diese geheimnisvollen Tiere zu erfahren.
Der Weg des Luchses
Wusstet ihr, dass Luchse ein Revier von bis zu 300 Quadratkilometern durchstreifen? Das macht sie zu wahren Wanderern in der Natur. Es wäre also durchaus möglich, dass der Luchs vom Dentenberg am nächsten Tag in der Nähe von Krauchthal oder Lützelflüh gesichtet wurde. In der darauffolgenden Nacht sahen Michèle und Christian an derselben Stelle – einen Hirsch! Aber den Luchs? Fehlanzeige. Ein bisschen schade, aber das Wildleben ist nun mal unberechenbar.
Ein Blick in die Vergangenheit: Im 19. Jahrhundert war der Luchs in der Schweiz ausgerottet. Heute stammen alle Luchse von etwa 20 Gründertieren ab, die in den 1970er-Jahren wieder in die Schweiz umgesiedelt wurden. Aktuell schätzt die Stiftung KORA, die sich intensiv mit der Rückkehr großer Raubtiere beschäftigt, dass etwa 343 Luchse in der Schweiz leben – 261 in den Alpen und 81 im Jura.
Rückkehr der Raubtiere und ihre Bedeutung
KORA, mit Sitz in Ittigen, widmet sich der Raubtierökologie und dem Wildtiermanagement. Die Rückkehr von großen Raubtieren wie Luchs, Wolf und Bär ist nicht nur ein spannendes Naturereignis, sondern auch Teil eines größeren Plans: Die Rettung einheimischer Wildtiere. Im 19. Jahrhundert waren diese Tiere aufgrund von Übernutzung und Lebensraumverlust stark gefährdet. Jetzt, in einer vom Menschen dominierten Landschaft, müssen sie lernen, coexistent mit uns zu leben.
Das Besondere an KORA ist ihr ganzheitlicher Ansatz. Sie forschen nicht nur zur Lebensweise von Raubtieren, sondern überwachen auch deren Populationen. Das Bundesamt für Umwelt beauftragt KORA mit dem Monitoring von Luchs, Wolf und Braunbär. Ihre Arbeit ist wichtig, um langfristige Lösungen für ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Tier zu finden. Dabei setzen sie auch auf einen Citizen-Science-Ansatz. Bürger können Beobachtungen von Raubtierarten melden – eine tolle Möglichkeit, sich aktiv an der Natur zu beteiligen!
Die Herausforderungen sind groß, besonders in einer Landschaft mit unterschiedlichen Nutzeransprüchen. Doch mit einem klaren Ziel vor Augen – der Erhalt der Raubtiere und deren Lebensräume – geht KORA einen Schritt nach dem anderen in die richtige Richtung. Und vielleicht sehen wir bald mehr solcher faszinierenden Begegnungen zwischen Mensch und Tier in unseren Wäldern. Ein Luchs auf Wanderschaft – das ist ein Zeichen dafür, dass die Natur sich zurückkämpft.
