Die Kornhausbrücke in Bern steht wieder im Fokus. Der Gemeinderat hat Verständnis für einen links-grünen Vorstoss aus 2023, der die Sperrung der Brücke für Autos fordert. Ein Pilotversuch soll klären, wie sich eine solche Maßnahme auf den motorisierten Individualverkehr (MIV) auswirkt. Stadträtin Nora Joos und Michael Ruefer haben den Vorstoss ins Leben gerufen, weil sie die Unfälle mit Radfahrenden auf der Brücke als ernstzunehmendes Problem ansehen. Man fragt sich, wie viele Radler sich schon in brenzligen Situationen wiedergefunden haben – so eine Brücke kann schon mal zum Schreckgespenst werden.
Die Situation ist besonders brisant, denn die Kornhausbrücke war 2025 fast das ganze Jahr wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Während dieser Zeit konnte man beobachten, dass die Verkehrssituation sich überraschend entspannt hat. Das hat der Gemeinderat jetzt aufgegriffen und beantragt eine Fristverlängerung für die Behandlung des Vorstosses bis Ende Oktober. Es wird auch auf einen Bericht der Regionalkonferenz Bern-Mittelland verwiesen, der die Auswirkungen einer vollständigen Sperrung untersucht hat. Fazit: Keine problematischen Verkehrsverlagerungen, aber eine Zunahme des Verkehrs zum Nordring und eine stärkere Belastung des Knotens am Bollwerk. Irgendwie bleibt die Frage, ob das wirklich der Weg ist, den wir einschlagen wollen.
Sanierungsarbeiten und deren Folgen
Was die Sanierungsarbeiten betrifft, die von Februar bis November 2025 stattfinden, so wird die Brücke nicht nur für den motorisierten Verkehr, sondern auch für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Fußgänger und Velofahrer werden dennoch Zugang erhalten, müssen jedoch teilweise schieben – was für die Radler unter uns sicher eine Herausforderung darstellt! Ein denkmalgeschütztes Bauwerk aus dem späten 19. Jahrhundert, 125 Jahre alt – da ist Sanierungsbedarf mehr als nur ein Schlagwort. Die letzte große Instandsetzung fand 1997/98 statt, und jetzt wird es höchste Zeit für umfassende Arbeiten, die bis 2028 andauern könnten. Ober- und Unterbau, Tramgleise und sogar die Beleuchtung sollen erneuert werden. Für die Umwelt wird auf LED-Technik umgestellt, was zwar gut klingt, aber auch nicht ohne Lärm und Staub vonstattengeht – vor allem für die Anwohner.
Während der Bauarbeiten wird es Umleitungen für PKW und Motorräder über die Lorraine- und Nydeggbrücke geben. Und auch im Tramverkehr wird es zu Unterbrechungen kommen, Ersatzbusse sollen dann die Betroffenen mitnehmen. Die Bauarbeiten finden an sechs Tagen in der Woche statt, auch nachts. Die Anwohner werden im Voraus informiert, was sicher nicht immer die beste Nachricht ist. Wer hat schon Spaß an nächtlichem Baulärm?
Nachhaltige Stadtentwicklung im Blick
Die Diskussion um die Kornhausbrücke ist nicht nur eine lokale Angelegenheit, sondern spiegelt auch größere Trends in der Stadtplanung wider. Die Entwicklung von Quartieren mit vielfältiger Nutzungsmischung und einer fuß- und radverkehrsfreundlichen Struktur hat sich als wirksam erwiesen, um den Verkehr zu reduzieren. Die Charta von Athen, die städtische Funktionen trennt, gerät zunehmend in die Kritik. Es zeigt sich, dass die „autogerechte Stadt“ aus den 1960er Jahren uns in eine Sackgasse geführt hat – mit immer mehr Verkehr, Luftverschmutzung und Lärmbelastung als Folge.
Dank neuer Leitbilder für nachhaltige Stadtentwicklung gibt es Bestrebungen, die Situation zu verbessern. Konzepte wie die „Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“ von 2007 oder die „Neue Leipzig-Charta“ von 2020 setzen auf eine kompakte Stadtentwicklung, die Flächenversiegelung und Zersiedlung verringern soll. Das alles zielt darauf ab, die Qualität des öffentlichen Raums zu steigern. Weniger Autoverkehr, mehr Fuß- und Radverkehr – und das alles gut verknüpft mit einem öffentlichen Nahverkehr, der funktioniert, ist das Ziel.
So bleibt die Kornhausbrücke nicht nur ein technisches, sondern auch ein gesellschaftliches Projekt, das uns alle betrifft. Man darf gespannt sein, wie die Pläne des Gemeinderats und die anschließenden Pilotversuche verlaufen werden. Denn am Ende geht es um mehr als nur Verkehr – es geht um Lebensqualität in unserer Stadt.