In der malerischen Gemeinde Kandersteg im Kanton Bern bahnt sich ein hitziger Streit an. Ab 2028 soll dort eine Asylunterkunft für bis zu 200 geflüchtete Personen entstehen. Doch die Gemüter der Einheimischen kochen über. Gemeindepräsident René Maeder zeigt sich besorgt über die geplante Unterbringung, die in einem stark sanierungsbedürftigen Gebäude, einem ehemaligen Internat, realisiert werden soll. Mit einer Bevölkerung von etwa 1300 Menschen ist Kandersteg zwar klein, aber durch den Tourismus gut ausgelastet – und viele Anwohner fürchten, dass die Asylunterkunft eine erhebliche Belastung für die Berggemeinde darstellt.

Eine Online-Petition, initiiert von der SVP unter der Leitung von Nationalrat Thomas Knutti, hat bereits über 1200 Unterschriften gesammelt. Der Slogan der Petition „Bern hat Ja gesagt – Bern soll Platz schaffen“ bringt es auf den Punkt: Die Initiatoren fordern, dass die Unterbringung von Asylsuchenden besser in der Stadt Bern organisiert wird. Sie argumentieren, dass Kandersteg nicht in der Lage sei, die Dimensionen der geplanten Unterkunft zu verkraften. Auch Maeder hat die Petition unterschrieben und plädiert für eine Reduzierung der Anzahl der geflüchteten Personen, insbesondere aufgrund des Mangels an bezahlbarem Wohnraum.

Widerstand aus der Bevölkerung

Die Wut in Kandersteg ist spürbar. Viele Anwohner befürchten, dass die neue Unterkunft nicht nur Wohnraum wegnimmt, sondern auch Sicherheitsrisiken mit sich bringt. Die Petition warnt vor einer möglichen Wohnungsnot für Einheimische und hat bereits über 300 Unterschriften von 887 Stimmberechtigten erhalten. Die Umwandlung von Wohnungen in Airbnbs verstärkt die Bedenken und lässt die Frage aufwerfen, wo die Einheimischen in Zukunft wohnen sollen. Maeder weist darauf hin, dass das Gebäude für 60 Personen gedacht war und seit mindestens zehn Jahren unbewohnt ist – ein desolater Zustand, der auch Evakuierungsprobleme bei einem Bergsturz aufwerfen könnte.

Die Gemeinde ist jedoch nicht grundsätzlich gegen Asylsuchende eingestellt. Vielmehr steht die Dimension der Unterkunft zur Debatte. Der Kanton Bern erklärt, dass Kollektivunterkünfte in geeigneten Gebäuden wie ehemaligen Spitälern oder Internaten notwendig seien, da die Mietangebote rar sind. Zudem ist Kandersteg gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, was für die Integration der geflüchteten Personen von Vorteil sein könnte.

Runder Tisch und Informationsanlass

Um die Situation zu klären, plant der Kanton, alle involvierten Parteien zu einem runden Tisch einzuladen. Dies könnte eine Möglichkeit sein, um Missverständnisse auszuräumen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. In der kommenden Woche wird die Petition offiziell an die Gemeinde überreicht, gefolgt von einem Informationsanlass zur geplanten Kollektivunterkunft. Ob dieser Dialog die Wogen glätten kann? Das bleibt abzuwarten.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Es ist ein Thema, das nicht nur Kandersteg betrifft. Ähnliche Diskussionen finden in anderen Regionen der Schweiz statt, wo Gemeinden sich gegen neue Asylunterkünfte wehren. Die Sorgen um Sicherheit, Wohnraum und Integration sind überall präsent. Wie die Verantwortlichen in Kandersteg schließlich entscheiden werden, bleibt abzuwarten.