In der malerischen Altstadt von Bern, wo die gepflasterten Straßen Geschichten aus Jahrhunderten erzählen, brodelt es ordentlich. Die FDP-Stadträtin Simone Richner hat eine Motion eingereicht, die die Regeln für Außenwerbung, insbesondere für die kleinen Läden in der Altstadt, neu regeln soll. Die Stadt hat beschlossen, dass Laden-Werbung auf Trottoirs und unter Lauben nur noch in Ausnahmefällen erlaubt ist. Das sorgt natürlich für ordentlich Wirbel unter den Ladenbesitzern, die oft in schwer einsehbaren Kellern oder Höfen sitzen und auf auffällige Werbung angewiesen sind, um die Passanten anzulocken.

Erst kürzlich hat Alain Zingg, der Betreiber des Herrenmode-Geschäfts «Kleiderschrank», seinen Unmut über die neuen Vorschriften in den sozialen Medien kundgetan. Die neuen Regeln verbieten mobile Hosenständer und Kordeln am Geschäftseingang – für viele kleine Geschäfte ein echtes Problem. Die Altstadt mag zwar charmant sein, aber sie ist auch knifflig, wenn man als kleiner Laden nicht gesehen wird. Richner selbst hat betont, dass es nicht um mehr Regeln geht, sondern um eine pragmatische Umsetzung, die den besonderen Gegebenheiten der Altstadt Rechnung trägt.

Ein Aufruf zur Anpassung

Die Motion von Richner zielt darauf ab, das Vollzugskonzept für Geschäftsauslagen zu überarbeiten, und zwar speziell für Keller-, Hof- und Obergeschossgeschäfte. Sie fordert, die strikte Begrenzung von 50×50 Zentimetern für Werbeaufsteller aufzuheben, sofern die Platzverhältnisse und die Sicherheit es erlauben. Die Stadt begründet ihr Vorgehen mit der Notwendigkeit der Barrierefreiheit auf Trottoirs. Aber was ist mit den kleinen Läden, die dringend auf Werbung angewiesen sind? Richner kritisiert die starre Anwendung der Vorschriften und plädiert für individuelle Lösungen – eine Art Maßanzug für jeden Standort.

Eine interessante Perspektive bringt die Untersuchung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) aus Österreich ins Spiel. Begegnungszonen, wie sie in vielen Städten existieren, verbessern das Verhalten von Verkehrsteilnehmern und die Aufenthaltsqualität. Fußgänger haben Vorrang, während Fahrzeuge sich unterordnen müssen. Das sorgt für mehr Sicherheit und weniger Konflikte. In der Schweiz sind solche Konzepte weit verbreitet, während sie in Deutschland kaum zu finden sind. Hier sind oft nur Fußgängerzonen oder stark regulierte Verkehrsberuhigungsbereiche anzutreffen.

Lebendige Fußgängerzonen

Fußgängerzonen gewinnen zunehmend an Bedeutung für das Stadtleben. Sie sind nicht nur autofreie Zonen, sondern fördern auch ein soziales Miteinander. Die breite, barrierearme Wege, die oft mit viel Grün und guter Beleuchtung ausgestattet sind, laden zum Verweilen ein. Das verbessert nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern auch die Verkaufsflächen für die Geschäfte. Klar, dass das auch für die kleinen Altstadtläden von Bedeutung ist! Die Gestaltung dieser Zonen erfordert jedoch eine ganzheitliche Planung, die Stadtentwicklung, Verkehrssteuerung und Bürgerbeteiligung umfasst. Nur so kann ein attraktives Umfeld für alle geschaffen werden.

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Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen. Parkplatzmangel und wirtschaftliche Belastungen für die Anlieger sind ständige Begleiter. Aber mit kooperativen Parkraummanagementmodellen und klaren Lieferfenstern könnte hier Abhilfe geschaffen werden. Die Zukunft gehört den lebendigen, grünen Städten – und die Altstadt von Bern könnte ein leuchtendes Beispiel dafür sein, wie man Tradition und Innovation miteinander verbindet.