Die Straßen der Schweiz sind voll von Radfahrern, die sich oft wie Könige der Straße fühlen. Doch die Realität ist nicht immer so glorreich. In den letzten zehn Jahren gab es hierzulande sage und schreibe 32’600 Velounfälle mit Verletzungen. Da fragt man sich schon: Ist es wirklich so klug, den Drahtesel zu schwingen, wenn die Zahlen so alarmierend sind? 7900 Personen haben sich dabei schwer verletzt, und 233 Unfälle endeten tödlich. Ein erschreckendes Bild, das uns alle betrifft – ob Radfahrer oder Fußgänger.

Es scheint, als ob viele Velofahrer die Verkehrsregeln eher als Empfehlungen betrachten. Ein Drittel der Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmenden wird von ihnen verursacht. Und das ist nicht nur ein Problem für die Autofahrer. In der Hälfte der schweren Unfälle sind keine anderen Verkehrsteilnehmenden beteiligt. Ein bisschen wie im Wilden Westen, wo jeder für sich selbst sorgt. Delphine Klopfenstein Broggini, Präsidentin von «Pro Velo Schweiz», hat da so ihre Zweifel, ob die Missachtung von Regeln wirklich immer zu Unfällen führt. Sie spricht auch von Infrastrukturproblemen, die als mögliche Unfallursache ins Spiel kommen. Und da hat sie einen Punkt: Wenn die Straßen nicht sicher gestaltet sind, ist das für alle Beteiligten ein Risiko.

Schutz und Sicherheit für alle

Mobilitätsexperte Thomas Hug-Di Lena bringt es auf den Punkt: Velofahrer sind durch fehlenden Schutz gefährdet. Und das, obwohl die Anzahl der Radfahrer stetig steigt, was natürlich auch die Unfallzahlen nach oben treibt. In Ländern wie den Niederlanden oder Dänemark hat man jedoch gezeigt, dass eine bessere Infrastruktur die Unfallrate trotz hohem Veloanteil senken kann. Das wäre doch auch ein Ansatz für die Schweiz, oder?

Ein Führerschein für Velofahrer? Ja, das wird als eine Art Lösung diskutiert. Aber viele Radler besitzen bereits einen Autoführerschein, was die Idee eher kontraproduktiv erscheinen lässt. Stattdessen wird eine Veloausbildung in Schulen gefordert – eine praktische Schulung könnte den jungen Radfahrern helfen, sicherer im Straßenverkehr zu agieren. Klopfenstein Broggini möchte darüber hinaus die Ahndung von Ablenkungen im Verkehr verstärken und die Höchstgeschwindigkeiten in Siedlungen senken. Ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man bedenkt, wie oft man abgelenkt ist, sei es durch das Handy oder die lässige Musik in den Ohren.

Übrigens, Radfahrer haben’s nicht leicht. Sie können Bußgelder und Punkte kassieren, und das sogar für Alkohol am Steuer – ab 0,3 Promille kann’s schon strafbar werden. Das ist nicht nur für Autofahrer wichtig, sondern auch für Radler, die, ganz ehrlich, oft die Grenzen überschreiten. Am Zebrastreifen haben sie übrigens keinen Vorrang, was immer wieder zu gefährlichen Situationen führt. Und während Kinder bis 8 Jahre den Gehweg benutzen müssen, dürfen sie bis 10 Jahre dort fahren, wenn’s die Umstände zulassen. Aber wie oft sieht man das in der Realität?

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Ein Blick über die Grenzen

<pIm Jahr 2024 starben in Deutschland 441 Radfahrer im Straßenverkehr, was 33 weniger als im Vorjahr war. Dennoch zeigt der Vergleich zu den letzten zehn Jahren einen Anstieg. Jedes sechste Todesopfer war mit dem Fahrrad unterwegs. Und die Statistik zeigt, dass 70,7 Prozent der Fahrradunfälle mit Personenschaden Kollisionen mit Autos waren. Autofahrer tragen in 75,3 Prozent der Fälle die Hauptschuld, was uns zu denken geben sollte. Besonders gefährdet sind Menschen ab 65 Jahren – bei den tödlich verunglückten Radfahrern gehörten fast zwei Drittel dieser Altersgruppe an. Das ist alarmierend und zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur für die Jüngeren, sondern auch für die älteren Radler Sicherheit im Verkehr zu schaffen.

Die Frage bleibt: Was kann man tun, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen? Bessere Infrastruktur, mehr Ausbildung und Sensibilisierung für alle Verkehrsteilnehmenden sind wohl der Schlüssel. Auch wenn es manchmal scheint, als würden wir im Verkehr einem unsichtbaren Drachen gegenüberstehen, sind wir alle Teil dieser Gesellschaft und müssen aufeinander achten. Denn letztlich wollen wir alle nur sicher von A nach B kommen – egal ob mit dem Auto, dem Velo oder zu Fuß.