Heute, am 19. Juli 2026, jährt sich ein bedeutender Meilenstein in der Drogenpolitik der Schweiz: Vor 40 Jahren wurde in Bern das erste Drogenkonsumraum der Welt, das sogenannte «Fixerstübli», eröffnet. Die CONTACT Stiftung für Suchthilfe hat damit einen mutigen Schritt gewagt, der nicht nur die Stadt Bern, sondern auch die internationale Drogenpolitik nachhaltig geprägt hat.

Bubi Rufener, der die Anlaufstelle seit über 30 Jahren leitet, erzählt mit einem gewissen Stolz von der Anfänglichkeit der Initiative. In einer Zeit, als die Sicht auf Drogenabhängige von Stigmatisierung und Angst geprägt war, entstand hier ein Ort, wo Menschen, die von Drogen abhängig sind, die Möglichkeit hatten, unter hygienischen Bedingungen zu konsumieren und gleichzeitig soziale Unterstützung zu erhalten. Die Eröffnung war eine Antwort auf die offenen Drogenszenen in Bern und Zürich, die die Stadtverwaltung und die CONTACT Stiftung zum Handeln bewegten.

Das Modell der Schadensminderung

Das Konzept hinter dem «Fixerstübli» basiert auf dem Prinzip der Schadensminderung. Diese Idee hat international Beachtung gefunden und wurde in viele andere Länder übernommen. Das «Fixerstübli» bietet nicht nur einen geschützten Raum für den Konsum, sondern auch verschiedene Dienstleistungen wie hygienische Konsumräume, sauberes Konsummaterial, soziale Beratung und sogar Freizeitaktivitäten. Hier finden viele Betroffene einen Weg zurück in die Gesellschaft – sei es durch Therapie oder durch Unterstützung beim Einstieg in die Arbeitswelt. Und nicht zu vergessen: Die Zahl der Drogentoten im öffentlichen Raum ist erfreulicherweise gesunken.

Die Kritik, die anfangs von politischen Seiten und der Polizei laut wurde, ist heute weitgehend verstummt. Der pragmatische Ansatz, der in Bern verfolgt wurde, hat sich als erfolgreich erwiesen. Es war ein mutiger Schritt in eine Richtung, die nicht mehr nur auf Abstinenz abzielte, sondern das Ziel hatte, Drogenkonsum und seine negativen Folgen für die Gesellschaft zu vermindern. Der Ansatz wurde nicht nur in Bern, sondern in der gesamten Schweiz durch das vier Säulen-Modell der Drogenpolitik gefestigt, das Prävention, Beratung und Therapie, Schadensminderung sowie Regulierung umfasst.

Ein Blick in die Zukunft

Laut Rufener wünscht sich die CONTACT Stiftung eine optimierte Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie, Suchtarbeit und Polizei. Dies könnte dazu beitragen, noch mehr Menschen zu helfen. Zudem wird eine kontrollierte Abgabe von Kokain an Schwerstabhängige als eine mögliche Maßnahme diskutiert. Das vier Säulen-Modell, das ursprünglich als Antwort auf die Drogenprobleme mit Opioiden entwickelt wurde, hat sich weiterentwickelt und wird nun auch auf andere Suchtformen angewendet. Es ist, als würde man einen Würfel drehen – jede Seite hat ihre eigene Herausforderung, aber alle zusammen ergeben sie ein Bild, das von Ausgewogenheit und Zusammenwirken geprägt ist.

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Die Entwicklung der Drogenpolitik in der Schweiz ist ein spannendes Kapitel, das im Jahr 1991 mit dem ersten Maßnahmenpaket seinen Anfang nahm. Der Fokus hat sich seither gewandelt: weg von einem einseitigen Abstinenzansatz hin zu einem ganzheitlichen Verständnis von Sucht. Diese fortschrittliche Denkweise, die nicht nur in den Maßnahmenpaketen II und III, sondern auch in der Nationalen Strategie Sucht (2017-2024) weiterverfolgt wird, hat nicht nur in der Schweiz, sondern auch international Nachahmung gefunden. Man fragt sich, was die nächsten Schritte sein könnten – und wie viel weiter die Schweiz in ihrer Drogenpolitik noch gehen kann.