Es ist ein düsteres Kapitel in der Geschichte Basels, das bald vor Gericht gebracht wird. Am Montag, dem 1. Juni 2026, beginnt der Prozess gegen 14 Männer, die im April 2022 ein türkisches Kinderfest angegriffen haben. Dieses Fest, das in der Türkei als offizieller Feiertag gefeiert wird und an die Eröffnung der Nationalversammlung am 23. April 1920 erinnert, sollte in Basel ein Ort der Freude sein. Doch das, was sich am 8. April 2022 ereignete, war alles andere als festlich.
Rund 40 Personen, die aus verschiedenen Städten der Schweiz wie Zürich und St. Gallen angereist waren, überwältigten die Absperrgitter des Festes. Sie skandierten Drohungen wie „Unsere Kinder sterben. Dann sollen eure auch sterben“ und attackierten die Festbesucher mit Fäusten, Füßen und sogar mit Pfannendeckeln und Glasflaschen. Die Gewalt dauerte etwa 20 Minuten – eine Zeitspanne, die für die anwesenden Familien, darunter auch viele Kinder, zu einem Albtraum wurde. Einige Verletzte mussten ins Krankenhaus gebracht werden, und es gab Berichte über Brüche und Kopfverletzungen.
Der Kontext des Angriffs
Ein nationaler Kongress der kurdischen Demokratischen Gesellschaft Schweiz (CDK-S) fand am selben Tag in Geralfingen statt. Berichten zufolge beschlossen die Anwesenden, das Kinderfest in Basel zu sabotieren. Die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) wurde während des Angriffs ebenfalls erwähnt, als die Angreifer Parolen skandierten. Es ist ein beunruhigendes Bild, das sich hier abzeichnet: ein Konflikt zwischen Kurden und Türken, der in Gewalt umschlägt. Die Basler Politik hat bereits reagiert und geäußert, dass die Polizei an diesem Tag präsenter hätte sein müssen. In der Vergangenheit gab es bei diesem Fest keine Störungen.
Die Basler Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die 14 mutmaßlichen Angreifer erhoben, deren Alter zwischen 22 und 40 Jahren liegt. Sie müssen sich wegen Landfriedensbruchs, Angriffs, Körperverletzung und versuchter schwerer Körperverletzung verantworten. Fünf der Angreifer wurden Stunden nach dem Vorfall verhaftet, während andere in sechs Kantonen gesucht wurden. Einige konnten bis heute nicht identifiziert werden, was die Ermittlungen zusätzlich erschwert.
Reaktionen und Einordnungen
Das türkische Außenministerium bezeichnete den Angriff als eine Aktion von einer Terrororganisation und drängt auf eine gründliche Aufklärung. Die Demokratische Gesellschaft der Kurd*innen in der Schweiz distanzierte sich von den Gewalttaten und betonte, dass sie nichts mit den Geschehnissen zu tun haben. Basel, als wichtiges Zentrum der kurdischen Diaspora in der Schweiz, wird durch solche Vorfälle vor besondere Herausforderungen gestellt. Es ist ein schmaler Grat zwischen kultureller Identität und politischem Konflikt, der hier deutlich wird.
Der Prozess wird auf achteinhalb Tage angesetzt, und bis dahin gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung. Aber in der Stadt und darüber hinaus bleibt die Frage, wie solche Gewaltakte in einer vermeintlich so kulturell vielfältigen Gesellschaft entstehen können. Die Erinnerungen an den schockierenden Vorfall vom April 2022 werden noch lange nachhallen.