In Appenzell Innerrhoden hat man die Notbremse gezogen: Ein sofortiges Verbot zur Wasserentnahme aus allen Bächen und Flüssen wurde erlassen. Das betrifft nicht nur die Freizeitangler, sondern auch die Landwirtschaft, die dringend auf Wasser angewiesen ist. Die Gründe für diesen drastischen Schritt sind vielfältig, und sie stehen in direktem Zusammenhang mit den aktuellen klimatischen Bedingungen, die unseren schönen Kanton hart treffen.

Der akute Wassermangel ist die Hauptursache für das Verbot. Auch wenn wir in der letzten Woche ein paar Tropfen Regen hatten, reicht das bei Weitem nicht aus. Die Wasserstände in unseren Bächen und Flüssen sind weiter gesunken. Besonders betroffen ist die Sitter und ihre Zuflüsse. Die Bundesmessstelle hat einen kritischen Abfluss von unter 0,55 Kubikmetern pro Sekunde registriert. Das sind alarmierende Werte! Hohe Lufttemperaturen heizen die Gewässer zusätzlich auf, was die Situation noch verschärft.

Die Gefahren für die Fischbestände

Die Kombination aus niedrigem Wasserstand und hohen Temperaturen ist besonders bedrohlich für unsere heimischen Fische. Die Wassertemperatur der Sitter betrug am Freitagmorgen 12,7 Grad – das klingt erträglich, aber die Werte kletterten in den letzten Tagen bis auf 24,8 Grad. Ab 20 Grad wird es für die Bachforelle kritisch, und ab 25 Grad wird es wirklich gefährlich für sie. Um die Fischbestände zu schützen, hat das Amt für Jagd und Fischerei bereits Notabfischungen in kleinen Bächen durchgeführt und die Fische in die Sitter umgesiedelt. Heike Summer, die Leiterin des kantonalen Amts für Umwelt, hat betont, dass die Sitter momentan genug Wasser hat, um den Fischen Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Ein kleiner Lichtblick in dieser angespannten Lage.

Das Verbot gilt bis auf Widerruf und schließt alle Wasserentnahmen mit Pumpen, Leitungen oder mobilen Aggregaten aus. Das betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch gewerbliche und industrielle Wasserentnahmen. Ausnahmen gibt es, beispielsweise für die Feuerwehr, die Wasser für Brandbekämpfung entnehmen darf, und für das manuelle Befüllen von mobilen Viehtränken, um das Tierwohl zu sichern. Es ist ein schmaler Grat, den wir hier gehen – zwischen den Bedürfnissen der Menschen und dem Schutz unserer wertvollen Gewässer.

Klimawandel und Wasserknappheit

Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt, dass trockene Sommer in der Schweiz zunehmen. Besonders die Jahre 2015, 2018, 2022 und 2023 waren geprägt von wenig Schnee im Winter und extrem trockenen Bedingungen im Sommer. Die hydrologischen Szenarien zeigen ein steigendes Risiko für Wasserknappheit in den kommenden Jahrzehnten. Es wird also nicht einfacher! Der Klimawandel hat uns fest im Griff, und die Auswirkungen sind nicht nur lokal spürbar, sondern betreffen die gesamte Schweiz.

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Die Wasserrahmenrichtlinie, die 2000 in Kraft trat, hat zwar dazu geführt, dass flussgebietsbezogene Bewirtschaftungspläne erstellt wurden, doch viele politische Vorstöße für eine nationale Wasserstrategie fanden keine Mehrheit. Die Kantone sind verantwortlich für ihre Wasservorkommen, während der Bund für die haushälterische Nutzung sorgt. Es ist ein kompliziertes Zusammenspiel, das immer wieder auf die Probe gestellt wird. Nach dem trockenen Sommer 2018 haben viele Kantone reagiert und ihre Wasserstrategien überarbeitet. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber die Herausforderungen bleiben enorm.

Ökologisch intakte Gewässer sind nicht nur für die Fischbestände wichtig, sie sind auch entscheidend für die Resilienz gegenüber dem Klimawandel. Maßnahmen zur Revitalisierung von Gewässern und zur Wiedervernässung von Feuchtgebieten sind essentiell. Wenn wir die Wasserressourcen nachhaltig managen wollen, müssen wir jetzt handeln. Die Zeit drängt, und die aktuellen Entwicklungen im Kanton Appenzell Innerrhoden sind nur ein Teil eines viel größeren Puzzles.