Die Sonne brennt gnadenlos auf die Ostschweiz herab und mit ihr steigt die Wassertemperatur in den Flüssen auf alarmierende Werte. In diesem Sommer sind Hunderte Fische verendet, und die Situation ist ernst. Flüsse wie die Thur bei Niederbüren haben Wassertemperaturen von über 28 Grad erreicht, was für die Bewohner der Gewässer eine Katastrophe darstellt. Hohe Temperaturen führen zu Sauerstoffmangel, und viele kleine Bäche sind bereits ausgetrocknet. Das ist eine Realität, die wir nicht ignorieren können. Mehr als 1’000 Fische wurden bisher in einem verzweifelten Versuch gerettet, doch die genauen Zahlen werden erst im Herbst zu verzeichnen sein.

In Zusammenarbeit mit Fischereivereinen fanden rund drei Dutzend Notabfischungen statt. Aber das ist nicht so einfach, wie es klingt. Die Lebensraumkapazität eines Gewässers ist oft eine Einschränkung für die Umsiedlung von Fischen. Bachforellen zum Beispiel brauchen kalte, stark strukturierte Gewässer – sie lassen sich nicht einfach in ein anderes Gewässer umsetzen. In diesem Jahr gab es rund ein Dutzend Fälle, in denen Fische starben, weil sie nicht umgesiedelt werden konnten. Da stellt sich die Frage: Was passiert, wenn es weiterhin so heiß bleibt?

Die Lage im Kanton St. Gallen

Im Kanton St. Gallen, wo es etwa 8’000 Kilometer Fließgewässer gibt, spitzt sich die Lage zu. Die Behörden haben ein Wasserentnahmeverbot aus Oberflächengewässern verschärft und ein temporäres Betretungsverbot für rund 20 Gewässerabschnitte eingeführt, um den Fischen eine Verschnaufpause zu gönnen. Langfristige Lösungen müssen her. Die Schaffung naturnaher Gewässer und bessere Auf- und Abstiegshilfen für Fische stehen auf der Agenda. Man kann nur hoffen, dass dies bald umgesetzt wird.

In Appenzell Innerrhoden beispielsweise wurden aus sieben Bächen rund 4’000 Fische notabgefischt. Die Situation wird als sehr angespannt beschrieben, und eine Entspannung ist nicht in Sicht. Der Kanton Thurgau plant derweil die Schaffung eines Kaltwasserrefugiums an der Mündung des Mülibachs, während St. Gallen auf Renaturierung setzt. Es scheint, als ob die Region dringend kreative Lösungen braucht, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Ein Blick auf die Hintergründe

Doch was führt zu diesen alarmierenden Wassertemperaturen? Die Erhöhung der Lufttemperatur hat einen direkten Einfluss auf die Wassertemperaturen in Fließgewässern. Anthropogene Einflüsse, wie Kühl- und Abwassereinleitungen oder die Beseitigung von Ufergehölzen, tragen ebenfalls zur Problematik bei. Untersuchungen am Rhein zeigen, dass Wassertemperaturen trotz reduzierter Wärmeeinleitungen ansteigen. Niedrigwasser erhöht das Risiko übermäßiger Erwärmung, was die Situation noch weiter verschärft. Die Gewässertemperatur beeinflusst nicht nur die Lebensvorgänge, sondern auch die gesamte ökologische Funktionalität der Gewässer.

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Fischregionen werden in verschiedene Zonen unterteilt, von der Forellenregion mit starker Strömung bis hin zur Brachsenregion, die zuletzt geflutete Gebiete umfasst. In den meisten dieser Regionen steigen die Wassertemperaturen statistisch signifikant an – eine beunruhigende Entwicklung. Für die Fische wird es zunehmend schwieriger, geeignete Lebensräume zu finden. Kritische Temperaturen wurden bereits vielerorts überschritten, und das Fischsterben am Hochrhein aufgrund von Sauerstoffmangel sollte uns zu denken geben. Auch die dramatische Situation in der Oder 2022, die durch hohe Temperaturen und Algenwachstum gekennzeichnet war, ist ein mahnendes Beispiel für die Folgen des Klimawandels.