Ziesel im Zoo Zürich: Hoffnungsträger für eine bedrohte Art
Heute ist der 17.06.2026 und wir werfen einen Blick auf die faszinierende Welt der europäischen Ziesel, die neuerdings im Zoo Zürich ein Zuhause gefunden haben. Diese kleinen, tagaktiven Nagetiere sind nicht nur putzig anzusehen, sondern stehen auch vor großen Herausforderungen. Mit ihren etwa 20 Zentimetern Körperlänge (27 cm inklusive Schwanz) ziehen sie in Kolonien umher, doch wirklich gesellig sind sie nicht. Jedes Ziesel hat sein eigenes Häuschen, das bis zu 1,5 Meter tief in die Erde gegraben ist. So schützen sie sich vor Fressfeinden, während die Kolonielebensweise zusätzliche Sicherheit bietet. Spannend ist auch ihre Art der Kommunikation. Mit verschiedenen Warnrufen teilen sie ihren Artgenossen mit, wenn Gefahr in der Nähe ist.
Die Situation der Ziesel ist ernst. Sie sind stark bedroht, vor allem wegen Lebensraumverlust, Fragmentierung der Populationen und den Folgen des Klimawandels. In der Natur leben sie nur zwei bis drei Jahre und ihre Bestände sind in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen. Eine Bestandserhebung von 2023 hat gezeigt, dass besonders in Deutschland und Kroatien die Ziesel-Populationen stark geschrumpft sind. In Tschechien gibt es jedoch Hoffnung: Dort läuft ein Wiederansiedlungsprojekt, und der Zoo Zürich plant, sich daran zu beteiligen. Es ist ein Lichtblick in einer ansonsten düsteren Situation!
Einblicke in das Leben der Ziesel
Wenn wir genauer hinschauen, wird uns klar, wie einzigartig diese Tiere sind. Ziesel halten von Oktober bis März Winterschlaf, wobei die Männchen oft früher aufwachen, um ihre Reviere abzustecken – und natürlich, um sich zu paaren. Die Tragzeit beträgt maximal 28 Tage, und die Neugeborenen sind blind und hilflos. Nach einem Monat verlassen die kleinen Ziesel ihren Bau und sind nach drei Wochen fast selbstständig. Während des Spätsommers widmen sie sich der Nahrungsaufnahme und dem Graben neuer Höhlen. Was sie sich schmecken lassen? Hauptsächlich Knospen, Früchte, Samen und gelegentlich auch Insekten.
Der europäische Ziesel (Spermophilus citellus) ist nicht nur ein hübsches Gesicht, sondern auch ein wichtiger Bestandteil seines Ökosystems. Er braucht sonnige, niedrig bewachsene Lebensräume, um sich wohlzufühlen. Leider sind viele seiner natürlichen Lebensräume mittlerweile in Gefahr, und die Populationen leiden unter genetischer Verarmung. Besonders in den Karpaten ist die Situation angespannt. Früher gab es Ziesel bis ins Erzgebirge, doch die letzten Beweise ihres Vorkommens stammen aus Tschechien. Projekte wie die des Tiergartens Nürnberg, der seit 2014 über 120 Ziesel ausgewildert hat, zeigen, dass es auch erfolgreiche Ansätze zur Rettung dieser Art gibt.
In Tschechien wurden zum Beispiel im Jahr 2017 22 Ziesel erfolgreich auf einem Golfplatz in Karlovy Vary ausgewildert – und die Population ist inzwischen auf über 200 Tiere angewachsen! Es ist ein wunderbares Beispiel, wie durch gezielte Wiederansiedlungsprojekte neue Lebensräume geschaffen werden können. 2023 wurden sogar 6 Ziesel aus Nürnberg in Tschechien ausgesetzt, um den genetischen Austausch mit umliegenden Populationen zu fördern.
Die Ziesel sind also nicht nur ein spannendes Tier im Zoo Zürich, sondern auch ein Symbol für die Herausforderungen und Möglichkeiten des Naturschutzes. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Populationen entwickeln werden und ob diese kleinen Nagetiere auch in Zukunft in der Wildnis überleben können. Die Hoffnung stirbt zuletzt – und vielleicht können wir eines Tages wieder Ziesel in den Weiten Europas beobachten, wo sie einst heimisch waren.
