Sprüngli: 190 Jahre Schweizer Schokoladentradition zwischen Genuss und Innovation
Die Confiserie Sprüngli hat sich über die Jahre zu einem echten Symbol für Schweizer Schokoladentradition entwickelt. 1836 von David Sprüngli an der Marktgasse in Zürich gegründet, ist die Marke mittlerweile in der sechsten Generation unter der Leitung von Milan (63) und Tomas Prenosil (60) und feiert 2023 ihr 190-jähriges Bestehen. Die beiden Brüder, die 1994 die operative Führung von ihrem Onkel Richard Sprüngli übernahmen, haben es geschafft, die traditionsreiche Confiserie nicht nur im Herzen Zürichs am Paradeplatz zu verankern, sondern auch in die Zukunft zu führen.
Die Brüder Prenosil haben sich bewusst für eine klare Trennung zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsführung entschieden. Milan als Verwaltungsratspräsident und Tomas als CEO steuern das Unternehmen mit einem klaren Fokus auf Qualität und Tradition, ohne sich von kurzfristigen Trends verleiten zu lassen. Tatsächlich ist es für sie wichtiger, die Qualität ihrer Schokoladenprodukte zu sichern, weshalb sie auf das Einfrieren von Schokoladespezialitäten verzichten. Wer einmal in die verführerische Welt der Sprüngli-Schokolade eingetaucht ist, weiß, dass hier nicht nur die Süßigkeiten, sondern auch die Philosophie dahinter ein Genuss sind.
Ein Platz in der Zürcher Geschichte
Die Confiserie hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und ist längst zur besten Adresse für feine Confiserie- und Konditoreiwaren geworden. Die Eröffnung der Filiale am Paradeplatz im Jahr 1859 war ein Meilenstein, der die Marke fest in der Zürcher Gesellschaft verankerte. Über die Jahre zählte Sprüngli zahlreiche prominente Kunden wie Alfred Escher und Gottfried Keller zu seinen Liebhabern. Heute hat das Unternehmen rund 30 Filialen und bleibt trotz veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen der Eigenständigkeit treu. Externe Investoren sind für die Prenosils kein Thema – sie wollen die Liegenschaft am Paradeplatz im Familienbesitz halten.
Die Schokoladenproduktion hat eine lange Tradition in der Schweiz, die im 19. Jahrhundert begann. Pioniere wie François-Louis Cailler und Daniel Peter legten die Grundlagen für das, was wir heute als Schweizer Schokolade kennen. Sprüngli selbst begann 1845 mit der Schokoladenproduktion. Ein echter Klassiker, der die Herzen von Schokoladenliebhabern höher schlagen lässt, sind die berühmten Luxemburgerli, die 1957 eingeführt wurden und schnell Kultstatus erlangten. Sie gehören heute zu den besten Produkten des Hauses und sind ein Muss für jeden Süßigkeiten-Fan.
Tradition trifft auf Innovation
Die Brüder Prenosil verfolgen mit ihrem Unternehmen einen nachhaltigen Kurs. In den letzten Jahren hat Sprüngli nicht nur sein Sortiment erweitert, sondern auch auf die Herausforderungen des Marktes reagiert. So wurde beispielsweise vor eineinhalb Jahren das Café am Paradeplatz komplett umgebaut und erhielt durchweg positive Rückmeldungen. Auch die Einführung der Edelschokolade „Grand Cru Absolu“ im Jahr 2020 zeigt, dass Sprüngli bereit ist, sich weiterzuentwickeln, ohne die Wurzeln aus den Augen zu verlieren.
Während der Paradeplatz sich durch den Rückgang von Arbeitsplätzen in der Finanzindustrie verändert hat, bleibt die Confiserie ein Ort der Begegnung und des Genusses. Der Fokus auf gemischte Verkaufsteams und die klare Trennung der Rollen im Unternehmen zeigen, dass Sprüngli auch in der Personalpolitik modern denkt. Die Schokoladenwelt ist im ständigen Wandel und auch die Herausforderungen durch den Klimawandel und steigende Kakaopreise sind nicht zu unterschätzen. Doch die Prenosils blicken optimistisch in die Zukunft und planen, das Unternehmen an die nächste Generation zu übergeben. Ein echter Familienbetrieb, der sich seiner Verantwortung bewusst ist und dennoch den Blick für neue Entwicklungen nicht verliert.
In einer Welt, in der schnelllebige Trends oft die Oberhand gewinnen, ist es erfrischend zu sehen, wie Sprüngli seiner Tradition treu bleibt und gleichzeitig die Zeichen der Zeit erkennt. Nach fast zwei Jahrhunderten ist die Confiserie nicht nur ein Teil der Zürcher Identität, sondern auch ein Stück Schweizer Geschichte, das es zu bewahren gilt – mit jedem Stück Schokolade und jedem Luxemburgerli.
